Auf dem Bild sind Sanitäter und Soldaten zu sehen, die eine verletzte Person abtransportieren.
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Symbolbild: Gemeinsame Einsatzübung des Deutschen Roten Kreuzes und der Deutschen Bundeswehr RoadTEX 2025.
Bildrechte: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer
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Kassenarztchef: Gesundheitssystem nicht auf Krieg vorbereitet

Kassenarztchef: Gesundheitssystem nicht auf Krieg vorbereitet

Angesichts der angespannten Sicherheitslage in Europa fordert Kassenärztechef Gassen eine Anpassung von Gesundheitswesen und Infrastruktur. Entsprechende Planungen von Ex-Gesundheitsminister Lauterbach sind bis heute nicht umgesetzt.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Kassenärztechef Andreas Gassen hat mit Blick auf den fortdauernden Ukraine-Krieg eine Anpassung des Gesundheitswesens an die angespannte Sicherheitslage gefordert. "Auf einen Angriff mit Tausenden Opfern, nach dem zur Versorgung Verwundeter auch die Praxen gebraucht würden, sind wir nicht ansatzweise vorbereitet", sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt) vom Mittwoch.

Zwar halte er die Sanitätseinheiten der Bundeswehr für fachlich und technisch gut aufgestellt, sagte Gassen. Als "kriegstüchtig" sei jedoch das Gesundheitswesen, wie wohl das ganze Land, nicht zu bezeichnen.

Lauterbach-Pläne von Warken nicht umgesetzt

"Auch vier Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine gibt es kein Konzept des Bundes zur optimalen Nutzung aller ärztlichen Strukturen und zur Lösung von Problemen der Lagerung", so Gassen. Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte wegen Russlands Krieg gegen die Ukraine schon im März 2024 ein Gesetz angekündigt, um die medizinische Versorgung in Deutschland "auch für eventuelle militärische Konflikte besser aufzustellen". Dazu ist es bis heute nicht gekommen. Über konkrete Pläne von Lauterbach-Nachfolgerin Nina Warken (CDU) ist nichts bekannt.

Verbesserungswürdig: der Schutz der Infrastruktur

Besonders großen Handlungsbedarf sieht Gassen beim Schutz der Infrastruktur. "Wobei wir alle blank sind, das ist die hybride Kriegsführung, etwa wenn die Versorgung mit Strom oder Wasser unterbrochen würde", sagte der KBV-Chef: "Wo gibt es - neben den Kliniken - Standorte mit ausreichend Stromgeneratoren und Wasserversorgung, die autonom versorgt wären?"

Freiwilliges Register für den Krisenfall

Die meisten niedergelassenen Ärzte in Deutschland wären für einen Einsatz in Kriegsgebieten "kaum zu gebrauchen" und müssten auch die normale Versorgung so gut es geht weiter leisten, sagte Gassen, der selbst Notfallarzt war. Falls Reservisten aus den Kliniken im Verteidigungsfall einberufen würden, stelle sich die Frage, wer sie ersetze. "Ein bundesweites, gegebenenfalls freiwilliges Register mit allen relevanten Informationen darüber, welcher Mediziner in einem solchen Fall wo und wofür eingesetzt werden könnte, wäre vielleicht sinnvoll."

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