Fassungslos zeigt Roland Friedel auf abgeschnittene Kabel an den Wechselrichtern seines Solarparks. Dieser befindet sich an der A73 bei Hirschaid im Landkreis Bamberg. Friedel hat die Freiflächenanlage privat gebaut. In den nächsten drei bis vier Monaten wird er keinen Strom mehr erzeugen und einspeisen können: Diebe haben seine Kupferkabel gestohlen.
Organisiertes Vorgehen von Diebesbanden
Erste Schätzung des Schadens in Friedels Solarpark: 30.000 Euro. Fast täglich werden derzeit Kupferdiebstähle in Bayern gemeldet. In dieser Woche kam es zu ersten Festnahmen.
Die Täter wissen genau, wie sie vorgehen und was sie mitnehmen müssen, so die Polizei. In Hirschaid wurde an einer gut geschützten Stelle der Zaun aufgeschnitten, dann das Torschloss zur Anlage zerstört. Spuren eines oder mehrerer Transporter waren im Gras zu sehen. In den langen Reihen mit den Modulen sind oben alle Kabelbinder durchschnitten. Hier verliefen die gebündelten Kupferkabel. Die eigentlich wertvolleren Wechselrichter haben die Täter nicht abmontiert.
Zwar zahlt die Versicherung den Schaden von Roland Friedel, aber er wird nun eventuell höhere Auflagen für die Sicherheit seiner Anlage bekommen und das wiederum kostet den Privatunternehmer Geld.
Nicht nur Kabel: Ganze Kupferdächer abmontiert
Ganz anders schaut es da beim Zweckverband der Wasserversorgung in Eggolsheim im Landkreis Forchheim aus. Drei Kupferdächer von Hochwasserbehältern wurden hier in kürzester Zeit abmontiert. Hier muss der Schaden in Höhe von rund 35.000 Euro durch die Gebührenzahler gedeckt werden.
Geschäftsführer Benjamin Batz ist wütend, denn es betrifft auch hier wichtige Infrastruktur. "Wir sind ein Wasserversorger und im Endeffekt bleibt es jetzt an unseren Gebührenzahlern hängen. Mit dem Geld hätten wir eigentlich andere Sachen sanieren können."
Öffentliche Webseite: Tipps für Täter
Alle Hochbehälter liegen gut versteckt im Wald. Wer sich nicht auskennt, würde sie nie finden. Benjamin Batz hat deshalb den Verdacht, dass der gut ausgearbeitete und öffentlich einsehbare Energieatlas Bayern für die Täter beste Hinweise geben könnte, wo sich Solaranlagen befinden oder andere lohnenswerte Objekte. "Da können sie eigentlich genau auf das Objekt hinfahren und sehen dann sogar das Dach", so Batz.
Festnahmen: Erste Erfolge der Polizei
Im Moment befinde man sich wieder in einer Hochphase der Kupferdiebstahlserien, bestätigt das Polizeipräsidium Oberfranken. Erste Hinweise deuteten auf osteuropäische Tätergruppen hin. Das bestätigte sich jetzt durch Festnahmen von zehn mutmaßlichen Kupferdieben im Landkreis Würzburg.
Die Männer aus Rumänien sollen für Diebstähle aus Solarparks in Bayern und Baden-Württemberg verantwortlich sein. Bei ihrem letzten Diebeszug in einer Photovoltaik-Freiflächenanlage in Darstadt im Landkreis Würzburg, konnten sie nach Angaben der Polizei Kupferkabel im Wert eines sechsstelligen Betrages in Fahrzeuge laden, bevor sie festgenommen wurden. Ein Dieb ist weiterhin auf der Flucht. Ein zweiter wurde gestern Nachmittag in Rheinland-Pfalz festgenommen.
Die Tatverdächtigen befinden sich in U-Haft. Ihnen wird schwerer Bandendiebstahl vorgeworfen. Die Gesamtschadenshöhe der Diebstähle liegt nach bisherigen Schätzungen der Polizei im unteren siebenstelligen Bereich.
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