Landesgericht und Staatsanwaltschaft Wels, Oberösterreich, Österreich
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Ein Mann aus Starnberg muss sich vor dem Landesgericht Wels verantworten.

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Drohungen gegen Corona-Ärztin: Mann aus Starnberg vor Gericht

Drohungen gegen Corona-Ärztin: Mann aus Starnberg vor Gericht

Ist ein Mann aus dem Landkreis Starnberg Schuld am Suizid einer österreichischen Medizinerin? Der 61-Jährige soll ihr während der Corona-Pandemie Hassnachrichten geschickt haben. Er ist nun wegen des Vorwurfs der "gefährlichen Drohung" angeklagt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 im Radio am .

Unter großem medialem Interesse beginnt im oberösterreichischen Wels der Prozess gegen einen Mann aus dem Landkreis Starnberg, der für den Suizid der Ärztin Lisa-Marie Kellermayr mitverantwortlich sein soll. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine lange Haftstrafe.

Kampf gegen Corona: Ärztin wird zur Zielscheibe

Die Ärztin Lisa-Marie Kellermayr hatte ihre Praxis in Seewalchen am Attersee. Während der Covid-19-Pandemie engagierte sie sich im Kampf gegen das Virus. Noch im Lockdown führte die junge Ärztin Hausbesuche durch, war mit dem Rettungswagen im Einsatz. Ihre Erfahrungen mit Sauerstoffzufuhr und Medikamenten teilte sie mit Journalisten, postete immer wieder auf ihrem Twitter-Account. Dass Kellermayr dann auch die Corona-Impfung befürwortete, machte sie zur Zielscheibe. Sie erhielt zahlreiche Nachrichten und Drohschreiben. Der Bürgermeister von Seewalchen, Gerald Egger, berichtete im ORF, die Nachrichten, die ihm Kellermayr gezeigt habe, seien "menschlich abartig geschrieben" gewesen.

Angeklagter gibt die Nachrichten zu

Als einer der Absender wurde ein inzwischen 61-Jähriger aus dem Landkreis Starnberg ermittelt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Mann zwischen Februar und Juli 2022 in vier E-Mails sowie in drei Twitter-Nachrichten angekündigt haben, die Medizinerin vor ein noch einzurichtendes "Volkstribunal" zu stellen und sie "auf die Anklagebank und dann sicher ins Gefängnis" zu bringen. Da die Nachrichten von der Firmenadresse aus geschickt worden seien, sei der Angeklagte relativ einfach zu ermitteln gewesen. Im August 2022 war seine Wohnung durchsucht worden.

Der Mann sei in Deutschland wegen Vermögens- und Gewaltdelikten vorbestraft, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Er habe zugegeben, die Nachrichten an Kellermayr versendet zu haben. Dabei habe es jedoch seiner Ansicht nach nur um ein wechselseitiges Streitgespräch gehandelt, so eine Sprecherin der Behörde.

Medizinerin fühlte sich zunehmend bedroht

Nun gilt es im Prozess zu klären, ob die Nachrichten des Oberbayern ursächlich für den Selbstmord der Ärztin waren. Das will die Anklagebehörde mit Briefen der Ärztin, Zeugenaussagen und einem psychiatrischen Gutachten beweisen. Das Schöffengericht will dazu 27 Zeugen befragen.

Die junge Ärztin hatte bereits im November 2021 erstmals Anzeige erstattet. Später organisierte sie privat einen Wachdienst und baute weitere Sicherheitsvorkehrungen auf. Die hohen Kosten dafür und ihre Angst waren Gründe, warum sie im Sommer 2022 ihre Praxis zusperrte. Einige Wochen später nahm sie sich das Leben.

Hohe Haftstrafe möglich

Das Verfahren in Wels war um drei Wochen verschoben worden. Es sind nun vier Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird für den 9. April erwartet. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Deutschen bis zu 10 Jahre Haft. Es gibt noch weitere Ermittlungen wegen Drohungen anderer Absender gegen die verstorbene Ärztin.

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