(Symbolbild) Heroin-Utensilien mit einer halb aufgezogenen Spritze liegen auf einem Tisch.
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(Symbolbild) Eine Studie zum Thema Drug-Checking in Nürnberg zeigt: Ein Test-Angebot für illegale Substanzen wäre erwünscht und sinnvoll.
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(Symbolbild) Eine Studie zum Thema Drug-Checking in Nürnberg zeigt: Ein Test-Angebot für illegale Substanzen wäre erwünscht und sinnvoll.

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Drug-Checking: Effektiver Ansatz gegen Drogen-Notfälle

Drug-Checking: Effektiver Ansatz gegen Drogen-Notfälle

In Bayern sterben jedes Jahr über 200 Menschen durch Drogenmissbrauch. Einige Fälle wären vermeidbar, glauben Experten. Eine Studie zum Thema Drug-Checking in Nürnberg zeigt: Ein Test-Angebot für illegale Substanzen wäre erwünscht und sinnvoll.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Drogensucht ist eine Krankheit. "Wer zum Beispiel von Heroin abhängig ist, kann nicht einfach damit aufhören", sagt Jan Welker. Er ist Oberarzt der internistischen Intensivstation am Klinikum Nürnberg, Campus Nord – und Teil des "Nürnberger Drogenhilfemodells". Was Abhängige aber tun können, ist eigenverantwortlich mit den Substanzen umgehen und zum Beispiel nur so viel konsumieren, wie nötig. Dafür müssen sie aber wissen, wie stark die Drogen überhaupt sind. Und ob das drin steckt, was den Konsumenten verkauft wird.

Fentanyl statt Heroin

Welkers Team konnte vor Kurzem einen Patienten vor dem Atemstillstand retten. Das Problem: Die Droge, die er bei seinem Dealer gekauft hatte, war kein Heroin, sondern Fentanyl. Das wusste der Mann aber nicht. "Fentanyl wirkt 50 Mal stärker als Heroin. Dementsprechend ist es auch 50 Mal gefährlicher." Welker glaubt: Wenn Menschen wüssten, was wirklich in der Spritze steckt, könnten sie kleinere Dosen konsumieren oder sich gegen den Konsum entscheiden. Sie könnten andere in der Szene warnen. "Oder ihren Dealer rund machen", empfiehlt der Mediziner wörtlich.

Angebot anonym und straffrei

Drug-Checking-Angebote funktionieren so: Konsumenten können ihre Drogen anonym und straffrei abgeben. Die Substanz wird dann im Labor analysiert. Wie lange die Analyse dauert, ist unterschiedlich. Im Anschluss gibt es ein Beratungsgespräch zur Zusammensetzung und möglichen Verunreinigungen. Außerdem kommen die Berater so mit den Konsumenten ins Gespräch und können Zugänge zu Hilfsangeboten schaffen. "Das Drug-Checking ist ein Door-Opener", sagt Christian Ghanem. Er leitet das Forschungsprojekt "Evidenzbasiertes Drug-Checking in Nürnberg" (EviDriN).

Forschungsprojekt zeigt großen Bedarf

Projektleiter Ghanem sagt: "Unsere Ergebnisse zeigen ganz klar, dass Drug-Checking in Nürnberg gewollt ist und angenommen werden würde." Außerdem ergaben Studien: 65 Prozent der Konsumenten würden die Substanzen wegwerfen, wenn sich herausstellt, dass sie unerwartete Giftstoffe enthalten oder es sich um andere Substanzen handelt als gedacht.

EviDriN ist ein Projekt der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU). Als Teil des "Nürnberger Drogenhilfemodells" hat es zum Ziel, die Zahl der Drogennotfälle in der Region zu verringern, Konsumenten zu unterstützen und das Gesundheitssystem zu entlasten.

Denn besonders an den Wochenenden ist das medizinische Personal in Nürnberg oft im Dauereinsatz. Krankenwagen und Krankenhausbetten sind ohnehin knapp. Kommen dann zu den Herzinfarkten und Schlaganfällen noch Drogennotfälle dazu, müssten Patienten im schlimmsten Fall länger auf Hilfe warten. Doch das wäre vermeidbar, sagt Oberarzt Jan Welker. Und möglicherweise wäre das Drug-Checking auch kostengünstiger, erklärt Ghanem. Von den Kosten, die entstehen, wenn ein Konsument mit Überdosis im Krankenhaus landet, könnte man mehrere tausend Schnelltests für synthetische Opioide finanzieren.

Daten-Grundlage ermittelt

Die Forschergruppen des EviDriN-Projekts haben sich unterschiedliche Substanzen und Konsumentengruppen angesehen und dafür seit Dezember 2024 die Drogennotfälle am Klinikum Nürnberg der vergangenen Jahre analysiert, Spritzenrückstände untersucht und Konsumenten und Experten befragt.

Erst einmal ging es bei EviDriN darum, eine gute Datenlage zur Situation in Nürnberg zu erlangen. Im nächsten Schritt wollen die Forscher ein Konzept dazu ausarbeiten, wie Drug-Checking-Angebote in der Region umgesetzt werden könnten. Die Entscheidung, ob das Konzept umgesetzt wird, liegt bei der Politik.

Drug Checking ist Ländersache

Auf Bundesebene ist Drug-Checking seit 2023 möglich. Demnach kann jedes Bundesland selbst entscheiden, ob es Drug-Checking zulässt. Ein entsprechendes Angebot gibt es beispielsweise in Berlin. Dort sei laut "drugchecking.berlin" fast jede zweite Probe auffällig, also sehr hoch dosiert, falsch deklariert oder verunreinigt. Ein Viertel der Konsumenten hätten nach dem Gespräch angegeben, kleinere Mengen zu konsumieren oder ihren Konsum einstellen zu wollen. Außerdem hat "drugchecking.berlin" in Evaluationen herausgefunden, dass 80 Prozent der Konsumenten über das Projekt zum ersten Mal mit der Suchthilfe ins Gespräch kamen.

Die Bayerische Landesregierung steht dem Drug-Checking grundsätzlich skeptisch gegenüber. Entsprechende Angebote gibt es im Freistaat noch nicht. Die CSU argumentiert: Man wolle den Dealern nicht bei ihrer Arbeit helfen und Party-Konsumenten den Konsum nicht erleichtern. Suchtkranke wolle man aber unterstützen. Deshalb müssten sich Hilfskonzepte auf die Unterstützung Suchtkranker beschränken. Das EviDriN-Team will mit seinen Analysen eine Grundlage für politische und rechtliche Entscheidungen schaffen.

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