Vapes aus dem Automaten
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Diese Vapes mit künstlichen Cannabinoiden kann man ganz legal im Automaten kaufen.
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Diese Vapes mit künstlichen Cannabinoiden kann man ganz legal im Automaten kaufen.

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Drogen aus dem Automaten: Warum ist das legal?

Drogen aus dem Automaten: Warum ist das legal?

In Automatenläden in Bayern gibt es Vapes mit im Labor hergestellten Cannabinoiden zu kaufen. Die chemischen Stoffe sind oft neu – die Wirkung meist unklar. Die Städte und Behörden sind gegen den Verkauf der Drogen machtlos.

Über dieses Thema berichtet: BR24 vor Ort am .

Wir stehen in einem Automatenladen in Erlangen, es ist Freitagnacht. Der Raum ist grell erleuchtet, die Automaten brummen leise vor sich hin. Außer uns sind nur eine Handvoll anderer Kunden da. Meist junge Leute, die sich Bier oder Snacks für den Rest der Nacht kaufen wollen.

Bunte Verpackung, unklare Wirkung

Wir nicht – wir suchen etwas anderes. Jemand hat uns erzählt, dass es in diesem Automaten-Laden Vapes zu kaufen gibt, die im Labor hergestellte Cannabinoide enthalten. Laut unserer Quelle sollen Jugendliche sogar schon Psychosen davon erlitten haben. Ob das stimmt, können wir nicht prüfen.

Aber dass es diese Cannabinoid-Vapes tatsächlich hier zu kaufen gibt, das sehen wir. Sie stehen in mehreren Automaten in der Ecke, auf ihnen stehen Begriffe wie THCV, TAC oder DNT-9. Die Packungen glänzen, sind bunt und auf ihnen sind muskelbepackte Schafe oder grinsende Fratzen zu sehen. Im Hintergrund: sind stilisierte Cannabisblätter. Was genau drin ist, weiß keiner so genau. Wir wollen dem nachgehen und fragen uns auch, warum diese Vapes einfach so verkauft werden dürfen.

Immer wieder Fälle in der Psychiatrie

Wir sprechen auch mit Konsumenten und stellen fest: Oft wissen die gar nicht, was in den Vapes steckt – und wie stark es wirkt. "Das kann schon der erste Zug sein, der einem die Psychose beschert", warnt Suchtmedizinerin Elisabeth Müller vom Klinikum Nürnberg. Als Psychiaterin hat sie immer wieder mit den Folgen dieser künstlichen Cannabinoide zu tun. Nicht jeder, der diese Vapes raucht, wird direkt zum Notfall. Wie viele genau es betrifft, ist nicht ganz klar. Wenn es aber passiert, können die Folgen massiv sein. "Im Prinzip ist man das eigene Versuchskaninchen".

Katz- und Maus-Spiel mit dem Gesetzgeber

Aber warum kann man die Vapes so einfach kaufen? "Es ist ein Katz- und Maus-Spiel", erzählt Sandro Rösler von der Nürnberger Drogenhilfe Mudra. Das "Spiel" funktioniert so: Ein Produkt kommt auf den Markt, dann wird es vom Gesetzgeber verboten – entweder über das Betäubungsmittelgesetz oder mit dem Neue-Psychoaktive-Stoffe-Gesetz. Sobald es da aufgenommen wurde, ist der Handel damit illegal.

"Und die Händler und Händlerinnen switchen dann auf ein neues Produkt um, wo dann eine andere Molekülkette dranhängt. Dann hat man wieder einen neuen Stoff, der wieder ähnlich wirkt und rechtlich nicht erfasst wird. Und das ganze Spiel geht wieder von vorne los", sagt Rösler. Die Hersteller ließen eine Anfrage unbeantwortet.

Behörden hinken den Entwicklungen in der Branche hinterher. Das räumt zum Beispiel auch die Stadt Erlangen ein: "Solange die gesetzlichen Vorgaben für das Inverkehrbringen von Vapes eingehalten werden, gibt es seitens der Lebensmittelüberwachung keine Handhabe den Verkauf zu untersagen."

Test aus dem Labor: psychoaktive Wirkung

Nach einigen Tagen kommt eine Nachricht aus dem Labor: Die vorläufigen Ergebnisse sind da. Zwei der drei Produkte enthalten hauptsächlich extrahierte Cannabisstoffe ohne größere psychoaktive Wirkung. Der Vape, auf dem THCV stand, enthält dagegen Tetrahydrocannabivarin, das in hohen Mengen die Psyche beeinflusst.

"Von solchen Produkten würde ich definitiv abraten, weil die Zusammensetzung eben total variabel ist und man letztlich überhaupt nicht weiß, was man sich da zuführt", sagt Prof. Dr. Volker Auwärter von der Forensischen Toxikologie in Freiburg. "Und ich bin sicher, wenn man da noch weiter analysiert, wird man noch die eine oder andere böse Überraschung noch feststellen."

Und tatsächlich: Etwas später finden die Experten in den beiden vermeintlich harmlosen Vapes noch einen anderen, psychoaktiven Stoff: Delta-9-butannitriloxim, auch bekannt als THO. Der ist laut Auwärter so neu, dass er in den Standarddatenbanken nicht aufgeführt ist. Langzeitfolgen: unbekannt.

Experten wünschen sich Drug Checking

Das Problem lässt sich nicht allein mit Verboten lösen, glauben unsere Interviewpartner. Sie wünschen sich mehr Aufklärung und die Möglichkeit, Drogen einfach überprüfen zu lassen. In Bayern gibt es dieses sogenannte Drug Checking noch nicht, in anderen Bundesländern aber schon.

BR24 auf Instagram: In solchen Vapes stecken künstliche Cannabinoide

Dieser Artikel ist erstmals am 21. April 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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