Sie hatten im Februar 2022 bei einer Feier in einem Lokal in Weiden in der Oberpfalz Champagner bestellt. Was keiner wusste: Statt Schaumwein befand sich die flüssige Droge MDMA in der großen Drei-Liter-Flasche. Ein Mann starb, nachdem er davon getrunken hatte. Die anderen sieben Gäste, die ebenfalls davon tranken, wurden teils lebensgefährlich verletzt.
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Niederländer wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht
Seit Anfang Dezember steht ein 46-jähriger Niederländer vor dem Landgericht Weiden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung sowie bandenmäßigen Drogenhandel vor. Er soll Teil einer Gruppe gewesen sein, die große Mengen MDMA herstellte, um sie in Deutschland und im Ausland zu verkaufen. Laut Ermittlungen diente die Champagnerflasche als Tarnung für den Drogenhandel. In dieser Woche ist vor Gericht erstmals die manipulierte Champagnerflasche vorgestellt worden.
Was ist jetzt neu?
Die Ermittler gehen davon aus, dass insgesamt rund 20 manipulierte Champagnerflaschen in den Niederlanden hergestellt wurden. Sieben davon konnten Ermittler inzwischen sicherstellen. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Weiden, Matthias Bauer hat dem BR gesagt, es könnten noch etwa 13 weitere Flaschen in Umlauf sein. Das heißt, so ein schrecklicher Vorfall wie in Weiden, könnte sich wiederholen.
Kann ich als Kunde an so eine manipulierte Flasche geraten?
Es handelt sich bei dem Fall in Weiden um eine spezielle Drei-Liter-Flasche Moët der Sorte Ice Impérial. Solche Flaschen bekommt man in der Regel nicht im normalen Handel, sondern fast ausschließlich in Clubs, bei Großveranstaltungen oder bei Events. Für Privatkunden ist es also sehr unwahrscheinlich, dass sie eine erhalten. Außer die Flasche wird – so wie im Weidener Fall – übers Internet gekauft. Dann sollte sie unbedingt geprüft werden, bevor daraus getrunken wird. Denn die Flüssigkeit ist dunkelbraun und riecht vor allem seltsam.
Wie lief die Manipulation ab?
Die Täter haben ein winziges, stecknadelgroßes Loch in den Flaschenboden gebohrt – an einer unauffälligen Stelle in der Prägung. Durch dieses Loch wurde zuerst der Schaumwein ausgelassen und anschließend das flüssige MDMA eingefüllt. Anschließend wurde die Öffnung wieder so verschlossen, dass die Manipulation von außen kaum zu erkennen war. Die Flasche wirkte also wie original verschlossen: Denn der Korken und die Versiegelung blieben bei dem Vorgang unberührt.
Flascheninhalt entspricht bis zu 6.400 Ecstasy-Tabletten
Ein normaler Schluck fasst etwa zehn bis 20 Milliliter. Umgerechnet entspricht bereits ein kleiner Schluck des flüssigen MDMAs einer Dosis von rund 14 Ecstasy-Tabletten, so ein Sachverständiger. Das bedeutet, dass so ein Schluck äußerst gefährlich ist und zu schweren Vergiftungen, Kreislaufversagen oder sogar zu einem Herzstillstand führen kann. Auch im Weidener Fall haben die Opfer bis heute mit den Folgen zu kämpfen.
Keine Haftentlassung für den Angeklagten
Die Verteidigung um den Angeklagten und seinen Anwalt Alexander Stevens hatte vor knapp zwei Wochen Haftentlassung beantragt. Wie der Sprecher des Landgerichts Weiden, Florian Bauer, mitteilte, wurde der Antrag aufrechterhalten. Der Mann bleibt weiterhin in Haft. Die Verteidigung prüft nun eine Haftbeschwerde beim Oberlandesgericht. Der Prozess geht am 6. Februar weiter.
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