Im Eichstätter Finanzskandal hat am Donnerstag der damalige Finanzdirektor der Diözese vor dem Landgericht München II ausgesagt. Er fühle sich nicht von dem Angeklagten getäuscht, so der 75-jährige Geistliche. Die Idee zu den Investitionen in den USA habe sein angeklagter Stellvertreter gehabt.
Eine Geschichte des Vertrauens
Er habe sich die Idee erklären lassen und darauf hingewiesen, dass die Anlage sicher sein müsse. "Einen Verlust können und dürfen wir uns nicht leisten", habe er seinem Stellvertreter gesagt. Der Angeklagte habe ihm das versichert. Er habe ihm vertraut.
Der Stellvertreter sei der Experte gewesen. Er selbst sei ein Laie im Finanzwesen. Im Gespräch seien zwar 30 Millionen Euro gewesen. Dass es dann rund 50 Millionen Euro waren, habe ihn dann doch überrascht. Getäuscht sehe er sich dennoch nicht. "Die 30 Millionen waren kein Fixum."
Angeklagter: "Wir haben nicht gezockt!"
Er fühle sich von der Bistumsleitung beschmutzt und falsch behandelt. Er widersprach einer früher getätigten Aussage des emeritierten Bischofs Hanke, er habe gezockt. "Ich würde es nicht als zocken bezeichnen, was mein Stellvertreter und ich gemacht haben." Sie haben nicht bewusst Gelder fehlinvestiert. Derzeit läuft gegen ihn noch ein kirchenrechtliches Verfahren, damit gehe es ihm schlecht. Sein Rücktritt 2016 habe allerdings nichts mit dem Skandal zu tun.
Verträge unterzeichnet ohne sie zu verstehen
Die relevanten Verträge zu den Investitionen in den USA habe er unterschrieben, aber sich nicht näher mit ihnen befasst. Da sei schon sein Schulenglisch gar nicht ausreichend gewesen. Auch hier habe er seinem Stellvertreter vertraut. An 2014 verabschiedete Anlagerichtlinien erinnerte er sich heute nicht mehr.
Der Befragte machte deutlich, dass er in seiner Position nicht alles habe prüfen können. Beim Thema Provision für seinen Stellvertreter stimmte er dann in seiner Aussage mit der des Bischofs überein. "Es schließt sich für mich aus, wenn ich im Auftrag der Diözese handele, dann auch noch extra Geld bekomme." Der Angeklagte hatte von seinem Geschäftspartner Zahlungen in Höhe von rund 800.000 Euro bekommen.
Skandal 2018 publik gemacht
Zum Hintergrund: Das Bistum Eichstätt hat vor knapp zehn Jahren durch Immobilienprojekte in den USA, die laut Anklage, "nicht oder nicht ausreichend gesichert" waren, über 40 Millionen Euro verloren. Angeklagt ist unter anderem der ehemalige stellvertretende Finanzdirektor, der verantwortlich für diese Risikoinvestitionen sei – und zudem sich selbst an der Vergabe an Investitionen bereichert haben soll.
Die beiden Angeklagten bestreiten, dass es sich dabei um Risikogeschäfte gehandelt habe. Sie betonten, dass ihre Investitionen in US-amerikanische Immobilien sicher gewesen sein sollen.
Externe Wirtschaftsprüfer hatten entdeckt, dass über 60 Millionen Dollar in hochriskante Anlagegeschäfte in den USA geflossen waren. Die beiden Angeklagten hätten diese Geschäfte untereinander ausgemacht und sich daran selbst bereichert. Dem Geschäftsmann werden Untreue und Bestechung vorgeworfen. Der ehemalige Vize-Finanzchef des katholischen Bistums muss sich in dem Verfahren wegen Untreue und Bestechlichkeit verantworten.
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