Der Tankrabatt ist Geschichte: Nach knapp zwei Monaten lief die Steuersenkung auf Benzin und Diesel heute um Mitternacht aus. Für Autofahrerinnen und Autofahrer ist Tanken damit wieder deutlich teurer geworden. Besonders spannend war der Moment heute um 12:00 Uhr als die Tankstellen ihre Preise erstmals wieder anheben durften.
Der Tank-Rabatt hatte die Energiesteuer auf Kraftstoffe um rund 17 Cent pro Liter gesenkt. Die Bundesregierung wollte damit Pendler, Familien und Unternehmen in einer Phase hoher Energiepreise entlasten. Doch umstritten war die Maßnahme von Beginn an.
Mehrere hundert Verstöße täglich gegen die 12-Uhr-Regel?
Thomas Ranki-Harloff vom Automagazin "auto motor und sport" und dem Vergleichsportal "mehr tanken" sieht im BR24-Interview bei der neuen 12-Uhr-Regel deutliche Probleme. Die Auswertung der vergangenen Wochen zeige, "dass sich doch viele nicht daran halten". Seit Einführung der Regel am 1. April seien nach seinen Angaben "kontinuierlich mehrere 100 Verstöße jeden Tag" festgestellt worden. Betroffen seien demnach sowohl große Ketten als auch einzelne Tankstellenbetreiber.
Entlastung kam nicht überall an
Auch beim Tankrabatt fällt Ranki-Harloffs Bilanz gemischt aus. Die Steuerersparnis sei zu Beginn nicht sofort direkt weitergegeben worden. Beim Benzin habe das später besser funktioniert, beim Diesel dagegen weniger. Den Preis-Unterschied von rund fünf Cent zum rechnerischen Tankrabatt bezeichnet er als zusätzliche Marge für die Mineralölindustrie: Das sei Geld, das "nicht bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern angekommen" sei.
Wann Tanken jetzt am günstigsten ist
Für Autofahrerinnen und Autofahrer bleibt laut Ranki-Harloff vor allem der richtige Zeitpunkt entscheidend. Durch die 12-Uhr-Regel gebe es immerhin mehr Verlässlichkeit: "Jetzt wissen wir, wenn wir kurz vor zwölf tanken, dann kriegen wir den günstigsten Preis." Nach dem Mittagspreis-Peak könnten die Preise aber auch wieder fallen. Laut seinen Daten seien bis 14 Uhr bereits 44 Prozent dieses Peaks wieder abgeschmolzen. Wer nach 14 Uhr tanke, habe deshalb "gute Karten", wieder einen spürbar günstigeren Preis zu bekommen. "Wer zum richtigen Zeitpunkt tankt, kann auf eine 50 Liter Tankfüllung mit Diesel ungefähr 16 Euro pro Tankfüllung sparen."
Warum die Preise nicht sofort wegen der Steuer steigen müssten
Die Energiesteuer wird nicht erst an der Zapfsäule fällig. Sondern sie entsteht, wenn Kraftstoff aus dem Steuerlager kommt. Das sind zum Beispiel Raffinerien oder große Tanklager, die entsprechend vom Zoll zugelassen wurden. Das heißt: Viele Tankstellen durften noch bis Mitternacht am 30. Juni Benzin und Diesel mit dem niedrigeren Steuersatz einkaufen. Dass die Preise trotzdem direkt um 12:00 Uhr deutlich steigen, liegt also nicht automatisch daran, dass dieser Sprit an der Tankstellenkasse höher besteuert wird. Es geht auch um Erwartungen, Wiederbeschaffungskosten und um die Frage, wie viel Spielraum sich die Mineralölkonzerne und Tankstellen nehmen.
Was hat der Tankrabatt gebracht?
Kritiker warfen den Mineralölkonzernen vor, die Entlastung nicht vollständig weitergegeben zu haben. Außerdem wurde diskutiert, ob der Rabatt vor allem Menschen hilft, die besonders viel Auto fahren. Der Leiter der Forschungsgruppe Steuer- und Finanzpolitik beim ifo-Institut Florian Neumeier den Tankrabatt als "sehr teure Maßnahme", die den Staat in zwei Monaten rund 1,6 Milliarden Euro gekostet habe.
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