Henry und seine Mutter Karina Niederle sitzen am Küchentisch und machen gemeinsam Hausaufgaben.
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Henry und seine Mutter machen gemeinsam Hausaufgaben. Henry könnte aufs Gymnasium gehen, wird aber die Realschule besuchen.
Bildrechte: BR/Julia Kuhles
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Henry und seine Mutter machen gemeinsam Hausaufgaben. Henry könnte aufs Gymnasium gehen, wird aber die Realschule besuchen.

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Entscheidung über das ganze Leben? So schwer ist die Schulwahl

Entscheidung über das ganze Leben? So schwer ist die Schulwahl

Familien überlegen sich gut, welche Schulart am besten zu ihrem Kind passt. Dabei spielen nicht nur Noten eine Rolle, sondern auch die Zukunftsperspektiven, der Druck und wie viel Freizeit bleibt. Zwei Beispiele aus Stadt und Land.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Familie Stör aus München hat in den letzten Monaten viel überlegt. Tochter Rebecca ist gerade in der vierten Klasse und der Übertritt an die weiterführende Schule steht an. Rebeccas Noten würden locker für das Gymnasium reichen, im letzten Zeugnis standen nur Einsen und Zweien. Für ihre Mutter Miriam war die Realschule trotzdem eine Option – unter anderem, weil der Druck dort weniger hoch sei: "Die gehen, glaube ich, nicht ganz so schnell voran mit dem Stoff und du hast nicht den Zwang, dass du immer eine zweite Sprache lernen musst." Rebecca selbst erzählt, sie habe sich Gedanken gemacht, wie viel man am Gymnasium lernen muss.

Am Ende fiel die gemeinsame Wahl aber doch auf das Gymnasium – vor allem mit Blick auf Rebeccas Möglichkeiten in der Zukunft. Es sei eben der einfachste Weg, ein Abitur zu kriegen, so Miriam Stör. Und Rebeccas Zeugnis sei auch so gut gewesen, "dass es eigentlich schade wäre, wenn wir sie nicht aufs Gymnasium schicken".

Der Notendurchschnitt entscheidet - aber nicht nur

In Bayern entscheidet vorrangig der Notschnitt des Übertrittszeugnisses, welche weiterführende Schule ein Kind besuchen kann. Bei einem Schnitt von 2,33 oder besser in den drei Hauptfächern Mathe, Deutsch und Heimat- und Sachunterricht, wird eine Empfehlung fürs Gymnasium ausgesprochen. Für den Besuch einer Realschule ist ein Schnitt von mindestens 2,66 nötig. Eltern steht es aber frei, ihre Kinder zu einem Probeunterricht anzumelden, wenn sie sie auf eine andere als die empfohlene Schulart schicken möchten. Von dieser Option machen aber nur Wenige Gebrauch. Meistens fällt die Entscheidung aufgrund der Empfehlung im Zeugnis - und weil viele Familien lange die Gründe abwägen, die für und gegen die einzelnen Schulformen sprechen.

Abitur ist auch über "Umwege" möglich

Mehr Lernstress, weniger Freizeit, größerer Druck, doch dafür winkt die "Belohnung Abitur" am Ende. So schätzen viele Familien die Schullaufbahn am Gymnasium ein. Doch so muss es nicht sein: Etwa 45 Prozent aller Absolventen erlangen laut Zahlen des Kultusministeriums ihre Hochschulreife nicht über das klassische Gymnasium, sondern über die berufliche Schiene, also über den Besuch der Fachoberschule (FOS) oder Berufsoberschule (BOS) oder über den zweiten Bildungsweg.

Diese Möglichkeit, das Abitur auch zu einem späteren Zeitpunkt noch nachholen zu können, hat etwa bei Henry und seiner Familie den entscheidenden Auschlag gegeben, sich für die Realschule zu entscheiden:

Noten fürs Gymnasium - Entscheidung für Realschule

Henry könnte, wie Rebecca, aufs Gymnasium gehen. Der Zehnjährige besucht aktuell die Grundschule in seinem Heimatdorf in Unterfranken. In Mathe, Deutsch und HSU hat er die Note 2. Trotzdem hat er sich gemeinsam mit seinen Eltern für die Realschule entschieden: "Dort wäre ich die ganze Zeit mit Lernen beschäftigt und so hab‘ ich mehr Zeit für meine Hobbys", begründet Henry seine Entscheidung. Außerdem wollen auch die meisten seiner Freunde auf die Realschule.

Seine Eltern hatten zwar anfangs angesichts seiner guten Noten schon über das Gymnasium nachgedacht, sind aber jetzt froh mit ihrer Entscheidung pro Realschule. "Heutzutage ist so viel möglich – egal, wofür man sich nach der vierten Klasse entscheidet", findet Mutter Karina Niederle. So hat zum Beispiel auch Henrys Vater den zweiten Bildungsweg genutzt: Erst Ausbildung zum Mechatroniker, dann BOS, Abitur und Studium – jetzt arbeitet er als Maschinenbauingenieur.

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