Der geplante Teilabzug von US-Truppen aus Deutschland könnte laut Präsident Donald Trump umfangreicher ausfallen als bisher angekündigt. Am Freitag hatte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth angeordnet, 5.000 Soldaten zu verlegen. Hintergrund seien die "Anforderungen im Einsatzgebiet sowie die Bedingungen vor Ort". Aus Sicht von Trump reicht das aber nicht.
Trump stellt weitere Truppenverlegung in Aussicht
"Wir werden die (Truppenstärke) stark reduzieren. Und wir reduzieren um weit mehr als 5.000", sagte der Republikaner einen Tag später auf dem Flughafen in Palm Beach im US-Bundesstaat Florida auf eine Reporterfrage. Eine genaue Zahl nannte Trump zunächst jedoch nicht. Unklar ist nach wie vor außerdem, welche Standorte betroffen sind.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte sich zuletzt um Deeskalation bemüht. Er hob die weiter bestehenden gemeinsamen Interessen hervor. "Die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und besonders in Deutschland ist in unserem Interesse und im Interesse der USA." Gleichzeitig sei der Schritt der US-Regierung erwartbar gewesen, so Pistorius. Die Nato müsse nun europäischer werden.
Nato: Wollen Entscheidung der US-Regierung ergründen
Beim Verteidigungsbündnis versucht man derzeit offensichtlich noch, an mehr Informationen zu kommen. "Wir arbeiten mit den USA zusammen, um die Details ihrer Entscheidung zur Truppenpräsenz in Deutschland besser zu verstehen", teilte eine Sprecherin der Nato auf der Plattform X mit. "Kein Grund zur Panik, aber ein weiterer Weckruf." Bisher hatte das Pentagon lediglich erklärt, dass der Teilabzug aus der Bundesrepublik innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate abgeschlossen sein soll.
Laut einem Bericht der "New York Times" (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) unter Berufung auf Quellen im US-Verteidigungsministerium ist nicht geplant, im rheinland-pfälzischen Landstuhl oder anderen medizinischen Einrichtungen für US-Streitkräfte unmittelbar Personal abzubauen. In Landstuhl befindet sich das größte US-Militärkrankenhaus im Ausland.
Führende Republikaner gegen Teilabzug
Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April 39.000 Soldaten in Deutschland stationiert – davon 17.000 in Bayern. Die Zahlen verändern sich allerdings regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen. Sollten die USA tatsächlich 5.000 Einheiten aus Deutschland abziehen, wären hierzulande wieder ähnlich viele Truppen stationiert wie vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs.
In den Reihen der Republikanischen Partei formiert sich unterdessen Kritik an den Plänen. In einer gemeinsamen Erklärung warnten die Vorsitzenden der Verteidigungsausschüsse in Senat und Repräsentantenhaus, Roger Wicker und Mike Rogers, dass ein Truppenabzug aus Deutschland das Risiko berge, "das falsche Signal an Wladimir Putin zu senden".
Deutschland sei Forderungen Trumps nachgekommen
Wicker und Rogers zeigten sich "sehr beunruhigt". Auch wenn die europäischen Nato-Verbündeten ihre Verteidigungsausgaben wie angekündigt erhöhten, werde es "Zeit brauchen, diese Investitionen in die militärischen Fähigkeiten zu übersetzen, die notwendig sind, um die Hauptverantwortung für die konventionelle Abschreckung zu übernehmen", erklärten die beiden US-Politiker.
Wicker und Rogers betonten zudem, dass Deutschland den Forderungen ihres Parteifreundes Trump nach höheren Verteidigungsausgaben nachgekommen sei und dass Berlin US-Flugzeuge während des anhaltenden Konflikts mit dem Iran Stützpunkte und den deutschen Luftraum nutzen lasse. Andere europäische Länder hatten sich dem verweigert.
Sicherheitsexperte warnt vor ausbleibenden US-Raketen
Sorgen bereitet derweil auch die Absage Washingtons, ein US-Bataillon mit weitreichenden Tomahawk-Raketen in Deutschland zu stationieren. Das Projekt war noch von Trumps Vorgänger Joe Biden und Altbundeskanzler Olaf Scholz (SPD) beschlossen worden. Nun hat die Trump-Regierung die Pläne ebenfalls verworfen.
Christian Mölling, Direktor der europäischen Verteidigungs-Denkfabrik EDINA, wertete den Verzicht auf die Raketen-Einheit als operativ schwerwiegender als den reinen Truppenabzug. Die USA hätten "innerhalb der Nato faktisch ein Monopol" auf weitreichende Raketen, schrieb Mölling auf X.
Mit Informationen von dpa, AFP und Reuters
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