Seismograph der Erschütterungen bei einem Erdbeben anzeigt (Archiv- und Symbolbild)
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Beben in Bayern: Das steckt hinter den Erschütterungen

Beben in Bayern: Das steckt hinter den Erschütterungen

Im Landkreis Rottal-Inn ist in 20 Kilometern Tiefe eine der stärksten Erschütterungen seit Jahren gemessen worden. Warum der genaue Ort "mehr oder weniger Zufall" war und wo in Bayern es am öftesten ruckelt, weiß ein Mitarbeiter des Erdbebendienstes.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

In Bayern hat die Erde gebebt – am Dienstagmorgen im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn. Tobias Megies vom Erdbebendienst Bayern ordnet das Beben bei Massing ein: Es sei zwar nach der Magnitude – dem Maß der freigesetzten Energie – eines der stärksten Beben der vergangenen Jahre auf bayerischem Gebiet gewesen. Die nach der Richterskala gemessene Magnitude lag bei 2,6. Aber, so erklärt der Diplom-Geophysiker auf BR24-Anfrage: "Im Fall des Bebens vom Dienstag lag der Herd relativ tief, in circa 20 Kilometern Tiefe, und deshalb war es dann wohl auch nicht zu spüren." Da hätte es, so vermutet Megies, eine Magnitude von 3 bis 3,5 gebraucht, damit es eine größere Anzahl von Menschen bemerkt hätte.

Dabei ereignen sich in Bayern merkliche Erschütterungen. "Es kommt etwa ein- bis dreimal pro Jahr vor, dass Beben von Anwohnern in Bayern verspürt werden können", berichtet Megies. So wurde zum Beispiel ein Erdbeben am 23. August 2026 bei Bad Reichenhall von mehreren Anwohnern gemeldet. Die Magnitude lag bei 1,7 bis 1,8 – allerdings in nur vier Kilometern Tiefe.

Kleines Beben bei Massing: "Genauer Ort mehr oder weniger Zufall"

Warum es genau bei Massing zu dem Beben kam, ist nach Angaben des Mitarbeiters vom Erdbebendienst Bayern "mehr oder weniger Zufall". Für das großräumigere Gebiet hat er aber eine Erklärung: alte Störungszonen in der Erdkruste durch die Bildung der Alpen, die im gesamten Alpenvorraum vorlägen. "Ein sehr geringer Spannungsaufbau findet durch die Last der Alpen im Süden noch immer statt, und diese Spannungen können dann an alten Störungszonen abgebaut werden, in Form von Erdbeben wie dem vom Dienstag", erläutert Megies.

Viele kleine Erdbeben – große unwahrscheinlich

Jährlich werden in Bayern Hunderte kleiner Erdbeben registriert, oft unter der Wahrnehmungsschwelle. Größere Beben, die Schäden verursachen, seien sehr selten. Megies verweist hier auf eine Reihe von Beben, die sich zwischen 1914 und 1920 im Frankenjura im Raum Ingolstadt/Eichstätt ereigneten. Damals seien geschätzte Magnituden von 4 bis 5 erreicht worden. Viele Gebäude wurden beschädigt.

Eines der stärksten Beben aus jüngerer Zeit wurde im April 2008 aufgezeichnet. Das Ereignis mit der Stärke 3,4 wurde am Thumsee, also in der näheren Umgebung von Bad Reichenhall, aufgezeichnet.

Beben entlang der Alpen

Die meisten Beben in Bayern ereignen sich nach Angaben des Geophysikers entlang der Alpen und im Vogtland im Nordosten Bayerns. Entlang der Alpen sei hauptsächlich tektonische Einengung die Ursache und dass sich nach der letzten Eiszeit und dem Schwinden schwerer Eismassen die Erdkruste wieder angehoben hat. Ein Beispiel für solche Gebiete ist der Raum Garmisch-Partenkirchen.

Im Raum Bad Reichenhall komme es immer wieder nahe der Oberfläche zu Erschütterungen. Grund sei hier ein Zusammenspiel aus den verschiedenen Boden- bzw. Gesteinsschichten und dem Wassereintrag. Der Bebenherd liege hier oft nur 0,5 bis drei Kilometer tief. Da sei auch schon eine Magnitude von 1,5 spürbar. Flache Beben könnten oft auch akustisch wahrgenommen werden, als Knall oder Grollen.

Im Vogtland, führt Megies weiter aus, komme es meist einige Kilometer weiter auf tschechischem Gebiet im Raum Novy Kostel/Luby zu Beben. Als Grund werden eine Magmakammer in 30 Kilometern Tiefe und aufsteigende Gase und Flüssigkeiten vermutet.

Zudem überwacht der Erdbebendienst Bayern, ob es durch den Ausbau der Tiefengeothermie zu Erschütterungen kommt.

Seismische Überwachung durch Erdbebendienst Bayern

Der Erdbebendienst Bayern (externer Link) wird vom Lehrstuhl für Geophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt betrieben und hat seinen Sitz an der Erdbebenwarte am Geophysikalischen Observatorium im oberbayerischen Fürstenfeldbruck.

Für das Überwachungsnetz in Bayern sind 14 seismische Messstationen verteilt über den Freistaat installiert. Zu diesem sogenannten Hauptnetz kommen noch Subnetze in seismisch aktiven Gebieten um Marktredwitz und Bad Reichenhall. Im Raum München wurden wegen des Ausbaus der Tiefengeothermie zusätzliche Messstationen eingerichtet.

Mit Informationen von dpa.

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