Im Nürnberger Knoblauchsland werden Erdbeeren schon seit April in großen Gewächshäusern geerntet. Allerdings wachsen sie hier nicht am Boden, sondern schweben etwa auf Brusthöhe. Ihre Wurzeln stecken in Substrat. Und das hat laut Gärtnermeister Fritz Boss einen ganz einfachen Grund. So können die Pflanzen nicht von Schädlingen aus dem Erdreich attackiert werden. Denn Erdbeeren sind eine empfindliche Kultur. "Grundsätzlich ist die Erdbeere einfach ein Krankheits- oder Schädlingsmagnet", so Boss.
- Zur Podcastfolge: Die große Erdbeer‑Gewissensfrage: Darf ich jetzt schon Erdbeeren kaufen?
Nützlinge statt Spritzmittel
Fritz Boss versucht, in seinen Gewächshäusern möglichst komplett auf Pflanzenschutz zu verzichten. Er kann Temperatur, Luftfeuchtigkeit und weitere Parameter so einstellen, dass sich die Pflanzen möglichst wohl fühlen – und Schädlinge nicht. Außerdem setzt er auf Nützlinge wie Schlupfwespen und Raubmilben. Das ist teurer als chemischer Pflanzenschutz, sagt er, aber sein Ziel ist, dass an seinen Erdbeeren keine Mittel nachweisbar sind.
Pflanzenschutz-Cocktails
In der Vergangenheit wurden vor allem an importierten Früchten teils massive Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Im Jahr 2025 hat die Stiftung Warentest deswegen wieder Untersuchungen gemacht. Mit einem positiven Ergebnis, so Swantje Waaterstraat. An den Erdbeeren aus Spanien, Griechenland und Spanien hätten nur geringe Pestizidrückstände nachgewiesen werden können, die alle weit unter den gesetzlichen Vorgaben gelegen hätten. Da müsse man sich keine Sorgen machen, erklärt Waaterstraat.
Klimabilanz: Spanische Erdbeeren überraschend gut
Bei der CO₂-Bilanz schneiden Erdbeeren, die aus Nordafrika per Flugzeug importiert werden, besonders schlecht ab. Ihr CO₂-Abdruck ist zwölfmal höher als der von Früchten, die per LKW aus Spanien zu uns kommen, so die Stiftung Warentest.
Und bei Heimischen kommt es darauf an: Werden sie früh im Jahr in Gewächshäusern geerntet, die mit Gas oder Öl beheizt werden, dann ist die CO₂-Bilanz laut Stiftung Warentest schlechter als bei spanischen – trotz der Distanz.
Wasser: Ein spanisches Problem
Aber: In Spanien gibt es ein ganz anderes Problem. Wasser. Laut der Umweltschutzorganisation WWF droht dort wegen des Gemüseanbaus sogar ein Nationalpark auszutrocknen, weil große Flächen illegal bewässert werden. Im Fränkischen Knoblauchsland versucht man, beim Wasser auf Nachhaltigkeit zu setzen. Gärtnermeister Fritz Boss sammelt für seine Erdbeeren das Regenwasser auf seinen Gewächshäusern. Und zum Heizen nutzt er heimische Hackschnitzel in einem Blockheizkraftwerk.
Erdbeersaison startet erst
Wer Erdbeeren garantiert möglichst nachhaltig nutzen möchte, sollte also auf die Saison warten. Die startet in Bayern auf dem Feld im Juni.
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