Im vergangenen Jahr klingelt es unerwartet an der Tür vom Ehepaar B. aus München. Den vollen Namen nennen wir nicht. Aus Schutz wegen dieses Zwischenfalls.
Vor der Tür steht ein ihnen unbekannter Mann. "Er hat gesagt, dass unser Garagendach einer Reparatur bedarf", erinnert sich Frau B. Er macht dem Ehepaar ein scheinbar verlockendes Angebot. Ein neues Garagendach für 500 Euro. Der Preis ist verlockend. Die beiden nehmen an.
Riesenrechnung für schlechte Arbeit
Mit dabei drei weitere Männer. Die Reparaturarbeiten beginnen. Doch schnell wird Frau B. misstrauisch: "Die haben, was sie da draufgelegt haben, nur so angetackert. Das kam mir nicht gerade profihaft vor."
Der große Schock kommt nach getaner Arbeit. Denn auf einmal wollen die Männer 14.000 Euro für die Reparaturen haben. Das Angebot von 500 Euro hätte sich nur auf den Quadratmeterpreis bezogen, sagen sie plötzlich.
Deutschlandweite Betrugsmasche
Die beiden sind kein Einzelfall. Wie Recherchen des ARD-Politikmagazins report München zeigen: In ganz Deutschland ist der Betrug am Gartenzaun ein Problem.
Das beobachtet auch die Beauftragte für Kriminalprävention bei der Polizei Stade, Marlin Heintsch, in Niedersachsen. Es gäbe bei den Opfern Schäden von 500 Euro bis in die Tausende, erklärt sie. Vereinzelt gab es aber auch Fälle, wo Zehntausende Euro weg waren.
Die Opfer: Meist ältere Menschen, die in Häusern mit großen Gärten leben. Horrende Preise für teils einfache Gartenarbeit. Wer nicht zahlen will, wird bedroht. "Also die werden dann laut, kommen einem sehr, sehr nah und bauen sich bedrohlich vor allem auf und machen deutlich, ‘Wir fahren erst weg, wenn wir hier unser Geld sehen’", so Polizistin Heintsch. Häufig werben unseriöse Anbieter auch übers Internet oder über Flyer in Zeitungsbeilage.
Täter schwer auffindbar
Die Polizistin weiß: Nicht immer wenden sich die Geschädigten an die Polizei. "Leider ist es häufig so, dass die Personen sich da so eingeschüchtert fühlen, dass sie bereit sind, das Geld zu zahlen und vor Ort dann gar nicht die Polizei rufen." Es sei aber wichtig, dass sich Betroffene melden. Die Polizei könne so auch Einblick in die Strukturen der Täter gewinnen.
Die Polizei empfiehlt Haustürgeschäfte konsequent abzulehnen und sich vorab ein schriftliches Angebot einzuholen.
Unbekannte erbeuten in Bayern 10.000 Euro
Auch das Ehepaar B. konnte sich im letzten Moment schützen. Frau B. kontaktiert ihre Tochter, diese verständigt die Polizei. Den Männern erzählt sie, die Tochter komme mit dem Geld sie müssten sich nur ein bisschen gedulden.
Doch das scheint den Tätern zu riskant zu sein. Sie verschwinden, bevor die Polizei kommt. Bei Frau B. bleibt der Schreck: "Dass man auf solche Leute wirklich hereinfällt, obwohl man es immer wieder in der Zeitung liest. Ein Ja-Wort gibt, ja, ihr könnt es machen, ohne dass man das eigentlich vorhatte."
Bei ihnen hat die Geschichte eine positive Wendung genommen. Bei einem anderen älteren Ehepaar in Bayern ging es anders aus: Unbekannte haben dort mit derselben Masche im Februar diesen Jahres über 10.000 Euro erbeutet.
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