Nach der ersten Hälfte der Erlanger Bergkirchweih hat die Polizei heute eine Zwischenbilanz gezogen. Die Zahl der Anzeigen ging demnach um 40 Prozent zurück. Am häufigsten seien Körperverletzungen zur Anzeige gebracht worden, hieß es auf einer Pressekonferenz am Vormittag.
Bergverbot: Mann fotografierte unter Röcke
Die schwerste Verletzung war ein Kieferbruch in Folge eines Bierkrug-Schlags. Negativ falle die Anzahl der sexuellen Belästigungen aus, die sich von vier auf sieben Fälle fast verdoppelt habe. Meist seien Frauen übergriffig am Oberkörper und Po berührt worden, in einem Fall wurde unter den Rock fotografiert. Der Täter war der Polizei bereits bekannt und konnte festgenommen werden. Für ihn gilt nun ein Bergkirchweih-Verbot.
Umstrittene Liederliste: Verzicht ist freiwillig
In Bezug auf die kontrovers diskutierte Liste mit Liedern, die nicht gespielt werden sollen, verwies der Erlanger Bürgermeister Jörg Volleth (CSU) darauf, dass es sich um eine Empfehlung und kein Verbot handle. Vor Beginn der Bergkirchweih hatte die Stadt den Festwirten eine Liste mit zwölf problematischen Liedern zukommen lassen und sie gebeten, auf diese zu verzichten. Es gehe darum, die Wirte für frauenfeindliche, sexistische und gewaltverherrlichende Texte zu sensibilisieren, so die Stadt.
Von "Donaulied" bis "Skandal im Sperrbezirk"
Die Wirtsleute der sogenannten Keller, der Orte, in denen das Bier gelagert wird, reagierten unterschiedlich auf die Lieder-Liste. Dort stehet neben dem "Donaulied", das in Erlangen bereits 2021 diskutiert wurde, auch etwa der 80er-Jahre-Hit "Skandal im Sperrbezirk" von der Spider Murphy Gang darauf.
Die Meinung der Wirtin des Brikners Keller zum Beispiel ist zweigeteilt. Die Lieder gebe es schon seit mehreren Jahrzehnten auf jeder guten Kirchweihbewirtung, so die Wirtin. Den aktuellen Hype finde sie dennoch unschön, betont aber, dass sie die Lieder trotzdem spiele, weil es sich bei der Liste nur um eine Empfehlung und kein Verbot der Lieder handle.
Hype mache Lieder nur bekannter
Anders sieht es Paul Wilske vom Henninger Keller. Er findet es wichtig, "sich für Gleichberechtigung und gegen Sexismus einzusetzen, dementsprechend finde ich es auch gut, in die Richtung vorzugehen und die Menschen zu sensibilisieren."
Auch der Wirt vom Entla's Keller Vincenz Schiller findet eine Vorgabe "von oben" schwierig. Für ihn ist klar, dass solche Verbote eher gute Werbung für entsprechende Songs seien. Er betont aber auch: "Diese Ballermann-Lieder haben bei uns am Keller eh nichts zu suchen."
Transparenzhinweis: Der Artikel ist in seiner ursprünglichen Version um 15.08 Uhr veröffentlicht worden. Um 16.44 Uhr wurde er um mehrere Stimmen von Wirtsleuten ergänzt.
Im Video: Debatte über Songliste auf der Erlanger Bergkirchweih
Debatte über Songliste auf der Erlanger Bergkirchweih
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