Warnschild über Lebensgefahr durch Kampfmittel an der Fröttmaninger Heide
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Explosive Lage durch Kampfmittel in der Fröttmaninger Heide
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Explosive Lage in der Fröttmaninger Heide

Explosive Lage in der Fröttmaninger Heide

Idyllische Natur vor Münchens Toren – doch unter der Fröttmaninger Heide lauert explosive Gefahr. Alte Munition, langsame Räumung und ein folgenschwerer Kauf belasten Gemeinden und Besucher bis heute.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Auf den ersten Blick wirkt die Fröttmaninger Heide wie ein kleines Naturparadies: weite Wiesen, lichte Wälder, Vogelgezwitscher. Ein beliebtes Naherholungsgebiet direkt an der Münchner Stadtgrenze. Spaziergänger und Jogger trifft man hier unter der Woche nur vereinzelt. Doch wer hier unterwegs ist, bewegt sich auf potenziell gefährlichem Boden.

Munition im Boden – oft nur Zentimeter tief

Denn unter der Oberfläche schlummern Überreste aus Jahrzehnten militärischer Nutzung. Das Gelände war lange Jahre Truppenübungsplatz der Bundeswehr, davor nutzte es die US-Armee. "Das Problem ist die Kampfmittelbelastung auf dieser Fläche", warnt Sandra Semmler, Geschäftsführerin des Heideflächenvereins. Weil das Gelände so lange als Truppenübungsplatz diente, sei die Belastung besonders hoch. Spaziergänger dürften sich deshalb ausschließlich auf den geräumten und markierten Wegen aufhalten.

Abseits der Wege sind regelmäßig Kampfmittelräumdienste im Einsatz. Mit Metallsonden untersuchen sie den Boden Meter für Meter. Was sie finden, reicht von einfachen Gewehrpatronen bis zu Panzergranaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Experten schätzen, dass noch rund 22.000 Stück Munitionsreste im Boden liegen – teils nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche.

Gefährlich ist nicht nur die schiere Menge, sondern auch das Alter der Munition. "Je länger die Munition liegt, desto gefährlicher wird es", erklärt Lutz Fritsche von der Kampfmittelbeseitigung. Zündkapseln zerfallen, Detonatoren liegen offen – schon kleine mechanische Einwirkungen könnten eine Explosion auslösen.

Warum die Räumung so langsam vorangeht

Der Heideflächenverein würde die Altlasten gern schneller beseitigen. Doch das größte Hindernis ist das Geld. Für die nötigste Sanierung werden rund zehn Millionen Euro veranschlagt. Diese Kosten müssen die umliegenden Gemeinden und die Stadt München tragen, was sie sich aufgrund ihrer bekannt angespannten Kassenlage nicht leisten können.

Dabei hatten sie das rund 800 Hektar große Areal vor knapp 20 Jahren vom Bund gekauft – in der Hoffnung, sich die wertvollen Flächen samt Naherholungsgebiet zu sichern. Das tatsächliche Ausmaß der Munitionsbelastung war damals jedoch nicht bekannt oder wurde unterschätzt. Ein vom Bund in Auftrag gegebenes Gutachten erwies sich später als fehlerhaft, so zumindest die Sicht des Heideflächenvereins. Klagen der Kommunen gegen den Kaufvertrag blieben bislang erfolglos.

Gemeinden in der Verantwortung – Besucher auch

Heute betreuen die Kommunen das Gelände gemeinsam im Heideflächenverein. Dessen Vorsitzender Dietmar Gruchmann hofft auf die Vernunft der Besucher: "Wir müssen appellieren, dass die Menschen Eigenverantwortung leben und sich ausschließlich auf den entmunitionierten Wegen bewegen." Sollten Warnungen ignoriert werden, drohen Konsequenzen. Im schlimmsten Fall müsste das Gebiet wieder eingezäunt werden – ein Schritt, den eigentlich niemand will.

Auf markierten Wegen bleiben

Fest steht: Die vollständige Räumung der Fröttmaninger Heide wird noch Jahre dauern. Solange zusätzliche finanzielle Mittel fehlen, geht die Entschärfung nur langsam voran. Mit den ersten warmen Tagen zieht es wieder mehr Ausflügler in die Heide. Für sie gilt eine einfache Regel: Wer auf den markierten Wegen bleibt, ist sicher.

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