Helena Euringer kann es kaum glauben: "Es ist eigentlich ein bisschen unbegreiflich. Auf jeden Fall ein Riesentraum, der in Erfüllung geht." Die 19-Jährige geht eigentlich noch zur Schule. Doch in den Wochen vor den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina spult sie Trainingseinheiten auf Skipisten ab. Sprinttraining, das heißt: Auf schmalen Tourenskiern so schnell wie möglich den Berg hinauf. "Da komme ich ziemlich an meine Grenzen. Eine halbe Minute reicht, dass man außer Atem kommt", keucht sie.
Training statt Freizeit
Neben Tatjana Paller und Finn Hösch kämpft Euringer als eine von drei Deutschen um olympische Medaillen im Ski Mountaineering, kurz: Skimo. Sie opfert dabei viel, war in den letzten Monaten meistens weg von daheim: "Dann mache ich mir immer bewusst, dass ich so viel für den Sport liegen lasse. Und darum gebe ich jetzt alles, damit es sich wenigstens auszahlt."
Erste Skitour mit sieben
Alles geben, das heißt Training an sechs Tagen in der Woche, teilweise zweimal pro Tag. Krafttraining, Intervalltraining, Grundlagenausdauer – Euringer hält sich strikt an den Trainingsplan. Inklusive Rennen kamen im vergangenen Jahr rund 300.000 Höhenmeter zusammen – ein gewaltiges Pensum.
Ihre ersten Höhenmeter auf Skiern machte sie mit ihrem Vater in der Heimat bei Berchtesgaden, als 7-Jährige. Euringer kam sofort auf den Geschmack: "Man kann besser im Anstieg als in der Abfahrt an seine Grenzen gehen und sich auspowern." Die Kombination aus Aufstieg und Abfahrt reizt sie derart, dass sie von da an regelmäßig auf Skitour ging. An Leistungssport dachte Helena Euringer damals noch nicht. Der Spaß stand im Vordergrund.
Steiler Aufstieg bis Olympia
Mit 16 Jahren wagt sie den Sprung in den Leistungssport, es folgen Jugend-Weltcup sowie die Jugend-WM in Spanien. "Ich habe gleich zwei Medaillen gewonnen in der ersten Saison. Und ab da hab' ich dann eigentlich gewusst, dass es so weitergeht", sagt Helena Euringer. Das Olympia-Ticket kommt dennoch überraschend: "Vor einem Jahr habe ich nicht gedacht, dass es hinhauen könnte. Aber über den Sommer habe ich meine Leistung noch einmal verbessern können."
Traum vom Finale
Um Schule mit Leistungssport kombinieren zu können, besucht Euringer ein Sportinternat in Berchtesgaden. Vor den Abiturprüfungen kommt jetzt aber erst einmal Olympia. "Ich hoffe, dass ich an dem Tag in Bestform bin und vielleicht sogar ins Halbfinale oder Finale kommen kann." Das wird sich am 19. Februar zeigen, wenn die Sprint-Wettkämpfe in Bormio stattfinden. Davor ist Helena Euringer noch in der Heimat zu sehen. Am 5. und 7. Februar beim Sprint und Vertical an ihrem Lieblingsberg, dem Jenner.
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