Martin Riß zusammen mit Barbara Stamm (gest. 2022)
Martin Riß zusammen mit Barbara Stamm (gest. 2022)
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Der Geistliche Direktor des Dominikus-Ringeisen-Werks, Martin Riß, zusammen mit Barbara Stamm bei einem Besuch im Kloster Maria Bildhausen
Bildrechte: Anja Vorndran/Pressestelle Landkreis Bad Kissingen
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Der Geistliche Direktor des Dominikus-Ringeisen-Werks, Martin Riß, zusammen mit Barbara Stamm bei einem Besuch im Kloster Maria Bildhausen

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Fastnacht in Franken: Wer dieses Jahr auf dem "Stammplatz" sitzt

Fastnacht in Franken: Wer dieses Jahr auf dem "Stammplatz" sitzt

Seit drei Jahren gibt es in den unterfränkischen Mainfrankensälen den "Stammplatz". In Gedenken an Barbara Stamm sitzen dort Menschen, die sich in besonderer Weise sozial engagieren. Dieses Jahr sitzt ein Geistlicher auf diesem Platz.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Martin Riß vom Dominikus-Ringeisen-Werk sitzt auf einem Sessel und schaut lächelnd auf ein Foto. Es zeigt ihn und die im Herbst 2022 verstorbene Barbara Stamm [Link zum Lebenslinien-Video], auf deren Stuhl er bei der diesjährigen "Fastnacht in Franken" Platz nehmen darf – als Stellvertreter für das gesamte Dominikus-Ringeisen-Werk, das ist ihm wichtig zu betonen: "Für die vielen Menschen, die bei uns tätig sind, die sich mit hohem Engagement bei uns einsetzen, für sie darf ich stellvertretend dort sitzen."

Heimat für Menschen mit Behinderung

Das Dominikus-Ring-Eisenwerk mit Hauptsitz im schwäbischen Ursberg betreut bayernweit 6.000 Menschen mit geistiger Behinderung. Aktuell sind 5.400 Mitarbeitende in der kirchlichen Einrichtung tätig. Ob Schule oder Ausbildung, ein Job in der Gärtnerei oder in der Werkstatt – das Dominikus-Ringeisen-Werk bietet Menschen, die besondere Unterstützung brauchen, mehr als eine Arbeit.

"Dass wir den jeweiligen Menschen in seiner Situation betrachten, dass wir für die Menschen gut sorgen, das ist mir persönlich sehr wichtig", sagt Martin Riß, der Geistliche Direktor des Dominikus-Ringeisen-Werks. Hier sollen sie eine Heimat, Geborgenheit und eine Lebensperspektive finden. In Ursberg gibt es sogar ein eigenes Krankenhaus für Menschen mit Beeinträchtigungen.

Das Dominikus-Ringeisen-Werk wurde 1884 vom katholischen Priester Dominikus Ringeisen (1835–1904) in Ursberg gegründet, der die existentielle Not von Menschen mit Behinderungen in der damaligen Gesellschaft erkannte. Er gilt mit der Gründung seiner Fürsorgeeinrichtung als Pionier.

Träger der "Akademie Barbara Stamm" im Kloster Maria Bildhausen

Auch das unterfränkische Kloster Maria Bildhausen bei Münnerstadt gehört als einer von 40 Standorten dazu. Hier leben und arbeiten rund 300 Menschen mit geistiger Behinderung. Außerdem ist hier die bundesweit einzige Produktionsstätte für Fahrradglocken. Für die BR-Radltour haben die Beschäftigten im vergangenen Jahr Fahrradklingeln im BR-Design zusammengeschraubt.

Auf dem Klostercampus ist auch die "Akademie Barbara Stamm" beheimatet. Das Dominikus-Ringeisen-Werk ist einer der zehn Träger. Die Akademie, an deren Gründung die ehemalige Landtagspräsidentin maßgeblich beteiligt war, bietet Fort- und Weiterbildungsseminare für Pflegekräfte und pflegende Angehörige an. In Seminaren wie z. B. "Humor als Ressource im Berufsalltag" sollen die Teilnehmenden nicht nur Fachliches lernen.

Akademie Barbara Stamm: "Tankstelle für Körper und Seele"

"Uns ist die mentale Gesundheit der Beschäftigten sehr wichtig, damit diese Personen in ihrer Energie bleiben und auch hier Kraft tanken können. Es geht einfach darum, dass die Menschen lange gesund in ihrem Beruf bleiben können", erklärt Christiane Wörner, Bildungsmanagerin an der Akademie Barbara Stamm.

Die Seminarinhalte werden durch Resilienz- bzw. Selbstfürsorgeeinheiten ergänzt. Der Ort soll eine "Tankstelle für Körper und Seele" sein, so wie die frühere CSU-Politikerin aus Bad Mergentheim es wollte.

"Mit freundlicher Beharrlichkeit": Riß sieht es als Auftrag

Zu Barbara Stamm hatte auch Martin Riß ein gutes Verhältnis. Zuletzt besuchte ihn die ehemalige bayerische Sozialministerin 2022 in Ursberg, dem Gründungsort des Dominikus-Ringeisen-Werks. Dorthin hatte Martin Riß in einer Nacht-und-Nebel-Aktion 82 behinderte Kinder aus der Ukraine gebracht. Das Waisenhaus, in dem sie bis dahin lebten, musste wegen der russischen Bombenangriffe evakuiert werden.

Dass sie ihn in diesem Moment "nicht alleine gelassen", sondern unterstützt habe, sei er Barbara Stamm persönlich sehr dankbar, sagt Riß. "Und ich sehe es als Auftrag, auch in diesem Sinne von Barbara Stamm zu handeln, mit einer freundlichen Beharrlichkeit das Gute in unserer Zeit auf den guten Weg zu bringen", fügt er hinzu. "Barbara Stamm war ein Teil unserer Gemeinschaft."

Sie selbst brachte auch einmal ein behindertes Kind nach Ursberg. Bei einem Besuch in Rumänien war sie auf den Jungen aufmerksam geworden. Der Junge ist heute ein erwachsener Mann und lebt immer noch dort.

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