Tief unten im 3. Untergeschoss des Münchner Karlsplatz-Stachus liegt sie, die Kältekammer der Innenstadt. Stefan Birle von den Münchner Stadtwerken öffnet die Tür zum größten Fernkältenetz Deutschlands: "Hier befinden wir uns in der Kältezentrale des Stachus und von hier aus kühlen wir die Innenstadt von München."
Hunderte Häuser sind angeschlossen
Dicke schwarze Rohre schlängeln sich kreuz und quer durch den Raum. Birle zeigt auf eine Wasserleitung, die kaltes Wasser in die Anlage führt. Darauf steht "Einlauf Stadtbach". Das Münchner Fernkältenetz ist ein 25 Kilometer langes unterirdisches Wasserleitungssystem, mit dem die Stadtwerke München hunderte Häuser in der Innenstadt mit natürlicher Kälte versorgen, sagt Birle: "Hotels, Rechenzentren, Kaufhäuser, Bürogebäude, aber auch Wohngebäude, die aufgrund der klimatischen Außenverhältnisse Kühlung benötigen, sind angeschlossen.“
Natürliche Kälte der Isar und des unterirdischen Stadtbachs
Das Prinzip ist einfach: Kaltes Wasser aus der Isar und dem unterirdischen Stadtbach wird in die Kältezentrale geleitet. Dort wird die Kälte über Wärmetauscher bis zu den Lüftungsanlagen der Endverbraucher weitergegeben. Das Wasser des Baches wird durch den Wärmetauscher um etwa fünf Grad wärmer und fließt von der Kältezentrale wieder in den Bach zurück. Seit 2011 wurde das Fernkältenetz in München stetig erweitert und erfasst mittlerweile von der Kaufinger-Einkaufsstraße über den Odeonsplatz, Marienplatz und Hauptbahnhof bis zum Münchner Sitz von Google zahlreiche Gebäude.
Unterirdisch werden zusätzlich 170.000 Kilo Eis gespeichert
Birle bezeichnet das umweltfreundliche Kühlen als Alternative zu lokalen Klimaanlagen. "Wir brauchen ungefähr nur ein Drittel des Strombedarfs, wie wenn es die Kunden dezentral erzeugen, weil wir eben größere Anlagen haben."
Zwei weitere Etagen tiefer wird zusätzlich noch Eis produziert: 170.000 Kilo Eis. Nicht zum Schlecken, sondern für weitere Kälte. Diese wird in Form von Eis in mehreren großen weißen Containern gespeichert, um die Kälte dem Wasserkreislauf zusätzlich zuzuführen. Das sei besonders bei den derzeitigen hohen Temperaturen nötig. "Hier ist die Riesen-Tiefkühltruhe, und da nutzen wir den Phasenübergang von Wasser auf Eis, um die Kälte einspeichern zu können", so der SWM-Abteilungsleiter.
Bis 2030 soll Fernkältenetz bis nach München-Schwabing reichen
Im kommenden Jahr soll in München-Thalkirchen eine weitere große Fernkältezentrale die Arbeit aufnehmen. Und: Bis 2030 soll die Fernkälte bis zum Stadtteil Schwabing reichen. Ein nachhaltiges System, für das immer mal wieder Straßen in München aufgerissen werden, um die nötigen Leitungen zu verlegen. Doch der Aufwand scheint sich zu lohnen: Die Nachfrage nach neuen Anschlüssen nehme laut Stadtwerken stetig zu.
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