Die Klima-Krise ist in Europa spürbar: In Spanien und Frankreich wüten aktuell Waldbrände und zerstören hunderttausende Hektar Land. In Deutschland beginnt nach den Rekord-Temperaturen vor wenigen Wochen nun bereits die nächste Hitzewelle. "Das hier ist nicht das Ende der Geschichte", mahnte die Klimaaktivistin Luisa Neubauer in der "Münchner Runde" im BR Fernsehen. "Es geht gerade erst los mit neuen Klima-Extremen."
Vor denen habe die Wissenschaft seit Jahrzehnten gewarnt. "Das wurde weitreichend politisch bis heute ignoriert, bis dann irgendwer in einem Katastrophengebiet steht und ganz betroffen guckt."
Weber: "Ich bin stolzer Europäer, weil wir vorangehen"
Manfred Weber, Vorsitzender der Europäischen Volkspartei, verteidigte seine Klimapolitik im Europaparlament gegen Kritik: Es sei "ein großer Schatz", dass sich die Europäer einig seien und das Ziel Klimaneutralität gemeinsam bestreiten. Der europäische Emissionshandel sei ein "Mechanismus, der wirkt". Weber betonte: "Ich bin stolzer Europäer, weil wir vorangehen."
"Wir wollen vorne marschieren beim Klimaschutz", betonte auch Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern. Er warnte in der "Münchner Runde" aber auch davor, sich dabei zu weit von Konkurrenten zu entfernen und so der eigenen Wirtschaft zu schaden. "Wir verlieren dann die Akzeptanz."
Weber: Klimaschutz nur mit Wohlstandsicherung
Dies war auch die große Sorge des stellvertretenden CSU-Vorsitzenden Weber. "Schauen Sie sich die AfD-Werte in Deutschland an", sagte er an Neubauer gerichtet. Auch in Frankreich klopfe die rechtsnationale Politikerin Marine Le Pen bereits an den Élysée-Palast. Wenn die Menschen sozial nicht mitgenommen und Arbeitsplätze nicht gesichert würden, werde Europa kein Vorbild für die Welt sein, mahnte er. "Das wird nur gelingen, wenn wir Klimaschutz mit Wohlstandsicherung und der sozialen Frage verbinden."
Er werbe für den Mittelweg und das Gemeinwohl. "Das ist das, was dieser Kontinent dringend braucht."
Neubauer: "Die Klimakrise wird Industriestandorte auffressen"
Luisa Neubauer überzeugte das nicht. Auch sie forderte in der "Münchner Runde", die Maßnahmen gegen die Klimakrise sozial zu gestalten. Dafür brauche es soziale und nachhaltig finanzierbare Programme für die Bevölkerung. Dass die Bundesregierung entschieden habe, die Subventionierung von Wärmepumpen und von Solaranlagen rückabzuwickeln, sei deshalb "ein Drama".
Man müsse laut Neubauer keine "Öko-Moral" entwickeln, sondern die nackten Zahlen betrachten: Schon heute koste jeder Tag mit Temperaturen über 30 Grad die bayerische Wirtschaft rund 73 Millionen Euro. Dies hat das Forschungs- und Beratungsunternehmen "Prognos" im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) errechnet. "Die Klima-Krise wird auch Industriestandorte auffressen", warnte Neubauer.
Streit um Aufweichen des Verbrenner-Aus
Sie kritisierte insbesondere den Plan der EU, das Verbot von Verbrenner-Motoren bis zum Jahr 2035 aufzuweichen. Die Idee, man tue der Wirtschaft einen Gefallen, indem man sie fossil durch die nächsten Jahre rette, sei "eine Rechnung aus der Hölle". Statt mehr "Technologie-Offenheit" gebe es "vor allem Technologie-Ignoranz".
Weber argumentierte dagegen mit dem sogenannten "Kuba-Effekt": Wenn die EU das Verbrenner-Aus für 2035 beschließen würde, würden sich die Menschen in den Jahren zuvor noch Verbrenner-Autos kaufen und im Anschluss lange fahren. "Deswegen brauchen wir eine Brücke in diese Welt von morgen”, sagte er.
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