In Günzburg hat eine Urlaubsheimkehrerin eine tierische Überraschung erlebt: Weil sie ihr Fenster während ihrer Abwesenheit gekippt hatte, waren etwa 30 Fledermäuse in ihre Wohnung geflogen und hatten nicht mehr herausgefunden.
Das örtliche Tierheim hat die Tiere inzwischen wieder ins Freie gelassen. Was wie eine Rarität klingt, ist laut Diplom-Biologe Bernd-Ulrich Rudolph vom Fledermausschutz Augsburg e. V. keine Seltenheit. Besonders in einem heißen Sommer wie diesem, verirre sich die ein oder andere Fledermaus in Wohnungen oder Häusern.
Fledermaus in Haus oder Wohnung: Was sollte man tun?
Wer eine Fledermaus bei sich entdeckt, sollte am Abend das Fenster weit aufmachen, sodass sie wieder hinausfliegen kann. Normalerweise fliegen Fledermäuse von selbst wieder hinaus, da ihnen bewohnte Zimmer zu laut und zu hell sind. Falls es ein Tier mal nicht allein schafft, kann man das Tier mit einem Handtuch oder dicken Handschuh nehmen und nach draußen bringen. Dabei sollte man darauf achten, die Tiere an einer hohen Stelle auszusetzen, an der sie nicht von einer Katze erreicht werden.
Warum fliegen die Tiere in Häuser und Wohnungen?
Momentan suchen die Tiere potentielle Quartiere für den Winterschlaf, erklärt Diplom-Biologe Bernd-Ulrich Rudolph vom Fledermausschutz Augsburg e.V.: "Sie müssen auch neben dem Quartier ihrer Heimatkolonie geeignete Standorte kennen, dass sie bei Wetterextremen oder beim Eindringen von Feinden Ausweichmöglichkeiten haben, das ist also ein natürliches Verhalten."
Üblicherweise suchen die Säugetiere ihr Quartier in einem natürlichen Umfeld, sei es an Felswänden, in Spalten, in umgestürzten Bäumen. Es kommt allerdings auch vor, dass sie auf die Außenseite von Gebäuden ausweichen oder auf Holz- oder Blechverschalungen, Fugen im Mauerwerk - generell Spalten aller Art. Ein gekipptes Fenster ist auch für die Flughunde ein Spalt. Weil junge Fledermäuse auch neugierig sind, fliegen sie hinein - aber finden womöglich nicht mehr raus.
So verhindert man, dass Fledermäuse in die Wohnung kommen
Vermeiden lässt sich das fast nicht, wenn man in den Abendstunden lüften will. Der einzige Tipp von Bernd-Ulrich Rudolph ist, nicht alle Fenster gleichzeitig zu öffnen. Besonders in Räumen mit dicken Vorhängen oder vielen Bücherregalen empfiehlt er, Fenster nicht die ganze Nacht geöffnet zu lassen.
Sind die Tiere gefährlich für die Gesundheit?
Fledermäuse sind Wildtiere und stehen unter Artenschutz. Theoretisch können sie Krankheiten übertragen, zum Beispiel Tollwut. Dennoch ist es eher unwahrscheinlich, besonders bei europäischen, die in Wohnungen fliegen.
Wer sich gegenüber Fledermäusen so verhält, wie gegenüber allen anderen Wildtieren, hat laut Rudolph nichts zu befürchten. Er rät: Fledermäuse nicht mit der bloßen Hand anfassen oder den Finger vor die Schnauze halten, dann fühlt sich das Tier auch nicht bedroht und beißt.
Fledermaus in der Wohnung: An wen kann ich mich wenden?
Wer sich nicht sicher ist, ob sich das Tier normal verhält oder es schon länger als einen Abend in der Wohnung ist, kann sich an Fachstellen wenden. Das können Naturschutzverbände oder die zuständige Naturschutzbehörde der Stadt sowie der Bund Naturschutz sein.
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