Der Bundesstützpunkt Freiwasserschwimmen wird zum 1. Januar 2027 von Würzburg nach München verlegt. Das hat der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) mitgeteilt. Einem entsprechenden Antrag des Verbandes sei das Bundeskanzleramt gefolgt.
Seit vielen Jahren ist der Olympiastützpunkt der Freiwasserschwimmer beim SV Würzburg 05 angesiedelt. Von dort aus feierten Athleten wie Thomas Lurz, Leonie Beck oder Lea Boy internationale Erfolge.
Umzug im laufenden Olympiazyklus
Die Verlegung erfolgt "ausnahmsweise im laufenden Olympiazyklus", wie der DSV betont. Erst im Dezember 2024 war der Würzburger Standort eigentlich bis zum 31. Dezember 2028 verlängert worden. Auf Anfrage des BR bestätigt Thomas Lurz, Präsident des SV Würzburg 05, die Entscheidung. Sie komme für ihn nicht überraschend.
BSV-Chef sieht fehlende Erfolge in Würzburg
Harald Walter, Präsident des Bayerischen Schwimmverbands (BSV), begrüßt den Umzug ausdrücklich. Auf BR-Anfrage spricht er vor allem von ausbleibenden Erfolgen, die dazu geführt hätten. Zuletzt hätten immer weniger Top-Athleten beim SV Würzburg 05 trainiert. Der Kader sei deshalb zu dünn.
Würzburg sei immer ein "hervorragender Standort" gewesen, so Walter weiter. Allerdings war der Verein nach Missbrauchsvorwürfen gegen seinen langjährigen Trainer Stefan Lurz in die Kritik geraten. 2022 hatte Stefan Lurz eine Bewährungsstrafe akzeptiert. Diese Situation habe dazu beigetragen, dass Würzburg zu einem "kalten Stützpunkt" wurde, wie Walter sagt.
Bei der derzeit laufenden Schwimm-EM in Paris stellt der SV Würzburg 05 keine Teilnehmerin. Nach einer Magen-Darm-Erkrankung hatte die Würzburgerin Lea Boy erklärt, auf einen Start zu verzichten. Bei der EM im vergangenen Jahr hatte sie zweimal Bronze geholt. Leonie Beck hat nach den Olympischen Spielen 2024 ihre Karriere unterbrochen.
Neuer Bundesstützpunkt bei SG Stadtwerke München
Freiwasser-Weltmeister Thomas Lurz betont: Das Aus als Bundesstützpunkt sei für den SV Würzburg 05 wirtschaftlich unbedenklich. Der Verein habe rund 2.200 Mitglieder. Der Stützpunkt wurde jährlich mit einer fünfstelligen Summe vom Bund gefördert.
Neben dem Stützpunkt Freiwasserschwimmen betreibt der DSV derzeit noch sechs weitere Bundesstützpunkte für das Beckenschwimmen: in Berlin, Essen, Hamburg, Heidelberg, Magdeburg und Potsdam. Die Entscheidung für München sei "im Sinne der Aktiven", sagt BSV-Chef Walter. Insbesondere freue er sich darüber, dass Bayern einen Bundesstützpunkt behält. Dieser soll nach seinen Angaben bei der SG Stadtwerke München angesiedelt werden. Dort befindet sich bereits ein Landesstützpunkt des BSV.
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