Monika Heupel ist Professorin für Internationale Beziehungen an der Universität Bamberg. Sie kommt gerade aus New York zurück, die UNO ist einer ihrer Forschungsschwerpunkte. Die Vereinten Nationen stehen unter Druck, vor allem seit Donald Trump wieder US-Präsident ist. Doch Monika Heupel hat noch einen anderen, bayerischen Schwerpunkt: Sie ist Sprecherin des Wissenschaftlichen Leitungsgremiums der Bayerischen Wissenschaftsallianz Friedens-, Konflikt- und Sicherheitsforschung (FoKS) (externer Link).
Fachwissen von Soziologie bis Raumfahrt
"FoKS ist ein Zusammenschluss von zehn bayerischen Universitäten, der die Expertise von rund 90 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bündelt", erklärt Heupel im Gespräch mit BR24. "Da sind Forscherinnen und Forscher aus der Politikwissenschaft dabei, aus der Soziologie, Geschichtswissenschaft, Rechtswissenschaft, aber auch aus der Informatik und der Raumfahrttechnik." Warum diese unterschiedlichen Fachrichtungen? "Weil wir überzeugt sind, dass wir ganz unterschiedliche Perspektiven brauchen, um entsprechende Sachverhalte verstehen und erklären zu können", sagt die Politikwissenschaftlerin.
Friedens-, Konflikt- und Sicherheitspolitik – da denkt man eher an die Bundesregierung in Berlin, an Brüssel, oder eben an Ortsmarken wie Washington und New York. Was kann da eine bayerische Initiative leisten? FoKS hat laut Heupel vier Ziele: die Forschung in Bayern zu stärken, Politikberatung für bayerische Entscheidungsträger zu leisten, Sicherheitsthemen mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und bessere Angebote für Studierende zu schaffen.
Vorbereitung auf die Kriege der Zukunft
Wo macht Bayern Sicherheitspolitik, was wäre ein Beispiel für die Beratung von Landtag, Staatsregierung, Gemeinderäten und Bürgermeistern? "Wichtig ist aktuell der Begriff der Resilienz, also die Frage, wie können wir unsere Gesellschaften fit machen für die vielfältigen Krisen, die wir haben", sagt Monika Heupel und betont Gefahren durch sogenannte hybride Kriegsführung. Die Kriege der Zukunft seien voraussichtlich "keine Angriffe auf unser Territorium mit einer massiven Armee, aber vielleicht mit Drohnen, Angriffe auf unsere Energieversorgung", sagt sie. Schutzräume, Vorratshaltung, Hackerangriffe, künstliche Intelligenz – auch das sind Stichworte für die Beratung bayerischer Politiker.
Darüber hinaus wünschen sich bayerische Wissenschaftler Einfluss in der Bundes- und Europapolitik – auch wenn es in Deutschland schon andere Institute in dieser Richtung gibt, etwa das Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF) in Frankfurt oder die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Haben Wissenschaftler wirklich Einfluss auf praktische Politik? "Ich glaube schon, wenn auch in der Regel nicht direkt, sondern indirekt. Die Erfahrung mit Politikberatung in Deutschland, aber auch anderswo zeigt, dass man Einflüsse nachweisen kann", so Monika Heupel.
Kritik des Wissenschaftsrats als Startschuss
Ausgangspunkt für die Gründung von FoKS war eine Empfehlung des Wissenschaftsrats. Die Forschung zu Frieden, Konflikt und Sicherheit sei in Bayern nicht ausreichend vernetzt, der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik sei unzureichend, lautete die Kritik. Vor zwei Jahren ging es mit dem Zusammenschluss von fünf bayerischen Universitäten los, inzwischen hat sich die Zahl auf zehn verdoppelt.
Wie geht es Monika Heupel persönlich bei all den Kriegen und Krisen weltweit? Einerseits habe sie große Sorge, so die Professorin: "Wir sehen eine dramatische Erosion der regelbasierten internationalen Ordnung und des Völkerrechts, das Gewaltverbot als Herzstück der UN-Charta wird missachtet." Viele Staaten würden sich nicht trauen, das öffentlich anzuprangern. Europa bleibe in vielfacher Hinsicht von den USA abhängig. "Wir sehen, dass Europa angesichts der immer stärker werdenden Rechtspopulisten schwächer wird. Global ist die Autokratie auf dem Vormarsch und die Demokratie auf dem Rückzug."
Hoffnung auf Europa – und die UNO
Und wo hat sie Hoffnung? "Europa hat im Prinzip große Gestaltungsmacht – wenn Europa als Einheit auftritt und wenn es sich neue Partner sucht, um neben den USA auch andere Koalitionen bilden zu können", betont Heupel und nennt mehr Kooperation mit Kanada als Beispiel. Die Positionierung einiger europäischer Staaten gegen den den Iran-Krieg habe gezeigt, "dass es möglich ist, den USA Kontra zu geben". Und, so die UN-Expertin, die Vereinten Nationen seien geschwächt, aber noch da. "Auch die UNO kann genutzt werden, um die multilaterale Ordnung wieder zu stärken."
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