Es ist ein Ort, wie aus einer anderen Welt: Die Einsiedelei Mariental aus Hütten, Türmen und Grotten in einem abgelegenen Tal in einem Wald im Unterallgäu. Erbaut wurde sie von Heinrich Maucher, einem Bauernsohn aus der Gegend, der Jahrzehnte lang in dem Wald lebte [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]. Auch nach dem Tod des Eremiten vor sechs Jahren ist das Mariental für viele Menschen ein besonderer Ort der Ruhe und des Glaubens. Doch das Landratsamt verlangt nun einen zumindest teilweisen Rückbau. Die Bauten stellen demnach ein Sicherheitsrisiko dar.
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Initiative will Bauwerke erhalten
Eine Gruppe von Leuten aus der Region um Carolin Längst will die teils spirituellen Bauwerke von Heinrich Maucher nahe dem Breitenbrunner Ortsteil Baumgärtle erhalten. In einer schnelllebigen Zeit sei es "wichtiger denn je, Ruhe zu finden und deshalb würde ich mir so wünschen, dass wir den Ort erhalten", sagte die Koordinatorin der Initiative dem BR.
Erbaut hatte Maucher die Einsiedelei zu einem bestimmten Zweck. Laut Initiative sah er eine große Katastrophe auf die Menschheit zukommen, wollte in seinen Hütten Unterschlupf bieten – und auch Versorgung. In etlichen großen Regentonnen lagert noch immer haltbarer Proviant.
Den Schwarzbauten droht der Abriss
Der Anlage aus rund 60 Hütten, Türmen und Grotten droht der Abriss, weil sie seit dem Tod Mauchers im Jahr 2020 immer mehr verfällt: Die Bauaufsichtsbehörde am Landratsamt hat einerseits Sicherheitsbedenken: "Wichtig ist uns insbesondere, dass von den Bauten keine Gefahr für die Besucher ausgeht". Außerdem handele es sich "bei den Gebäuden um Schwarzbauten, die auch nachträglich nicht genehmigt werden können", teilte die Behörde schriftlich mit. Allerdings sei "im Sinne eines Kompromisses denkbar, dass einzelne Gebäude geduldet werden".
Stiftung will Einsiedelei verschenken
Dafür müsste aber ein Rück- und Umbau stattfinden, den der Eigentümer des Grundes, die katholische Stiftung Mutter Maria Stieren, zu tragen hätte. Dieser hat Maucher sein Anwesen vermacht. Heute heißt es von der Stiftung, es sei ein Fehler gewesen, das Erbe anzunehmen. Man finanziere sich hauptsächlich aus Spenden, mit denen Hilfsprojekte für Arme in Afrika unterstützt werden.
Das Waldgrundstück sei "neben dieser wichtigen sozialen Aufgabe eine Last". Man suche deshalb einen Weg, "das Grundstück loszuwerden, eine Schenkung an einen Interessenten wäre z.B. denkbar", teilt die Stiftung schriftlich mit. Das Landratsamt hatte der Stiftung eine Frist bis 15. März gesetzt, um ein Rückbaukonzept vorzulegen – oder die Hütten alternativ bis 30. April abzureißen. Beides ist laut der Behörde bislang nicht passiert.
Nun will die Initiative um Carolin Längst ein eigenes Rückbaukonzept erarbeiten – und hofft auf eine Fristverlängerung durch das Landratsamt.
Im Video: Einsiedelei Mariental vor Teilrückbau?
Auch Türme wie dieser gehören zu der Anlage. Alles mitten im Wald.
BR24 auf Instagram: Verschwindet die Einsiedelei Mariental?
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