Der Druck ist groß: Laut Bayerischem Landesamt für Statistik [externer Link] sind in Bayern seit 2015 die Preise für den Praxisunterricht um 71,5 Prozent und für den Theorieunterricht um 80,7 Prozent gestiegen. Drei- bis viertausend Euro zahlen Fahrschüler aktuell im Schnitt für den Pkw-Führerschein. Wer durch die Prüfung fällt, legt schnell mehrere hundert Euro drauf. Und das trifft viele: 2024 scheiterten laut TÜV-Verband [externer Link] 44 Prozent an der theoretischen und 37 Prozent an der praktischen Prüfung.
Laienausbilder sollen Führerschein günstiger machen
Diese Entwicklung will das Bundesverkehrsministerium mit einer Reform der Führerscheinausbildung [externer Link] abbremsen. Am umstrittensten ist dabei die sogenannte "Experimentierklausel": Eine Laienausbildung, bei der Fahrschülerinnen und Fahrschüler einen Teil ihrer praktischen Ausbildung mit "einer nahestehenden Person" im öffentlichen Straßenverkehr absolvieren.
Vorgesehen ist: Wer mindestens sechs Fahrstunden mit einem ausgebildeten Fahrlehrer absolviert und die Theorieprüfung bestanden hat, darf mit bis zu zwei verschiedenen Laienausbildern fahren. Diese Personen müssen in einem "besonderen Näheverhältnis" zum Bewerber stehen, den Pkw-Führerschein seit mindestens sieben Jahren besitzen und dürfen maximal einen Punkt im Fahreignungsregister haben. In der Praxis dürften damit vor allem Eltern zu Fahrlehrern werden.
Eintausend Kilometer sollen Mutter oder Vater dann mit ihrem Kind "on the road" zurücklegen, dokumentiert in einem Fahrtenprotokoll. Das private Fahrzeug muss vorn und hinten klar als Ausbildungsfahrzeug gekennzeichnet sein. In Österreich etwa geschieht das mit einer blauen Tafel mit weißem "L" und einem weiteren Schild mit der Aufschrift "Übungsfahrt".
Fahrlehrer sehen Sicherheitsproblem
Fahrlehrer René Bonkowski, der Fahrschulen in Fürstenfeldbruck und Olching betreibt, sieht die Pläne kritisch. Reformen beim Pkw-Führerschein halte er grundsätzlich für sinnvoll, sagt er. Doch die Laienausbildung berge Risiken für die Verkehrssicherheit – auch, weil private Fahrzeuge nicht wie Fahrschulwagen ausgestattet sind. "Ins Lenkrad greifen kann ein Laie natürlich auch. Ob das hilfreich ist, wenn man dabei kein Bremspedal hat, ist natürlich fraglich. Denn wenn der Sohn sich erschreckt und das Gaspedal voll durchdrückt, dann kann das schnell im Gegenverkehr enden", so Bonkowski.
Fahranfänger mit Eltern im Straßenverkehr – ein Sicherheitsrisiko als Folge der Reform? Unter Bonkowskis Fahrschülern gehen die Meinungen weit auseinander: Manche halten das Fahren mit Eltern im öffentlichen Verkehr für "gefährlich", andere glauben, es wäre "entspannter, denn mit einem Familienmitglied hat man nicht so viel Angst".
Auch unter den Eltern herrscht keine Einigkeit. "Mit über dreißig Jahren Fahrerfahrung hätte ich da keine Bedenken", sagt ein Vater, der mit seinem Sohn auf dem ADAC-Fahrsicherheitsplatz in Ingolstadt übt. Ein anderer sieht das kritischer: Für ihn sei das "nicht so gut", weil er auf der Beifahrerseite seines Privatwagens "kein Bremspedal, keine Kupplung und kein Gaspedal" habe.
Versicherungsbeiträge noch ungeklärt
Neben Sicherheitsfragen beschäftigt Bonkowski auch die Versicherung. Für eines seiner Fahrschulfahrzeuge zahlt er rund zweitausend Euro Vollkasko im Jahr. Für privat genutzte Fahrzeuge, die zur Laienausbildung eingesetzt werden, dürften die Versicherungsprämien seiner Einschätzung nach deutlich steigen. Ein Großteil der erhofften Kostenersparnis wäre damit dahin. Zudem könnte der Aufwand für die Dokumentation der Laienfahrten am Ende mehr Bürokratie verursachen, als die Reform eigentlich abbauen soll.
Aktuell wird die Reform des Pkw-Führerscheins in den Bundesländern verhandelt. In Kraft treten soll sie bereits am 1. Januar 2027 – ein Termin, den das Bundesverkehrsministerium selbst als "sehr ambitioniertes Ziel" bezeichnet.
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