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Ganztagsbetreuung: Wie hat Bayern es jetzt doch noch geschafft?

Ganztagsbetreuung: Wie hat Bayern es jetzt doch noch geschafft?

Seit dem 1. August gilt in Bayern: Erstklässler haben einen rechtlichen Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Bis 2029 soll dieser Anspruch bis auf die vierte Klasse ausgeweitet werden. Noch kurz vor Start war ungewiss, ob es klappt. Eine erste Bilanz.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-1-Nachrichten am .

Ganztagsbetreuung gibt es in Bayern in mehreren Modellen: direkt in der Schule oder als Angebot der Kinder- und Jugendhilfe. Laut Familienministerium wurden, Stand Januar 2026, etwa 311.000 Kinder im Grundschulalter ganztägig betreut, die meisten im Rahmen der Schule.

Seit August steht Erstklässlern rechtlich ein Ganztagsplatz zu. Acht Stunden täglich, montags bis freitags, auch in den Ferien (mit Ausnahme von 20 Schließtagen). Zunächst gilt der Anspruch nur für erste Klassen. Bis 2029 soll er auf alle Klassen in Grund- und Förderschulen ausgeweitet werden.

Vom großen Defizit zu ersten Erfolgen

Noch kurz vor dem Start im August gab es Sorgen, dass Kommunen und Freistaat den Anspruch womöglich nicht einlösen können. Dass es an Räumlichkeiten oder Personal fehlen würde. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft vom Februar fehlen in Bayern bis 2029 noch 42.300 Ganztagsplätze.

Seit zwei Monaten gilt der rechtliche Anspruch nun. Und BR24-Recherchen zeigen: Es läuft insgesamt gut, die Sorgen bestätigen sich nicht. Schulämter, Städte- und der Gemeindetag und Lehrervertreter haben keine Beschwerden vorliegen.

Federführung hat beim Ganztag das Familienministerium. Ministerin Ulrike Scharf (CSU) spricht von einem "Meilenstein für mehr Bildungsgerechtigkeit und die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Pflege". Der Ganztag sei eine Chance, Kindern würden Werte vermittelt, Vereine und Gemeinschaft vor Ort gestärkt.

Städtetag: "Kraftanstrengungen waren enorm"

Laut Bayerischem Städtetag hat die Umsetzung trotz struktureller "Schieflage" der kommunalen Haushalte und hohen Zeitdrucks "insgesamt relativ gut funktioniert". Probleme seien behoben worden. Kommunen hätten rechtzeitig neue Bauten in Auftrag gegeben, etwa für Schulräume oder Sportanlagen. Konkrete Zahlen, wie viel gebaut wurde, gibt es laut Städtetag aber noch nicht.

Elternvertreter nur in Teilen zufrieden

Florian Eschstruth vom Bayerischen Elternverband beklagt insgesamt einen Mangel an Ganztagsplätzen, bezogen auf alle Grundschulklassen. Er warnt davor, jetzt die ersten Klassen wegen des rechtlichen Anspruchs zu bevorzugen: "Durch die generelle Mangelsituation scheint es, dass die Ressourcen jetzt von den höheren Klassen auf die niedrigen Klassen verlagert werden." Ihm sei ein Fall bekannt, wo ein Schüler aus einer höheren Grundschulklasse seinen Platz zugunsten eines Erstklässlers verloren habe. Das Familienministerium sieht bei solchen Fällen die Verantwortung bei den Kommunen.

In einem Schreiben an Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) fordern die Elternvertreter, auf die Qualität der Betreuung zu achten: Der Anspruch auf Ganztag dürfe nicht zu einem "Anspruch auf Aufbewahrung" werden. Sie wollen hochwertige Bildung für jedes Kind, "unabhängig vom Wohnort und Elternhaus". Das Ministerium teilte BR24 mit, das Schreiben werde bearbeitet.

Qualität auch Sorge des Lehrerverbands

Auch Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), pocht auf die Qualität der Ganztagsbetreuung. Ganztagsbildung sei generell eine "super Möglichkeit", um Gerechtigkeit zu leben.

Die verschiedenen Ganztags-Modelle, also direkt in der Schule oder außerhalb, erfüllten zwar alle den Rechtsanspruch, würden aber "ganz unterschiedliche Qualitäten anbieten". Für den BLLV ist der gebundene Ganztag das beste Modell, also Betreuung in den Schulen. Dafür fehle es aber an Personal.

Große Herausforderung: Ferienzeiten

Größter Unsicherheitsfaktor: Welche Betreuung gibt es in den Ferien? Es gebe noch keine Erfahrungswerte, sagt der fachliche Leiter des Schulamts im Landkreis Augsburg, Thomas Adleff.

Mit Blick auf die kommenden Herbstferien vermutet er, manche Kommunen könnten Schließtage nutzen, um zumindest einzelne Tage zu überbrücken. Insgesamt 20 solcher Tage stehen ihnen zur Verfügung.

Dieser Artikel ist erstmals am 12. Oktober 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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