(Symbolbild) Leerstand in der Altstadt von Gerolzhofen im Landkreis Schweinfurt
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Gegen Leerstand auf dem Land: Teilen, umbauen, gemeinsam wohnen

Gegen Leerstand auf dem Land: Teilen, umbauen, gemeinsam wohnen

Die Kinder ziehen aus, die Eltern wohnen allein im Einfamilienhaus, das genau wie der Garten jetzt zu groß wird. Doch es gibt Alternativen: gemeinschaftliches Wohnen zum Beispiel, Teilen oder Vermieten von Wohnraum. Doch es gibt Hürden zu überwinden.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Mainfranken am .

In vielen ländlichen Regionen Bayerns ist es ein vertrautes Bild: Die Kinder sind ausgezogen, die Eltern bleiben allein im Einfamilienhaus zurück. Was früher Traum vom Eigenheim war, wird im Alter oft zur Belastung – wegen hoher Kosten, viel Putzarbeit und großer Gärten. In Dingolshausen im Landkreis Schweinfurt wurde nun darüber gesprochen, wie solcher Wohnraum besser genutzt werden kann.

Leerstand in Bayern: 300.000 Wohnungen ungenutzt

In das Veranstaltungszentrum "Freiraum" kamen rund 50 Interessierte zur Infoveranstaltung "Platz da! – Verborgenen Wohnraum entdecken und nutzen". Der Hintergrund: In Bayern stehen laut Zensus knapp 300.000 Wohnungen leer – nicht nur auf dem Land, sondern auch in Städten wie Nürnberg, Augsburg oder München.

Besonders hoch ist der Leerstand jedoch in strukturschwachen Regionen, etwa mit 16 Prozent im Markt Schirnding (Landkreis Wunsiedel) oder 14 Prozent in Bayerisch Eisenstein (Landkreis Regen), während im Landkreis Schweinfurt rund fünf Prozent der Wohnungen leer stehen, häufig in den Ortskernen.

Große Häuser teilen: Chancen und bauliche Hürden

Einer der Zuhörer ist Friedbert Stark, der allein in einem 400-Quadratmeter-Haus lebt und sich fragt, wie er die Räume besser nutzen kann. Bis seine Tochter vielleicht aus dem teuren München nach Franken zurückkehrt, würde er gerne ein Stockwerk vermieten.

Architekt Andreas Schmitt aus Erding erläutert dazu, dass sich Häuser meist waagrecht oder senkrecht teilen lassen – mit getrennten Zugängen, etwa über eine neue Außentreppe, wobei Statik, Schall- und Brandschutz wichtige Hürden bleiben, für die es aber meist Lösungen gebe.

Umbau im Ortskern: Wohnraum für ältere Menschen schaffen

Wie ein Umbau gelingen kann, zeigt Cordula Schmidt aus Zeil, die das alte Fachwerkhaus ihrer Großmutter in Thüringen mit viel Eigeninitiative saniert. Schritt für Schritt vermietet sie die entstehenden Wohnungen, auch mit dem Ziel, älteren Menschen Wohnraum zu bieten, damit der Umzug ins Heim möglichst vermieden werden kann. Schmidt träumt von einem kleinen Gartencafé und einem Yogastudio in der alten Scheune und rät dazu, Kosten realistisch zu kalkulieren und früh professionelle Hilfe von Architekt, Bauleiter und Energieberater einzubinden.

Die richtigen Mieter: Angst, Auswahl und Mietrecht

Viele Eigentümer beschäftigt die Frage, wie verlässliche Mieter gefunden werden können. Die Sorge vor Mietausfällen ist groß. Manche lassen Wohnungen lieber leer, wie auch Friedbert Stark nach schlechten Erfahrungen berichtet.

Mietrechtsanwalt Frank Schmälzle aus Schweinfurt empfiehlt deshalb, vor Vertragsabschluss umfassende Informationen einzuholen: von Selbstauskunft über Gehaltsnachweise bis zur Nachfrage beim Vorvermieter und misstrauisch zu werden, wenn Interessenten wichtige Auskünfte unter Verweis auf den Datenschutz verweigern.

Gemeinschaftliches Wohnen: Leben im Mehrgenerationenprojekt

Eine Alternative zum eigenen Haus kann der Umzug in ein Wohnprojekt sein, in dem mehrere Generationen unter einem Dach leben. Axel Salzsieder hat mit seiner Frau die Stadtwohnung im dritten Stock aufgegeben und ist in eine barrierefreie Wohnung in einem Gemeinschaftsprojekt mit 13 Einheiten im Würzburger Stadtteil Oberdürrbach gezogen, um im Alter nicht plötzlich vor unüberwindbaren Treppen zu stehen. Im Projekt werden Werkstatt, Gartengeräte und manches mehr geteilt, was Zeit und Engagement kostet, für Salzsieder aber mittlerweile vor allem Gewinn an Gemeinschaft bedeutet.

Förderprogramme gegen Leerstand: Unterstützung für Eigentümer

Damit mehr Häuser im Ortskern umgebaut und genutzt werden, gibt es verschiedene Förder- und Beratungsangebote. Städtebauförderung, Dorferneuerung und kommunale Programme wie im Landkreis Schweinfurt, etwa kostenlose Erstbauberatung oder Zuschüsse für Abriss und Entsorgung, sollen Leerstand verringern und Ortszentren stärken. Für Eigentümer eröffnet das die Chance, ihr zu groß gewordenes Haus zukunftsfest zu machen und zugleich neuen Wohnraum zu schaffen.

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