Die Prozessbeteiligten des Feuchter Zeidelgerichts stehen auf der Bühne der Reichswaldhalle
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Streit um den geklauten Kirchweihbaum: Die Beteiligten der ersten Verhandlung des Feuchter Zeidelgerichts seit 230 Jahren.
Bildrechte: BR/ Michael Reiner
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Streit um den geklauten Kirchweihbaum: Die Beteiligten der ersten Verhandlung des Feuchter Zeidelgerichts seit 230 Jahren.

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Geklauter Kirchweihbaum: Traditionsgericht sorgt für Frieden

Geklauter Kirchweihbaum: Traditionsgericht sorgt für Frieden

Einen Kirchweihbaum zu klauen, das hat Tradition in Franken. Doch in Feucht gibt es seit Wochen heftigen Streit um einen solchen Diebstahl. Die Wogen soll nun nach 230 Jahren erstmals wieder ein Traditionsgericht aus dem Mittelalter glätten.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Die Geschichte um den geklauten Kirchweihbaum beginnt mit einem Rückblick ins Mittelalter. Im Jahr 1296 haben die Zeidler im Nürnberger Reichswald eine eigene Gerichtsbarkeit bekommen. Zeidler, so hießen die Imker, die den Honig von wilden Waldbienen einsammelten. Sitz des Zeidelgerichts war später die Marktgemeinde Feucht (Landkreis Nürnberger Land). Hier wurden bis zum Jahr 1796 Streitigkeiten zwischen den Waldimkern geschlichtet.

Bürgermeister will keine inneren Unruhen

Jetzt, 230 Jahre später, hat Feuchts Bürgermeister Harald Danzl (CSU) das Zeidelgericht wieder einberufen. Grund dafür war der Streit um den Kirchweihbaum, der seit gut einem Monat das Leben in der Marktgemeinde belastet. "Mir ist es wichtig, dass wir keine inneren Unruhen haben", sagt Danzl dem BR. Weil Gespräche bisher wenig genutzt haben, soll nun das Zeidelgericht die zerstrittenen Parteien versöhnen.

Vor etwa einem Monat haben die Kärwaburschen aus dem Feuchter Ortsteil Moosbach und dem Nachbarort Winkelhaid den Feuchter Kirchweihbaum geklaut. In einem zehntausendfach geklickten Video auf Instagram haben sie den Feuchter Kärwaverein aufgefordert, den Baum auszulösen – so wie das eben Brauch ist, mit viel Bier und einer Brotzeit.

Feuchter fühlen sich hinters Licht geführt

Hier beginnt der Zoff. Denn die Feuchter Kärwaleute bestreiten, über den Diebstahl rechtzeitig informiert worden zu sein. Als sie ihren Baum nach dem Fällen am nächsten Morgen nicht mehr im Wald gefunden haben, haben sie schnell einen neuen geschlagen. Der steht jetzt geschmückt auf dem Kirchweihplatz. Deshalb gab’s keine Auslöse. "Wir wissen, dass wir im Recht sind und gute Argumente haben", sagt Felix Rübig, der die Kärwaleute Feucht in der Verhandlung vertritt.

Kontrahenten fordern Kärwa-Tradition ein

Von wegen, kontern die Baumdiebe aus Moosbach und Winkelhaid. "Wir sind voll im Recht. Wir möchten einfach nur unsere Ablöse haben." Mit diesem Ziel geht Julian Hauenstein vom Kärwaverein Moosbach in die Verhandlung. Wer sich nicht an die Tradition halte und den Baum auslöse, der gehöre bestraft. Außerdem hätten die Feuchter ihren Baum ja bewachen können.

Mehr Bierzelt als Gerichtssaal

Der Baumdiebstahl ist ein derber Kärwa-Spaß – so wie die Verhandlung vor dem Zeidelgericht. Sie ist mehr Bierzelt als Gerichtssaal. Die Parteien ziehen mit Karwä-Musikanten in die Reichswaldhalle ein, wo das Gericht tagt. Mit dabei haben sie einige Kästen Bier. Die zornigen Zwischenrufe und der laute Beifall lassen erahnen, wie viel Emotionen sich angestaut haben – und wie hoch der Promillepegel ist.

Vom Amtsgericht auf die Bühne

Auf der Bühne sitzen die Richter, der Staatsanwalt, Zeugen und die Beklagten. Die Verhandlung führt Miriam Kretzschmar. Sie ist normalerweise Richterin am Amtsgericht Nürnberg. "Man muss die Tradition leben", sagt sie. Ihre Eltern waren schon immer mit der Blasmusik unterwegs. Die Liebe zur Kärwa "ist mir vielleicht ein bisschen in die Wiege gelegt".

Sie will ein möglichst gerechtes Urteil sprechen. Jede Partei habe etwas falsch und jede etwas richtig gemacht. Das spiegelt sich in ihrem gereimten Richterspruch wider: "Da beide gefehlt haben, gibt es kein Weinen. Wir werden euch heute nachträglich wieder vereinen. Ihr zahlt keine Strafe in Münze und Geld. Sondern richtet ein Fest aus, das allen gefällt."

Prominente Bier-Spender für Aussöhnungsfeier

Der Saal jubelt, als verkündet wird, dass die Bürgermeister der Gemeinden und der Landrat das Bier für die Aussöhnungsfeier spendieren werden. "Natürlich hätte man sich gewünscht, dass man gewinnt", sagt Antonia Berger vom Kärwaverein Moosbach. "Aber so ein Fest mit allen ist ja auch schön." Und auch Felix Rübig freut sich für die Feuchter Kärwaleute auf das gemeinsame Fest.

Zum Schluss gibt’s dann noch einen Handschlag auf der Bühne. Alles wieder gut zwischen den Ortschaften Feucht, Moosbach und Winkelhaid.

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