Sommer 2025 – die Bergwacht Ramsau bekommt einen Anruf: Ein Mann meldet sich. Er ist zwar nicht verletzt, aber er kommt beim Abstieg vom Watzmann nicht weiter – auf rund 2.100 Metern, es regnet. Das ist ein Fall aus der neuen Staffel der Serie "In höchster Not – Bergretter im Einsatz". Solche "Blockierungen" nehmen seit Jahren zu.
Viele unterschätzen die Watzmann-Überschreitung
An die Erleichterung, als die Bergwacht kommt, kann sich Matthias Walter aus Baden-Württemberg auch fast ein Jahr später im BR24-Interview noch genau erinnern. Der Plan war eine Watzmann-Überschreitung, zusammen mit zwei Freunden. Eine lange, anspruchsvolle Tour. Der 59-Jährige macht zwar regelmäßig Zehnkilometerläufe und in seiner Bundeswehrzeit war er sogar bei den Gebirgsjägern. Aber das ist schon über 30 Jahre her. In schwierigem Gelände war er lange nicht mehr.
Am Tag der Tour scheint erst die Sonne, für den Nachmittag ist Regen angesagt, deshalb gehen sie früh los. Seine Freunde sind schneller und gehen ohne ihn voraus. Doch beim Abstieg schwinden seine Kräfte. "Ich habe mich überschätzt", sagt Walter. Aber die Einsicht sei erst beim Abstieg gekommen. An einer Stelle mit einem Stahlseil, das durch den Regen nass geworden ist, bekommt Matthias Angst. "Wenn ich da runterfalle, dann bin ich verletzt, breche mir was. Das kann ich nicht riskieren", erinnert sich der 59-Jährige.
Dann kommt die Blockade, er ruft die Bergwacht. Die bringt ihn schließlich sicher ins Tal. Matthias Walter rät anderen zunächst zu einfacheren Touren, um zu prüfen, wie fit man ist, bevor man so eine Mammut-Tour wie die Watzmann-Überschreitung versucht.
Blockierungen nehmen in allen Alpenländern zu
Ein typischer Fall. Die Watzmann-Überschreitung wird oft unterschätzt. Grundsätzlich haben Bergretter immer häufiger mit Menschen zu tun, die zwar unverletzt sind, aber am Berg einfach nicht weiterkommen – ein Trend in allen Alpenländern. In Bayern rückte die Bergwacht im Sommer 2015 noch in sieben Prozent der Fälle wegen Unverletzter aus, neun Jahre später waren es fünf Prozent mehr.
Das liegt zum einen daran, dass mehr Menschen in die Berge gehen als früher und zum anderen, dass man via Smartphone schnell Hilfe rufen kann, sagt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein. Der Vorteil: Man kann blockierte Leute unverletzt vom Berg holen. Der Nachteil: Die Belastung der Bergwacht nimmt zu.
Von "Vollkaskomentalität" würde er aber nicht sprechen, das seien Einzelfälle. "Dass jemand wirklich vorab bewusst in seiner Tourenplanung sagt: Dann lass ich mich mit dem Heli holen? Das halte ich fast sogar schon für ein Märchen. Denn niemand will eigentlich in die unangenehme Situation kommen, sich holen zu lassen" oder sogar für die Kosten aufkommen zu müssen, glaubt Winter.
Im Video: Wenn plötzlich nichts mehr geht - und die Bergwacht kommen muss
Bergretter der Bergwacht Ramsau beim Einsatz am Abstieg der Watzmann-Südspitze.
Soziale Medien zeigen oft nur Ausschnitte
Eine Herausforderung seien besonders Leute, die nicht organisiert - also etwa ohne Bergführer - unterwegs sind. Die hätten zwar natürlich auch das Recht in die Berge zu gehen, "aber da müssen alle an einem Strang ziehen: also auch der Tourismus, die Kommunen in den Bergregionen und auch die Medien, um dort zu sensibilisieren", meint Winter. Das Gebirge sei kein Disneyland und man sollte sich nicht zu sehr von Social Media verleiten lassen, so Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein.
Da kommt Adrian Fusco ins Spiel. Er betreibt mit "Alpine Summits" einen der größten deutschen YouTube-Kanäle im Touren-Bereich. Er weist bei seinen Videos immer wieder auf die Schwierigkeiten und Gefahren der Touren hin und was man dafür können muss. "Alpines Gelände birgt Gefahren", sagt Fusco.
Das Problem bei Social Media sei das Riesenangebot an Touren. Man sehe viele Impressionen, aber oft sehe man nicht, was dahintersteckt. Wie schwer die Tour wirklich ist, wie viel Erfahrung derjenige hat, der sie zeigt. Wenn dann jemand kommt, der zum ersten Mal am Berg ist, der "kann das gar nicht abschätzen, weil er ja nur einen Ausschnitt sieht", sagt Fusco.
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