Der 91-jährige Gerhard Hopperdietzel trägt in seiner Werkstatt einen grauen Filzhut.
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91-jähriger Handwerker gibt sein Wissen weiter
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Handwerker mit Leib und Seele: Mit 91 noch munter an der Arbeit

Handwerker mit Leib und Seele: Mit 91 noch munter an der Arbeit

Der 91-jährige Oberfranke Gerhard Hopperdietzel ist offiziell schon seit mehr als 30 Jahren in Rente. Doch der gelernte Sattler und Polsterer denkt noch lange nicht ans Aufhören: Für ein Mittagessen als Lohn polstert und flickt er wie eh und je.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Manche können es gar nicht erwarten, bis sie in den wohlverdienten Ruhestand eintreten können. Andere wiederum sind froh, wenn sie auch im hohen Alter eine Aufgabe haben und vielleicht sogar noch ihr über viele Jahrzehnte gesammeltes Wissen weitergeben können - wie Gerhard Hopperdietzel.

Handwerker seit über 75 Jahren

Gerhard Hopperdietzel aus Rehau im Landkreis Hof mag die Arbeit nicht ruhen lassen. Sitzflächen für Stühle neu aufpolstern – das beherrscht der 91-Jährige aus dem FF. Seit mehr als 75 Jahren arbeitet er als Polsterer und Sattler. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Fast täglich steht er in seiner Werkstatt in Regnitzlosau im Landkreis Hof, um seine Aufträge abzuarbeiten.

Reparaturaufträge am laufenden Band

Auch wenn er nur noch für Freunde und Bekannte arbeitet – an Aufträgen mangelt es dem gebürtigen Rehauer nicht. Während Hopperdietzel gerade die abgerissenen Lederriemen einer Damenhandtasche neu vernäht, klopft es an der Werkstatttür. Eine Freundin aus dem Nachbarort bringt eine Pferdedecke vorbei, die einen großen Riss hat. Das Pferd habe sich einfach zu oft auf der Koppel gewälzt. Das habe das Material nicht mehr mitgemacht, erfährt Hopperdietzel. Er schaut sich die Decke an, inspiziert den Riss. Das kann er nähen. In ein paar Tagen könne sie die reparierte Decke wieder abholen.

Ein Mittagessen als Lohn

Geld nimmt er für seine Arbeit nicht. Lieber lässt sich Gerhard Hopperdietzel als Dank mal zum Essen einladen. Er habe seine Rente, warum solle der da noch Geld verlangen, sagt er und grinst verschmitzt. So könne er immer wieder liebe Freunde treffen. Dadurch habe er immer viel Kontakt zu anderen Menschen und das sei ihm sehr wichtig, verrät Hopperdietzel. Der Austausch mit anderen, die vielen Gespräche und Diskussionen halten ihn jung, sagt er.

Die Großmutter als treibende Kraft

Seine Lehre begann er 1947. Die Großmutter hatte ihm eine Lehrstelle bei einem befreundeten Handwerksmeister vermittelt: Noch heute erinnert er sich genau, was die Oma ihm damals vor dem Bewerbungsgespräch eingebläut hat: Nicht zappeln, nicht in der Nase bohren und nicht dazwischenreden, wenn sich die Erwachsenen unterhalten. Das hat er bis heute nicht vergessen.

Jahre in der Fremde

Nach der Lehre zog das Fernweh Hopperdietzel für einige Jahre in die Schweiz. Dort lernte er seine Frau kennen, die ihn in den 1970-er Jahren zurück nach Oberfranken begleitete. Fast 20 Jahre bildete er in einem großen Möbelbetrieb im Landkreis Hof junge Polsterer aus. 1990 ging er in Rente, aber wirklich zur Ruhe setzen will er sich bis heute nicht. Dass er mit über 90 noch so fit ist, dafür hat Hopperdietzel eine einfache Erklärung.

Ratschlag für ein langes Leben

Er habe sich nämlich sein Leben lang an den Rat eines Arztes gehalten, den er als junger Mann bekommen habe. "Da hat der Arzt zu mir gesagt: Merken Sie sich eines. Wenn der Geist aus irgendeinem Grund verfällt, verfällt der Körper mit. Und wenn der Körper verfällt und man macht nichts dagegen, dann sind Sie auch verloren. Machen Sie, was Sie erfreut. Aber nicht saufen und rauchen", erinnert er sich.

An diese Empfehlung will sich Hopperdietzel weiter halten – und so auf jeden Fall seinen 100. Geburtstag noch feiern.

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