In einem ist sich Heizungsbauer Albert Kohl sicher: Auch mit einer Reform des Heizungsgesetzes bleibe die Wärmepumpe die erste Wahl – für Neubauten, aber auch bei einer umfassenden Sanierung des ganzen Hauses. "Ich weiß nicht, ob wir in den letzten vier bis fünf Jahren überhaupt noch einen Neubau mit einer Gasheizung gemacht haben", so Heizungsbauer Kohl aus dem schwäbischen Bobingen.
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Wann die Wärmepumpe nicht sinnvoll ist
Es gebe aber Fälle, in denen die Wärmepumpe keinen Sinn mache. Beispielsweise für Besitzer alter Häuser mit ungedämmtem Dach und undichten Fenstern – und wenig Geld, um das ganze Haus umfassend zu sanieren. Hier eine Wärmepumpe zu verordnen, mache keinen Sinn, sagt Albert Kohl. "Da haben sie nach fünf bis sieben Jahren den ersten Verdichter-Schaden."
Mehr Beinfreiheit für Hausbesitzer – vorerst
Deswegen sieht es der Bobinger Heizungsbauer positiv, dass die Reform des Heizungsgesetzes in solchen Fällen mehr Beinfreiheit vorsehe: "Dass wir die Gasheizung oder die Ölheizung als eine Brückentechnologie sehen." Beispielsweise indem eine 30 Jahre alte Heizung noch mal durch einen Gasbrennwertkessel ersetzt werde. Eben so lange, bis das ganze Gebäude energetisch saniert sei – und dann auch bereit für Technologien wie die Wärmepumpe, so Kohl weiter.
Diese Optionen sind jedoch zeitlich begrenzt: Zum einen steigt ab 2029 die Pflicht zur Beimischung grüner Heizstoffe. Und während die Koalition auf nationaler Ebene die sogenannte 65-Prozent-Regel abschaffen will, nach der alle neuen Heizungen mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden sollen, werden auf Ebene der EU die Regelungen in den kommenden Jahren verschärft. Darauf weist auch Heizungsbauer Kohl hin.
Trotzdem sieht er in der Reform eine sinnvolle Modifikation des Habeck'schen Heizungsgesetzes: "Es ist jetzt etwas mehr Klarheit drin. Was ist erlaubt, was ist nicht erlaubt." In vielen Punkten werde Habecks Gesetz, welches Kohl grundsätzlich befürwortet, aber auch weitergeführt: "Dieser Entwurf sagt ja nicht: So, ab jetzt ist die Wärmepumpe weg und ihr könnt wieder Gas und Öl einbauen, wie ihr lustig seid."
Wie wichtig ist die künftige Förderung?
Dass in der Reform die künftige Förderung noch unklar ist, ist aus Kohls Sicht nicht entscheidend. Im Gegenteil: "Die Photovoltaik war vor 25 Jahren ohne Förderung nicht darstellbar. Heute braucht man eigentlich keine Förderung mehr, weil sich durch die technologische Weiterentwicklung da einfach was getan hat."
Bei der Wärmepumpe müsse genau das Gleiche geschehen: "Man muss durch Skaleneffekte billiger werden, günstiger werden. Und dann darf auch die Förderung nach unten gehen." Auch eine Überförderung sei gefährlich, meint Kohl: "Sonst wird dieser technologische Wandel nicht passieren."
Erich Schulz, der Sprecher des Fachverbands der Heizungsbauer, sieht das anders: Eine attraktive Förderkulisse bleibe wichtig, um den Umstieg auf klimafreundlichere Heizungssysteme zu ermöglichen: "Unseren Kunden, die von uns Fachleuten wissen wollen, was sie gegenwärtig machen können, empfehlen wir weiter den Einbau eines Wärmeerzeugers, der nach dem aktuell noch gültigen Gesetz förderfähig ist."
Jahrelange "Kakophonie ums Heizungsgesetz"
Völlig offen bleibe, wie die derzeitige Regierung die angestrebte Klimaneutralität bis 2045 mit den vorgelegten Eckpunkten erreichen wolle. Es sei zu befürchten, "dass der von der jahrelangen Kakophonie um das Heizungsgesetz ohnehin massiv verunsicherte Bürger, angesichts dieser erneuten unfertigen Gesetzgebungsarbeit weiterhin abwartet, fatalistisch den Kopf in den Sand steckt und einfach nichts unternimmt", so Erich Schulz, der selber Heizungsbauer ist.
Sein schwäbischer Kollege Albert Kohl ist da deutlich entspannter. Wer aktuell seine Heizung erneuern will, sollte jetzt noch die Förderung beantragen, die in einem halben Jahr durchaus sinken könnte. "Aber das ist in meinen Augen kein Grund zur Panik. Ich glaube, es wird sich alles einpendeln."
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