Die Gewalt im Nahen Osten eskaliert weiter: Neben dem Krieg in Iran greift Israel auch die Hisbollah im Südlibanon an. Tausende Menschen fliehen vor Bomben und Raketen, viele suchen Schutz in anderen Teilen des Landes. Auch im Bekaa-Tal kommen immer mehr Geflüchtete an. Die Hilfsorganisation Humedica unterstützt dort seit Jahren Menschen in Not – und reagiert jetzt auf die neue Flüchtlingsbewegung. In Kaufbeuren packen 80 Ehrenamtliche Nothilfesets, um die Menschen vor Ort mit dem Nötigsten zu versorgen.
Helfer: "Man schafft Gemeinsamkeit"
In einer Lagerhalle stapeln sich Kartons. Conny Gerber greift einen davon und beginnt routiniert mit dem Packen. Hygieneartikel wie Seife, Binden, Handtücher oder Einmal-Rasierer landen in jeder Kiste. Für Gerber ist das mehr als nur ein Handgriff: "Weil ich denke, dass die Leute alles alleine nicht schaffen würden und das einfach wichtig ist, dass man da Gemeinsamkeit schafft." Während sie von Tisch zu Tisch geht, macht sie sich Gedanken über die Situation der Geflüchteten: "Man denkt schon über die ganze Kriegssituation anders nach."
Flucht in überfüllte Unterkünfte
Seit 2011 ist Humedica im Libanon aktiv, ursprünglich vor allem für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien. Jetzt kommen vor allem Menschen aus dem Süden des Libanon. Sie suchen Schutz in Notunterkünften – oft in Schulen. Dort herrschen schwierige Bedingungen, erklärt Humedica-Mitarbeiter Sebastian Zausch: "In so einer engen Notunterkunft leben viele Menschen aufeinander. Da breiten sich Krankheiten natürlich sehr schnell aus." Hygiene sei deshalb entscheidend – genau hier setzen die Hilfspakete an.
Jede Form der Hilfe ist angesagt
Auch Harald Keller hilft mit. Der frühere Pflegedirektor will angesichts der Lage nicht tatenlos bleiben: "Es ist eine ziemlich schlimme Zeit. Es ist unmenschlich bis zum Geht-nicht-mehr. Jede Form der Hilfe ist angesagt." In wenigen Tagen packen die Helfer rund 2.000 Sets. Keller weiß aber auch: "Die Menschen brauchen mehr als Handtücher, Waschlappen und vielleicht Rasierer. Aber es ist zumindest eine Grundversorgung, die man dadurch ermöglicht."
Engagement mit Zukunft
Die Hilfe aus Kaufbeuren ist nur ein kleiner Beitrag – aber für viele Menschen vor Ort ein wichtiger. Für Conny Gerber ist klar: Wenn wieder Hilfe gebraucht wird, ist sie dabei. "Weil mir das wichtig ist und weil ich das gerne mache."
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
