Sozialarbeiter der Caritas bei einem Rundgang zu Obdachlosen in München.
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Hitze in München: Warum Obdachlose besonders leiden

Hitze in München: Warum Obdachlose besonders leiden

Viele ächzen seit Wochen unter der Hitze mit Temperaturen weit über 30 Grad. Eine besondere Herausforderung ist das für Menschen ohne Wohnung, zum Beispiel in München. Sozialarbeiter versuchen, es ihnen etwas erträglicher zu machen.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 1 am Vormittag am .

Wenn die Sonne vom Himmel brennt und die Temperaturen über 30 Grad steigen, suchen viele Menschen Schutz in ihren Wohnungen. Ventilator an, duschen und die Fenster verdunkeln. Für Menschen, die auf der Straße leben, ist das nicht möglich. Sie haben keinen privaten Rückzugsort – und müssen sich bei Hitze draußen einen halbwegs geeigneten Platz suchen.

Dann ist Johannes Kappauf gefragt. Er ist Sozialarbeiter beim Caritas Begegnungszentrum D3 nahe dem Münchner Hauptbahnhof. Immer donnerstags dreht er seine Runden und versorgt Obdachlose mit Wasser, Snacks und Sonnenhüten. "Zugehende Arbeit" ist der Fachbegriff dieses Hilfsangebots.

Hitze und Alkohol - eine gefährliche Mischung

Im Wäldchen hinter der Münchner Glyptothek, nahe des Königsplatzes, suchen einige Obdachlose Zuflucht. Sie berichten ihm von ihren Schwierigkeiten bei regelmäßigen Temperaturen über 30 Grad. Die Suche nach Schatten stehe im Zentrum. Ein Betroffener beschreibt es als eine Art Katz-und-Maus-Spiel mit der Sonne: von einer Bank zur nächsten und zurück. Sozialarbeiter Kappauf hilft den Obdachlosen bei Bedarf auch dabei, kühlere Orte aufzusuchen.

Bei seinem Rundgang trifft er außerdem auch viele Menschen, die stark alkoholisiert sind. "Viele sind, auch durch den Alkohol, wirklich halb am Dehydrieren und sehr hilfsbedürftig – die Hitze setzt ihnen sehr zu", sagt Kappauf. Im Rausch sei es zudem schwieriger, die eigene körperliche Situation einzuschätzen. Auch die Versorgung von Wunden und Verletzungen ist bei der Hitze nicht immer leicht.

Hunderte Obdachlose in München

Nach einer von der Stadt München 2023 in Auftrag gegebenen Zählung leben schätzungsweise rund 340 Menschen auf der Straße. Die Zahl schwankt saisonal. Es waren auch schon einmal rund 550 Menschen gezählt worden. In kaum einer deutschen Großstadt sind Wohnungen so knapp, sind die Mieten so hoch wie in München. Wer hier auf der Straße landet, findet schwer zurück.

Die Stadt kennt das Problem und verweist auf ein umfangreiches System für wohnungslose Menschen. Aus ihrer Sicht sind ausreichend Angebote vorhanden. Von den Trägern der Wohnungslosenhilfe seien keine Versorgungslücken aufgezeigt worden.

Hilfe gibt es – aber sie hat Grenzen

Im D3 an der Dachauer Straße können Obdachlose Wasser trinken, sich aufhalten und beraten lassen. Bis zu 250 Menschen kommen täglich. 15 hauptamtliche und elf ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um die Besucher. Es gibt auch Waschmöglichkeiten, eine tägliche Dusche für alle Besucher ist aber aus Kapazitätsgründen bei weitem nicht drin.

Auch in zwei weiteren Tagestreffs gibt es gekühlte Getränke, Duschen und Aufenthaltsmöglichkeiten. Für die Übernachtung stehen in einer großen Einrichtung bis zu 728 Plätze zur Verfügung. Dazu kommen weitere kleinere Häuser wie das Haus an der Pilgersheimer Straße für Männer und Karla 51 für Frauen sowie zahlreiche Beratungsstellen.

Ein Schlafplatz allein reicht bei Hitze nicht

Für Sozialarbeiter stellt sich trotzdem die Frage, was tagsüber im Freien passiert. Denn nicht jeder Mensch, der auf der Straße lebt, möchte oder kann eine Einrichtung nutzen. Und ein Übernachtungsplatz löst nicht automatisch das Problem der Hitze während des Tages. Teilweise werden die Obdachlosen von den Plätzen vertrieben, wie neuerdings aus dem Alten Botanischen Garten. An vielen Orten herrscht Alkoholverbot.

Kappauf wünscht sich deshalb langfristig eine andere Lösung. "Ich persönlich bin großer Fan von dem Housing-First-Concept, da erhält jeder Wohnraum. Dann wäre auch das Problem mit der Hitze schon mal ein Stück besser." Die Idee: Kommunen geben obdachlosen Menschen zuerst eine Wohnung, damit sie im Anschluss ihr Leben regeln können. Die Obdachlosen müssen dabei nicht – wie hierzulande üblich – ihre sogenannte "Wohnfähigkeit" belegen. Aber sie müssen unter anderem suchtfrei sein und offen für eine Beratung.

In München sind viele Obdachlose vorerst auf die bestehenden Hilfsangebote und die zugehende Arbeit von Menschen wie Johannes Kappauf angewiesen. Und bei großer Hitze steht für die Obdachlosen weiterhin die Suche nach Wasser und einem schattigen Plätzchen im Mittelpunkt.

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