Eine "Megaleitung" vom Süden in den trockenen Norden Bayerns versprach Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Ende Juli erneut: eine Art Aquädukt-System mit 1.200 Kilometern Länge. Für Gunnar Braun, Geschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen Bayern, trifft das allerdings nicht den Kern des Problems. Es werde zwar "viel über Technik gesprochen", entscheidend sei aber etwas anderes.
"Die Technik funktioniert. Wir haben aber immer wieder das Thema, dass das Wasser fehlt, teils in Quellen, teils in Brunnen", sagt Braun. Damit auch künftig zuverlässig Trinkwasser aus dem Hahn komme, müsse Bayern vor allem lernen, Wasser besser in der Landschaft zu speichern: "Wir müssen das ganze Jahr aufs Wasser gucken. Im Winter kommt das Wasser, das wir auch im Sommer brauchen."
Glauber: Wasserversorgung aktuell gesichert
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sieht die Lage derzeit nicht als dramatisch an. "Wir haben die besondere Situation, anders als in anderen Bundesländern, dass wir mehr Wasserversorger haben als Gemeinden in Bayern." Der Freistaat habe in den vergangenen Jahren mehr als 400 Kilometer Verbundleitungen zwischen Wasserversorgern gebaut und über 1.200 Kilometer Wasserleitungen erneuert. Die Wasserversorgung sei "aktuell gesichert": "Das ist die gute Botschaft bei den großen Herausforderungen rund um Wasser."
Dass es Handlungsbedarf gibt, bestreitet Glauber allerdings nicht. "Das Zauberwort ist Grundwasserneubildung, man muss in der Fläche Wasser halten." Regenwasser müsse stärker im Boden versickern können, statt schnell über Bäche und Flüsse abzufließen. Mit der Strategie "Wasserzukunft Bayern 2050" setzt der Freistaat deshalb auf den Schutz des Grundwassers, stärkeren Landschaftswasserhaushalt, moderne Messsysteme und klimaangepasste Städte.
Finanziert werden sollen viele Maßnahmen mit den Einnahmen aus dem neuen Wassercent. Rund 80 Millionen Euro jährlich sollen so zur Verfügung stehen. "Es wird eine Daueraufgabe sein und bleiben." Gerade Städte müssten sich verändern. Mehr Grünflächen, Entsiegelung und Wasserspeicherung sollten beim Bauen mitgedacht werden. "Sonst wird die Stadt bei der Hitze zum nächtlichen Kachelofen und die Lebensqualität sinkt maximal", warnt Glauber.
Experten einig: Pilotprojekte reichen nicht
Mit dieser Einschätzung liegt der Umweltminister auf einer Linie mit Markus Disse, Professor für Hydrologie an der Technischen Universität München (TUM). Um die Wasservorräte langfristig zu sichern, müsse mehr Regenwasser dort gespeichert werden, wo es falle. Da gebe es noch einiges zu tun: Bayern brauche ein Wasserhaushaltsmodell, das die verschiedenen Einflussfaktoren gemeinsam betrachtet. Als Vorbild nennt Disse sogenannte "Schwammlandschaften" mit Maßnahmen wie bodenschonender Landwirtschaft, wassersparender Bewässerung und dem Umbau von Wäldern zu Mischwäldern. Das werde allerdings Jahrzehnte dauern.
Auch Braun verlangt einen stärkeren Fokus auf natürliche Wasserspeicher. "Ein Boden ist wie ein Schwamm", sagt der Vertreter der kommunalen Wasserwirtschaft. Maßnahmen wie Humusaufbau, Entsiegelung oder Wiedervernässung von Mooren seien bekannt und sinnvoll. Das Problem: Viele Projekte blieben bisher punktuell. Statt weiterer Pilotversuche brauche es eine Umsetzung in der Fläche.
Kommunen fordern mehr Geld
Hier setzt die Kritik des Bayerischen Städtetags an. Viele Städte und Gemeinden hätten längst Konzepte entwickelt, könnten sie aber nicht finanzieren. "Die Pläne für den Schutz vor Starkregen und Hitze liegen in unseren Rathäusern längst in den Schubläden. Was fehlt, ist nicht der Wille, sondern das Geld zum Bauen", schreibt Geschäftsführer Johann Kronauer auf LinkedIn. Der Städtetag fordert deshalb mehr Fördermittel und eine langfristige Finanzierung für die Kommunen.
Wasser-Experte: Jeder kann etwas tun
Doch nicht nur die Politik steht in der Verantwortung, mahnt der emeritierte TUM-Forscher Karl Auerswald. "Unser generelles Problem ist, dass wir erwarten, dass die Politik unsere Probleme löst, uns aber unbehelligt lässt. Das funktioniert aber nicht."
Wasser sparen, Garagendach begrünen, Parkplatz entsiegeln, Straßen in Alleen verwandeln, in die Höhe statt in die Breite bauen: "Das können Sie fortsetzen - es wird für jeden etwas dabei sein." Je kleinteiliger wir das Problem angehen, umso besser, so Auerswald.
In einem sind sich Ministerium, Kommunen und Wissenschaft einig: Bayerns Wasserversorgung funktioniert heute. Damit sie in Zukunft sicher bleibt, muss mehr Wasser gespeichert werden – direkt unter unseren Füßen.
Im Video: Bayern - Strategie gegen Wassermangel
Strategie gegen Wassermangel
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