Letzte Routine-Tests an der neuen Achterbahn "100% Wolf" im Plopsaland im rheinland-pfälzischen Haßloch. Die Bahn saust über die Schiene, doch plötzlich ein lautes Zischen. Irgendetwas ist schiefgelaufen. Ein Monteur vom bayerischen Achterbahnhersteller Gerstlauer eilt los, um nachzusehen. Noch ist unklar, was das Problem ist. Und die Zeit drängt, die Eröffnung der Achterbahn naht – ob der Fehler noch rechtzeitig behoben werden kann?
Gerstlauer baut Rekord-Achterbahnen
Eine Achterbahn bauen, das ist immer mit Herausforderungen verbunden. Und nirgends wissen sie das so gut wie im 2.000 Einwohner zählenden Münsterhausen im Landkreis Günzburg. Denn hier hat die Firma Gerstlauer Rekord-Achterbahnen entworfen und in die ganze Welt geliefert: So etwa eine Achterbahn in England mit den meisten Inversionen, also Überschlägen. Im Hansapark bei Lübeck steht seit 2015 Deutschlands höchste Achterbahn mit einem weltweit einzigartigen freien Fall, und zwar rückwärts. Und für einen Freizeitpark in den USA hat Gerstlauer die steilste Achterbahn der Welt mit 121,5 Grad gebaut.
Aus Schwarzkopf wird Gerstlauer
Höchste Ansprüche hatten sie in Münsterhausen schon immer. In den 1950er Jahren machte Anton Schwarzkopf aus dem Wohnwagenbauer des Vaters einen Hersteller für Fahrgeschäfte. In den Siebziger und Achtzigerjahren verkaufte Schwarzkopf weltweit Achterbahnen und entwickelte den ersten Looping der Welt.
1982 gründete der ehemalige Mitarbeiter Hubert Gerstlauer seine eigene Firma und lieferte fortan wichtige Bauteile für Schwarzkopf. In den Jahren danach ging Schwarzkopf aber Konkurs, 1992 übernahm Gerstlauer dann Teile der Produktion und setzte den Achterbahnbau fort – mehr als 100 Bahnen stehen mittlerweile auf der ganzen Welt verteilt.
Für die Wartung der Achterbahnen muss nicht mehr unbedingt gereist werden. Denn von Münsterhausen aus können sie die Anlagen fernüberwachen. Bei einem Fehler reicht oft ein Telefonat. Hilfe in alle Welt, direkt aus dem Landkreis Günzburg.
Achterbahnen: Großprojekte mit Handarbeit und Präzision
Doch allein jeder Bau einer Achterbahn bedeutet harte Arbeit und extreme Präzision – so auch für "100% Wolf". Andreas Simonis, Forschungs- und Entwicklungsleiter bei Gerstlauer, hat die neue Achterbahn mit seinem Team konstruiert. Sie ist 760 Meter lang und 17,5 Meter hoch. Baukosten: zwölf Millionen Euro.
Insgesamt sollen drei Züge gleichzeitig auf der Strecke fahren können. Und sie hat zwei baulich herausfordernde Schlüsselelemente: Zum einen das offene Ende der Schiene, auf das die Bahn zusaust. Den Stahl für dieses offene Ende perfekt zu biegen, sei Millimeterarbeit. Die zweite Besonderheit sei die Weiche zurück in den Bahnhof.
Selbst wenn die Strecke fertig ist, heißt das noch nicht, dass direkt eröffnet werden kann. Allein die nötigen Routine-Tests dauern Wochen. Und jedes kleine Problem kann die Eröffnung verschieben.
Ob der Grund für das zischende Geräusch gefunden wurde und die Achterbahn des schwäbischen Herstellers rechtzeitig fertig wird – seht ihr im Video von BR24 vor Ort.
BR24 auf Instagram: Achterbahnfirma aus Münsterhausen verzeichnet viele Rekorde
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