Pflegerin mit Dame am Fenster.
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Betreuung im Pflegeheim. (Symbolbild)
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Tom Weller
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Hohe Kosten für Pflegeheime – Pflegekassen schlagen Alarm

Hohe Kosten für Pflegeheime – Pflegekassen schlagen Alarm

Fast sieben Prozent mehr als im Vorjahr. So stark steigt die Zuzahlung für Alten- oder Pflegeheime. Im Durchschnitt sind es 3.196 Euro pro Monat und Person. Viele bringt das an ihre finanziellen Grenzen – manchmal kostet es alle Ersparnisse.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

In München-Neuhausen berichtet eine Dame von ihren Erfahrungen mit der Pflege. Als Apothekerin kennt sie auch die Stimmungslage vieler Kunden, die Angehörige im Pflegeheim haben. "Die sind frustriert, weil sie sehen, dass sich ihre Angehörigen etwas angespart haben und jetzt alles für die Pflege drauf geht." Sie fordert darum von der Politik, endlich eine Lösung zu finden.

Pflegekassen schlagen Alarm

Thomas Hackenberg ist Leiter der vdek-Landesvertretung Bayern. Der Verband der Ersatzkassen ist auch für die Pflegeversicherung zuständig. Auch er findet, dass die finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen zu hoch sei. "Wir sind über den Beitrag natürlich nicht glücklich, weil wir auch im Blick haben müssen, dass Pflege bezahlbar bleibt." Treiber seien besonders solche Kosten, die nichts direkt mit der Pflege zu tun hätten. Dazu gehöre zum Beispiel ein Betrag von etwa 100 Euro, den jeder Heimbewohner jeden Monat für die Ausbildung von neuem Pflegepersonal zahlen müsse.

Wer bezahlt die Pflege? Ruf nach dem Staat

"Da sind wir als Ersatzkassengemeinschaft der Meinung", so Thomas Hackenberg, "Ausbildungskosten sollen nicht vom Pflegebedürftigen übernommen werden. Da sehen wir eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und insofern plädieren wir hier dringend, Ausbildungskosten aus Steuermitteln zu finanzieren."

Gleiches gelte für die 433 Euro, die durchschnittlich als sogenannter Investitionskostenzuschuss anfallen, ein Beitrag, der monatlich von jedem Bewohner für Bau, Renovierung und Ausstattung von neuen Pflegeheimen übernommen werden müsse.

Besonders Personalkosten sind hoch

Der größte Teil des monatlichen Pflegebetrages sind die Personalkosten. Thomas Klie sieht hier aber kein Einsparpotential. Er ist Politikberater und Experte für Soziales und Pflege. Es sei gut, dass die Gehälter der Pflegekräfte gestiegen seien.

Das Problem sei eher, dass die Pflege daheim so wenig unterstützt werde: "Wir müssen schauen, dass wir in die häusliche Pflege investieren. Ziel muss sein, dass Menschen zu Hause bleiben können und nicht ins Heim müssen." 12,5 Prozent der Pflegebedürftigen sind in Deutschland in Heimen untergebracht. Das seien überdurchschnittlich viele, so Klie.

Deutschland hat Nachholbedarf

Andere Länder machten es vor: Finnland und Dänemark hätten deutlich weniger Pflegebedürftige als Deutschland. "Wir brauchen bessere ambulante Strukturen. Und darauf müssen wir uns in Zukunft konzentrieren", so Klie. Ähnlich wie die Praxen der hausärztlichen Versorgung müsse es Anlaufstellen für pflegefachliche Begleitung geben, wo Pflegebedürftige und ihre Angehörigen Unterstützung finden. In anderen Ländern Europas sei so etwas selbstverständlich.

"Es geht also nicht darum, die Kosten zu senken, sondern die deutlich effizientere Pflege zuhause zu verbessern", sagt Klie. Damit nicht beispielsweise Familien gezwungen seien, ihre Angehörigen in ein Pflegeheim zu geben, weil sie es daheim nicht mehr schaffen.

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