Markus Küfner ist ein Biobauer "aus absoluter Überzeugung". Schon sein Vater hat den Milchvieh-Betrieb in Bindlach bei Bayreuth 1989 auf Biolandwirtschaft umgestellt. Aber bald könnte damit Schluss sein, er rechnet damit, dass sein Biosiegel in wenigen Monaten weg ist: "Für uns katastrophal", sagt Küfner.
Im Stall herrscht Außenklima
Als sein Stall vor 20 Jahren gebaut wurde, hat Küfner alles befolgt, wozu Staat und Bio-Anbauverbände damals geraten haben. Oft hat er ihn seither Berufskollegen gezeigt, um auch sie zur Umstellung auf Bio zu motivieren. Der Kuhstall ist an den Seiten offen, und teils auch nach oben. Die Kühe haben deutlich mehr Platz als in konventionellen Ställen. Sie stehen in Außenatmosphäre, kriegen auch mal Regentropfen auf den Rücken. Im Sommer bekommen sie frisches Gras zu fressen. Aber: Auf der Wiese stehen sie nie. Das Gefühl, einen Halm selbst abzuzupfen, kennen sie nicht.
EU verlangt: Alle Biotiere müssen auf die Weide
Nach der Rechtsauffassung der Europäischen Union reicht das nicht, um Biobetrieb zu sein. Die Die EU-Kommission betont, die EU-Ökoverordnung verlange schon seit 1999, dass alle Biotiere einen Zugang zu Weide bekommen. Bayern und Deutschland haben das EU-Gesetz viele Jahre laxer ausgelegt und Lösungen wie auf dem Küfner-Hof durchgewinkt. Die EU akzeptiert das jetzt nicht mehr, wie EU-Agrarkommissar Christophe Hansen (EVP) in einem Interview mit dem Fachmagazin "Top Agrar" klarstellte [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt] : "Ich kann nicht zurückrudern, weil irgendwo jemand falsch informiert hat oder falsch genehmigt hat."
In Österreich war mit Ausnahmen schon früher Schluss
Zwar hatte Hansen im vergangenen Sommer noch angekündigt, die EU-Bioverordnung "öffnen" zu wollen, um keine Biobetriebe zu verlieren. Doch mit Österreich gibt es bereits einen Präzedenzfall. Dort hat die EU mit Ausnahmen von der Weidepflicht schon vor einigen Jahren Schluss gemacht.
Das bayerische Landwirtschaftsministerium macht auf BR-Anfrage klar, dass es die Weidepflicht jetzt durchsetzen wird, denn sonst droht ein EU-Vertragsverletzungsverfahren. Nur Biobetriebe, die nachweisen können, dass sie schon damit begonnen haben, auf Weide umzustellen, bekommen noch zwei Jahre Galgenfrist.
Ohne Wiesen neben dem Hof ist Weide kaum möglich
Für Markus Küfner aus Bindlach ist das keine Option. Er besitzt nur eine Wiese neben seinem Hof, viel zu klein für seine 280 Stück Vieh. Einen kleinen Teil der Rinder könnte er nach draußen lassen, aber alle – das geht nicht, sagt er. Und so stellt er sich jetzt darauf ein, das Biosiegel zu verlieren. Der Landwirt, selbst CSU-Mitglied, sieht die Verantwortung dafür bei den Politikern der eigenen Partei: "Da muss ich die drei Akteure ganz klipp und klar ansprechen, nämlich EU-Agrarkommissar Hansen (EVP), Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), und unsere bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU)."
Die Molkerei, an die er bisher liefert, die Milchwerke Oberfranken-West in Wiesenfeld bei Coburg, wird der Verlust schmerzen. Denn während es bei konventioneller Ware Überschüsse gibt, ist Biomilch gefragt. "Die Biomilch könnte sich verknappen", fürchtet Simon Weiß, der bei den Milchwerken für die Beschaffung zuständig ist.
Biomilch ist gefragt – konventionell gibt es Überfluss
Zwar ist 2025 die Anlieferung von Biomilch in Bayern noch um 3,6 Prozent gestiegen. Doch das könnte sich ändern. Über 300 bayerische Biobetriebe haben vergangenes Jahr nicht mehr die Öko-Zuschüsse des Freistaats beantragt. Andere, wie der Bindlacher Biobauer Küfner, haben sie zwar beantragt, aber im Wissen, das Geld vielleicht zurückzahlen zu müssen.
Die Stunde der Wahrheit kommt im April, wenn die Weidesaison beginnt. Dann werden die Öko-Zertifizierungen verlängert – oder eben nicht.
Der Mehraufwand wird gut bezahlt
Jeder Betrieb wird trotz allem darum kämpfen, das Biosiegel zu behalten. Denn der Anreiz für Bauern, die Auflagen zu erfüllen, ist hoch: Für Biomilch bekommen sie in Bayern derzeit mehr als 40 Prozent mehr Geld als für konventionelle. Die Milchwerke Oberfranken West zahlen pro Liter Biomilch 67,5 Cent.
Thomas Lang von der bayerischen Landesvereinigung für ökologischen Landbau (LVÖ) ist nach eigenen Worten im Gespräch mit der EU-Kommission, um den Übergang zur Weide für die bayerischen Betriebe im Detail zu erleichtern. Es sei für viele Bauern ein großer Aufwand. Aber es rentiere sich im Sinne der Tiere. In Zukunft sei auch für die Biolandwirtschaft in Bayern klar: "Weide gehört dazu."
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