Silvia Schwanzer ist verärgert, wenn sie auf die vergangenen Jahre zurückblickt. Seit 2020, dem Jahr der Corona-Pandemie, arbeitet sie im Klinikum Bogen. Damals wurde ihr mit Applaus an den Fenstern gedankt. Geblieben ist ihr von der Anerkennung wenig. Im Gegenteil: "Jetzt sind wir so weit, dass nicht nur ich um meinen Arbeitsplatz kämpfen muss, sondern um die ganze Klinik", sagte sie sichtlich frustriert bei "jetzt red i" im niederbayerischen Parkstetten im Landkreis Straubing-Bogen.
Denn das kleine Klinikum steht wirtschaftlich massiv unter Druck: Ein Jahresdefizit von 6,3 Millionen Euro zwingt zu drastischen Überlegungen. Im Raum steht etwa, ob an der 24-stündigen Notfallversorgung gespart wird oder ob die Intensivstation schließen muss.
Um kleine Kliniken kämpfen
Die Unsicherheit über die Zukunft "ihres" Krankenhauses ist bei den Bürgerinnen und Bürgern deutlich spürbar. In der "jetzt red i"-Arena zeigte sich das in emotionalen Wortmeldungen. Für Claudia Ebner aus Bogen geht es bei der Debatte um mehr als medizinische Strukturen: "Das ist ein kleines Krankenhaus. Die Wege sind kurz. Man kennt einfach die Leute, man kennt die Pflegekräfte, man fühlt sich halt aufgehoben."
Der CSU-Fraktionsvorsitzende Klaus Holetschek versuchte Zuversicht zu vermitteln. Noch sei nichts entschieden, nun müsse man um die beste Lösung ringen. "Am Ende des Tages geht es darum, dass die Menschen das Gefühl haben, dass sie gut versorgt werden, auch in einer Notfallsituation", so der ehemalige bayerische Gesundheitsminister. Bei allen finanziellen Fragen dürfe der Kern nicht verloren gehen: die Versorgung der Menschen.
Deutlich positionierte sich auch Ates Gürpinar, gesundheitsökonomischer Sprecher der Linken im Bundestag: "Ich verstehe, dass man um jede kleine Klinik kämpft." Denn für ihn sei eine wohnortnahe Klinik zentral: "Jetzt sagen manche: Straubing, da ist doch auch eine Notfallversorgung. Die Menschen wissen aber mittlerweile, wenn die Klinik hier schließt, wird sich in Straubing nichts verbessern." Lange Wartezeiten und weite Fahrtwege wären die Folge.
Der Diskussion in Parkstetten stellten sich Klaus Holetschek, CSU-Fraktionschef und Ates Gürpinar, stellvertretender Parteivorsitzender Die Linke
Nachjustierung der Reform nötig
Neben der Klinikdebatte stand auch das aktuelle Sparpaket der Bundesregierung im Fokus. Sebastian Riesner hat zwei Kinder, das dritte ist gerade unterwegs. Er kritisierte die geplante Reform der Familienversicherung, nach der seine Ehefrau künftig nicht mehr beitragsfrei mitversichert sein soll. Das stellt das Paar vor Herausforderungen: "Die Kosten explodieren für Familien", sagte Riesner und verwies auf mögliche Auswirkungen auf seine Lebens- und Arbeitsplanung.
Klaus Holetschek bezeichnete die Reform zwar als grundsätzlich notwendig, ließ aber durchblicken, dass diese noch nicht final ausgereift ist. So sei das Ende der beitragsfreien Familienversicherung für ihn noch keine beschlossene Sache: "Über das Thema wird man insgesamt noch reden müssen", so Holetschek. Man dürfe die Belastungen nicht isoliert sehen. "Sondern man muss auch hier zur Kenntnis nehmen, dass noch Unwuchten da sind."
Linken-Politiker Gürpinar: "Das Versprechen wird gebrochen"
Unterstützung erhielt Holetschek hier von Ates Gürpinar. Er hält die Streichung der Mitversicherung der Ehepartner und Ehepartnerinnen für völlig falsch: "Es gab ein Versprechen, dass die Beiträge nicht mehr steigen sollen, das Versprechen wird damit schlicht und ergreifend gebrochen, bei Millionen Menschen."
Zudem verwies Gürpinar auf frühere politische Zusagen, etwa von Ministerpräsident Markus Söder (CSU). "Sein Versprechen war, dass es mit ihm die Abschaffung der beitragsfreien Versicherung nicht geben soll." Deshalb hoffe er in dieser Frage, so Gürpinar, dass sich die CSU durchsetzen werde.
Vollständige Sendung "jetzt red i" vom 29.04.2026
CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek und Ates Gürpinar, stellvertretender Parteivorsitzender Die Linke
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