Es ist ein warmer Sommerabend im Juni, als Julian Heitmann zusammen mit seinem Bruder und seinem Vater im Schwimmbad ist. Sie schwimmen ihre Bahnen und tauchen. Außer der Familie sind nur noch ein Mann und eine Frau im Becken. Als die Frau auf einmal nicht mehr zu sehen ist, taucht der Neunjährige hinab, um nachzusehen.
Er entdeckt Monika Ohmanova unter Wasser – sie liegt auf dem Boden. "Ich dachte erst, sie taucht, denn sie hatte eine Taucherbrille auf", erzählt der Grundschüler. Doch nach mehrmaligem Nachsehen bemerkt er, dass etwas nicht stimmt. Die Frau strampelt und versucht aufzutauchen. Irgendwann kippt sie rückwärts auf den Boden. Der Schüler handelt blitzschnell – er läuft zu seinem Vater und alarmiert anschließend den Bademeister.
55-Jährige kann gerettet werden – dank Julian
Die 55-Jährige wird sogleich aus dem Schwimmbecken gezogen und muss reanimiert werden – und überlebt. Dank der schnellen Reaktion von Julian ist Monika Ohmanova noch am Leben. An den Vorfall im Ismaninger Schwimmbad hat sie selbst keine Erinnerung. Die Frau aus Unterföhring liegt im Anschluss vier Tage im Koma.
Als man ihr im Krankenhaus erzählt, dass sie beinahe ertrunken wäre, kann sie es nicht glauben. Keiner kann sich erklären, warum die eigentlich sehr sportliche Frau überhaupt untergegangen ist. "Sie hatte einen lebendigen Schutzengel", erzählt Monikas Mann Rastislav. "Julian!"
Ehrenurkunde vom Bürgermeister für mutigen Schüler
Für sein mutiges Handeln ist Julian Heitmann nun geehrt worden. Der Poinger Bürgermeister Thomas Stark hat dem Drittklässler in seinem Klassenzimmer der Anni-Pickert-Grundschule in Poing eine Ehrenurkunde überreicht. Darin steht, dass er durch sein besonnenes und mutiges Handeln das Leben eines Mitmenschen gerettet hat. Für diese selbstlose Tat spricht ihm Stark seinen Dank und seine Anerkennung aus.
"Leben kann sich innerhalb einer Sekunde drehen"
"In der Schule jubeln mich alle an, in der Familie sind alle sehr stolz auf mich, meine Lehrerin auch und der Bürgermeister ist auch sehr sehr stolz auf mich", erzählt der Drittklässler im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Julians neuer Berufswunsch: Er möchte Rettungsschwimmer werden.
Die Dankbarkeit ist auch bei Monika Ohmanova und ihrem Mann riesengroß! Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk lacht sie und sagt: "Ich bin lebendig und sehr dankbar, dass mich Julian gerettet hat". Ihr Mann ergänzt mit noch brüchiger Stimme: "Ein Leben kann sich innerhalb einer Sekunde um 180 Grad drehen". Dank Julian konnte das Ehepaar vor Kurzem seinen 31. Hochzeitstag feiern.
24 Menschen in Bayern in dieser Saison bereits ertrunken
Auch wenn der Fall in Ismaning ein Einzelfall ist – seit dem Start der Badesaison sind in Bayern bis Ende Juni mindestens 24 Menschen beim Baden gestorben. Laut der Statistik der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gab es im Jahr 2025 in Deutschland insgesamt 393 Todesopfer durch Ertrinken.
Grafik: Anzahl der Todesfälle pro Jahr durch Ertrinken in Deutschland
Dieser Artikel ist erstmals am 27. Juli 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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