Ein Mann springt vom Steg in einen Badesee.
Ein Mann springt vom Steg in einen Badesee.
Bild
Badesee oder Fluss: Für viele das pure Sommerglück. Vor allem junge Männer aber überschätzen ihre Kräfte und unterschätzen das Wasser.
Bildrechte: stock.adobe.com/mmphoto
Schlagwörter
Bildrechte: stock.adobe.com/mmphoto
Audiobeitrag

Badesee oder Fluss: Für viele das pure Sommerglück. Vor allem junge Männer aber überschätzen ihre Kräfte und unterschätzen das Wasser.

Aktualisiert am
Audiobeitrag
Erschien zuerst am
>

Badetote in Bayern: Warum vor allem Männer ertrinken

Badetote in Bayern: Warum vor allem Männer ertrinken

2026 sind in Bayern bis Ende Juni mindestens 24 Menschen beim Baden gestorben, 23 von ihnen waren Männer. Eine Psychologin erklärt, warum Männer sich öfter gewissen Risiken aussetzen. Wasserretter zeigen, wie sich Badegäste besser schützen können.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Nach Feierabend rauschen nicht nur die Fluten des Eisbachs durch den Englischen Garten in München, sondern mit ihm auch dutzende Badefreudige. Mit dabei sind Nicolas und Daniel. Ausgestiegen vor der Dianabadschwelle machen sich die beiden zurück auf den Weg zur Eisbachwelle – um dann nochmal ins Wasser zu springen. "Für mich ist es tatsächlich heute das erste Mal. War super, kann man empfehlen", sagt Nicolas.

Doch was für viele reines Vergnügen ist, ist oft auch gefährlich. Allein in Bayern sind in der diesjährigen Badesaison von Mai bis einschließlich Juni mindestens 24 Menschen in Seen, Flüssen und Bädern ertrunken. Betroffen dabei: vor allem junge Männer.

Zum Artikel: 17 Badetote in Bayern – Wasserwacht warnt vor Leichtsinn

Rotes Kreuz: Männer schätzen Risiken oft falsch ein

"Von den 24 Badetoten sind 23 Männer", so Claire Kolodinski vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Ein Trend, der sich seit längerem beobachten lässt. Auch in den vergangenen Jahren waren es in Bayern meist Männer, die beim Baden ums Leben kamen. "Aus unserer Sicht sterben vor allem Männer beim Baden, weil sie möglicherweise ihre eigenen Kräfte überschätzen und dann aber auch das Wasser unterschätzen. So ein See ist nun mal kein Freibad", sagt Claire Kolodinski dem BR.

Junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren seien dabei besonders gefährdet und eine Art "Risikogruppe", so die BRK-Sprecherin. Zwölf der 24 registrierten Badetoten in Bayern sind Männer in diesem Alter.

Männer nicht universell risikobereiter als Frauen

Warum Männer gewisse Risiken eingehen, lässt sich mithilfe der Forschung beantworten. Loreen Tisdall ist Psychologin und forscht zum Thema Risikobereitschaft an der Universität Basel.

Aus psychologischer Sicht bedeutet Risikobereitschaft, dass bei einer Entscheidung auch negative Folgen möglich sind. Diese Folgen können unterschiedlich sein: Man kann zum Beispiel Geld verlieren oder sogar die eigene Sicherheit gefährden.

Mit Blick auf die generelle Studienlage zeige sich aber: "Männliche Personen sind im Durchschnitt risikobereiter als weibliche Personen", erklärt Tisdall. Sie schätzen das Risiko, dass etwas Schlimmes passieren könnte, geringer ein als Frauen. Gleichzeitig bewerten sie den Nutzen ihrer Handlung als höher und damit positiver. Laut Tisdall sind vor allem junge Männer besonders risikobereit.

Aber es gibt auch klare Einschränkungen. Zum einen unterscheidet sich die Risikobereitschaft je nach Lebensbereich. Vor allem beim Thema Gesundheit, Freizeit und Finanzen ließe sich beobachten, dass tendenziell Männer höhere Risiken eingehen. Zum Beispiel auch bei der Frage: Springe ich von einer Brücke in den See? Auch soziale Faktoren spielen eine Rolle. Tisdall sagt, risikobereites Verhalten könne als Statussignal dienen: Man wolle zeigen, was man sich traue und besonders stark wirken. Außerdem spiele das traditionelle Männerbild eine Rolle, das sich in Freundesgruppen weiter verstärken könne.

Zum anderen finden die meisten Studien mit größeren Gruppen statt und es werden verschiedene Messmethoden benutzt. Laut Tisdall lässt sich also nicht für einzelne Personen sagen, aus welchem Grund genau ein Risiko eingegangen wird – deshalb gebe es auch nicht einen spezifischen Grund, an dem man schrauben müsse, um Unfälle zu vermeiden.

Geschlechter-Trend zeigt sich auch bundesweit

Die Zahlen der Deutschen-Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) zeigen, dass auch bundesweit eher Männer beim Baden ums Leben kommen.

Laut der Statistik der DLRG gab es im Jahr 2025 in Deutschland 393 Todesopfer durch Ertrinken – 312 davon männlich. Das sind knapp 80 Prozent. Dieser Anteil hat sich in den vergangenen 15 Jahren kaum verändert.

Grafik: Anzahl der Todesfälle je Jahr durch Ertrinken in Deutschland

So können Gruppen sich gegenseitig helfen

Martin Holzhause von der DLRG rät Gruppen, beim Schwimmen aufeinander zu achten. "Wenn ich weiß, dass da jemand vielleicht kein guter Schwimmer ist, dass ich auch darauf hinweise und das dann nicht so hinnehme, dass derjenige da mitzieht." Es ginge nicht darum, wer der Mutigste oder Stärkste ist. Sollten in Gruppen Zweifel aufkommen solle man diese auch ansprechen, damit alle sicher nach Hause kommen, so Holzhause.

Dieser Artikel ist erstmals am 5. Juli 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!