Der abgetrennte Rehkopf, zu dem die Polizei Nittendorf im Landkreis Regensburg am Dienstag einen Zeugenaufruf veröffentlicht hat, ist offenbar kein Fall von Wilderei. Ein Jäger habe sich gemeldet und angegeben, das Reh erlegt zu haben, sagte ein Polizeisprecher dem BR. Dessen Darstellung sei glaubwürdig.
Drei Funde in den vergangenen vier Wochen
Der Hund einer Spaziergängerin hatte den abgeschnittenen Rehkopf an einem Wanderweg entlang der Schwarzen Laaber zwischen Beratzhausen und Laaber entdeckt. Das weckte zunächst Befürchtungen, es könne einen weiteren Fall von Wilderei im Landkreis Regensburg geben. In den Wochen zuvor waren hier bereits zweimal tote Rehe ohne Kopf gefunden worden. Während diese Fälle weiter offen bleiben, geht die Polizei im aktuellen Fall nicht mehr von Jagdwilderei aus.
Jäger vergrub Rehkopf an Lockstelle
Der Jäger aus Hemau schrieb auch dem BR, der über den Zeugenaufruf berichtet hatte. Er betreue das benachbarte Revier und habe das Reh selbst erlegt, kurz vor Beginn der Schonzeit. Nachdem er das Tier fachgerecht zerlegt, also "zerwirkt" hatte, habe er den Kopf an einer so genannten Luderstelle vergraben - einer legalen Lockstelle. Ein Fuchs habe den Kopf wohl entdeckt und weitergeschleift. Das habe er auch der Polizei so geschildert.
Luderstellen dienen in der Regel dazu, Raubwild - etwa Füchse - zu jagen. Dass Aas oder andere Lockmittel eingegraben werden, ist üblich - so trocknet es langsamer aus und die Luderstelle kann über Wochen attraktiv bleiben.
Jägerschaft beunruhigt
Seit dem Fund der Rehkörper ohne Kopf ist man in Jagdkreisen beunruhigt und aufmerksam. Man achte auf Personen oder Fahrzeuge, die im Revier auffallen, sagte ein Jäger dem BR. Die Frau, die den abgetrennten Rehkopf an der Schwarzen Laaber gefunden hatte, ist selbst Jägerin und erkannte den glatten Schnitt. Sie verständigte die Polizei.
Jäger vermuten Dunkelziffer
Vom BR befragte Jäger halten es für möglich, dass die Köpfe der im Landkreis Regensburg gefundenen Rehe abgetrennt wurden, um Spuren zu beseitigen - etwa Munitionsreste, die Hinweise auf die verwendete Waffe geben.
Außerdem gehen sie von einer Dunkelziffer aus - also dass gewilderte Tiere nicht entdeckt werden, weil Füchse, Wildschweine oder Dachse sich die Kadaver geholt haben.
"Von Wilderern halten wir nichts"
Was Wilderer antreibe, darüber könne man nur spekulieren, so vom BR befragte Jäger: Trophäen, das Fleisch oder einfach die Lust am illegalen Jagen. "Von Wilderern halten wir nichts", stellt ein Jäger im Gespräch klar - nicht nur mit Blick auf das Jagdrecht. Tiere, die in der Winterruhe aufgescheucht werden, sorgten im Wald auch für Wildverbiss, weil sie für neue Energie Knospen von Nadelbäumen und junge Triebe fressen. Das sei häufig die Folge, wenn Menschen - etwa Hundebesitzer mit ihren Tieren - abseits der Wege gingen. Wilderei verschärfe das Problem noch.
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