Milchbauer Paul Weber steht Anfang August im fränkischen Aischgrund auf einer vertrockneten braunen Wiese. Eigentlich mäht er hier im Sommer das Gras für seine Milchkühe. In diesem Jahr sei es aber zum Verzweifeln. "Es ist einfach traurig, da wächst gar nichts mehr," sagt Weber und zerbröselt einen trockenen Grashalm in seiner Hand.
1976 so heiß wie selten zuvor
Wer in den 1960er-Jahren oder früher geboren wurde, wird sich noch an den Sommer 1976 erinnern, vor 50 Jahren also. Damals gab es eine Hitzewelle und enorme Trockenheit. Die Landwirte sahen sich mit einer ähnlichen Situation konfrontiert wie in diesem Sommer, mit extremen Einbrüchen bei den Erträgen von Getreide und Futterpflanzen.
In einem BR-Beitrag von 1976 klagte ein Bauer aus Großlangheim im unterfränkischen Landkreis Kitzingen über den Zustand seines Getreides: "Von den Ähren, die ich hier in der Hand habe, sind ganze zwei normal ausgebildet. Diese hier ist eine Kümmer-Ähre. Die werden nur noch notreif." Das heißt: Das Korn wird zu einem früheren Wachstumsstadium schon gelb, was deutliche Ertrags- und Qualitätseinbußen bei der Ernte bedeutet.
Das Wasser wurde knapp
An neun Tagen im Zeitraum Juni bis August waren im Sommer 1976 die Temperaturen über 30 Grad geklettert. Dazu kam eine ungewöhnlich lang anhaltende Trockenheit. In vielen Gemeinden wurde das Trinkwasser knapp und es gab Verbote, die Gärten und Felder zu bewässern.
Die Folge war, dass viele Bauern aus Futtermangel ihre Milchkühe schlachten mussten, so dass in den Schlachthöfen die Kapazitäten knapp wurden.
1976 und 2026 sind kaum zu vergleichen
Trotzdem sieht Stephan Raspe von der Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft nur wenige Parallelen zwischen den Jahren 1976 und 2026: "Der geringe Niederschlag und dass es wärmer war als in den Vergleichsjahren direkt davor - dann ist aber dann die Ähnlichkeit auch schon vorbei."
Im Laufe dieses Sommers 2026 habe es noch einmal 50 bis 100 Millimeter (pro Quadratmeter) weniger Niederschlag gehabt als 1976. Damals fielen zwischen April und August insgesamt etwa 300 Millimeter. In diesem Jahr hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in ihren 19 Waldklimastationen im Durchschnitt nur 198 Millimeter gemessen. Verglichen mit heutigen Sommern würde der von 1976 gar nicht mehr so herausstechen. Extrem heiße und trockene Sommer gab es in den vergangenen Jahren gleich viermal: 2003, 2015, 2018 und 2019.
Trocken – im historischen Vergleich
Dass der Sommer 1976 trotzdem in Erinnerung geblieben sei, liege am Klima, das damals herrschte, so Stephan Raspe: "In historischer Zeit, bis in die 1980er-Jahre hinein, war ein Sommer wie 1976 natürlich besonders trocken und warm, weil die ganzen Temperaturen noch niedriger waren als heute. Da stach der Sommer 1976 natürlich besonders heraus." Es sei also der historische Kontext, in dem der Sommer vor 50 Jahren zu betrachten sei – was die Menschen damals gewohnt waren.
Das ändert sich durch den immer deutlicher zutage tretenden Klimawandel. Was also damals etwas Besonderes war, so Raspe, sei heute das neue Normal.
Dieser Artikel ist erstmals am 13. August 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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