Im Gemeinschaftsraum der Jüdischen Kultusgemeinde in Erlangen liegt eine große Sporttasche mitten auf dem Boden, voller Kostümteile. Drumherum herrscht große Aufregung, zumindest bei den Jüngsten. Sie sollen sich Kostüme zum Verkleiden aussuchen.
Maskerade für Groß und Klein
Die Vorfreude auf das Purim-Fest ist aber nicht nur bei den Kindern groß. Auch die Erwachsenen werden sich dann verkleiden, so Judith Zinman von der Kultusgemeinde: "Wir feiern in unserer Gemeinde, mit unseren Gemeindemitgliedern, einen Purim-Ball. Das ist bei uns aber ehr ein kleines Purim-Fest."
Geschichte von Königin Esther
Das Fest mit Verkleidung, Partystimmung und viel Essen und Trinken hat einen historischen Hintergrund: Jüdinnen und Juden erinnern damit an Königin Esther. Die konnte, vor mehr als 2.500 Jahren, die persischen Juden vor den Tötungsplänen eines hohen Regierungsbeamten bewahren. Diese Geschichte aus der Thora wird Rabbiner Reuven Gubermann in der Synagoge an Purim vortragen, in einer vorgeschriebenen Melodie.
Mut, Zuversicht und Hoffnung
Es ist eine Geschichte über Mut und eine geschickte Täuschung, deshalb auch die Maskerade an Purim. Es ginge darin aber vor allem um Zuversicht und Hoffnung, gerade im Hier und Jetzt, so Reuven Guberman. Das will er seiner kleinen Erlanger Gemeinde mitgeben an Purim. "Wir wollen in dieser Welt wirken, wir wollen anderen Leuten Liebe entgegenbringen und nicht mit Hass arbeiten", so der Rabbiner.
Haman-Taschen
Neben dem Verlesen der Esther-Geschichte, gehören zu diesem Freudenfest auf jeden Fall auch Gebäck: aus Mürbteig geformte dreieckige Taschen, gefüllt mit Schokolade, Mohn, oder Fruchtmus. Die werden nicht nur selbst gegessen sondern an Purim verschenkt, zusammen mit vielen anderen Geschenken und Gaben, auch an Bedürftige. Es gibt verschiedene Erklärungen, warum dieses Gebäck "Haman-Taschen" heißt. Eine davon erklärt Judith Zinman den Kindern so: "Sie sollen, aufgrund ihrer Form, an die Ohren von Haman erinnern, damit man quasi das Böse aufisst." Haman war der Regierungsbeamte, der in der Esther-Geschichte die persischen Juden vernichten wollte.
Festumzüge und spaßige Vorträge
In Israel gibt es an Purim auch Festtagsumzüge mit geschmückten Wägen, Tanzgruppen und Kapellen – die sehr an unserer Faschingsumzüge erinnern. In Synagogen und Schulen werden spaßige Lehrvorträge gehalten, ähnlich wie die Büttenreden bei uns.
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