Wahlunterlagen des Wahlsiegers im oberpfälzischen Lappersdorf.
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Junge Bürgermeister: Eine neue Generation von Kommunalpolitikern

Junge Bürgermeister: Eine neue Generation von Kommunalpolitikern

Hohe Arbeitsbelastung, Anfeindungen und angestaubte Bürokratie: Sollte man als junger Mensch heute noch in die Politik gehen, zum Beispiel als Bürgermeister? Der Lappersdorfer Franz Rumstadt sagt: Unbedingt – wenn man ein paar Sachen anders macht.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

Noch am Abend des 8. März herrscht Gewissheit, der anstrengende Wahlkampf ist vorbei: Franz Rumstadt hat die Wahl gewonnen und für die CSU das Rathaus der Marktgemeinde Lappersdorf im Regensburger Speckgürtel von den Freien Wählern zurückerobert. Am 1. Mai übernimmt der Oberpfälzer das Amt als Erster Bürgermeister.

Rumstadt ist 29 Jahre alt und damit deutlich jünger als seine Amtskollegen: Laut einer Studie waren Anfang 2026 nur etwa sieben Prozent aller Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Bayern unter 40 Jahre alt.

29-jähriger Wahlsieger: "Das ist kein Scherzjob"

Woran es liegt, dass so wenige junge Menschen Bürgermeister werden wollen? Eine Erklärung könnte das wenig zeitgemäße, vielleicht sogar etwas angestaubte Bild des Dorfbürgermeisters sein. Ein Image, das nicht zutreffe, sagt Rumstadt: "Vielleicht wurde dieses Amt lange so ausgeübt, dass dieses Bild vom Grüß-Gott-August entsteht, der mal das Feuerwehrfest eröffnet. Auch darauf habe ich große Lust – aber es ist der kleinste Bestandteil dieses Amtes."

In Lappersdorf könne man den Job eher mit der Führung eines mittelständischen Unternehmens vergleichen, sagt Rumstadt weiter: "Wir haben ein Haushaltsvolumen von 60 Millionen Euro und rund 160 Beschäftigte. Das ist kein Scherzjob."

Ab Mai will der promovierte Betriebswirt Lappersdorf für die Zukunft rüsten: Unter anderem will er nach der Amtsübernahme so schnell wie möglich ein kommunales Wohnbauunternehmen gründen und den Bürgerservice digitalisieren.

Bürgermeister im Ehrenamt: Nur für Rentner?

Etwa 500 Kilometer Luftlinie weiter nördlich, in einem 2.300-Einwohner-Ort an der polnischen Grenze, ist ein anderer junger Mann bereits im Amt: Luca Piwodda wurde 2024 mit 24 Jahren Bürgermeister von Gartz an der Oder und damit zugleich zum jüngsten Bürgermeister Brandenburgs.

Piwoddas Amt ist, im Gegensatz zu Rumstadts Posten als Erster Bürgermeister, kein Hauptamt. Wie rund 6.500 andere der etwa 11.000 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Deutschland übt er sein Amt ehrenamtlich aus, das heißt: Er erhält kein Gehalt, sondern nur eine Aufwandsentschädigung in Höhe von etwa 900 Euro im Monat liegt. Gleichzeitig erfordere das Amt viel Zeit: "Es sind 35, 40 Stunden pro Woche, die man hier in das Bürgermeisteramt steckt. Aber es macht ja Spaß."

Wer einen Vollzeitjob habe, könne das Amt oft kaum mit dem restlichen Berufsleben vereinbaren. Das sei ein Umstand, der viele jüngere Menschen an einer Kandidatur hindere, sagt Piwodda: "Eigentlich können das nur Leute machen, die es sich leisten können oder Rentner sind."

Heimatliebe schlägt Karriere

Als hauptamtlicher Bürgermeister kann sich Franz Rumstadt dagegen darauf einstellen, aus der Tätigkeit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aus rein wirtschaftlichen Gründen hätte er sich aber dennoch gegen eine Kandidatur entscheiden müssen, denn im Vergleich zu seinem bisherigen Job in der Automobilindustrie werde er auf Gehalt und etwaige Karrierechancen verzichten. Warum? "Keine der Optionen, die ich mir vorstellen kann, ist so attraktiv wie das Bürgermeisteramt. Da geht es um eine Liebesentscheidung für mein Zuhause."

"Bürgermeister ist der schönste Job der Welt"

Gut ausgebildet, unter 30 Jahre alt und gut vernetzt: Wäre einer wie Rumstadt nicht prädestiniert für eine höhere politische Ebene? Der CSU-Mann sagt, er wolle lieber vor Ort etwas bewegen: "Der Bürgermeister hat so viel Einfluss, so viel Gestaltungsmöglichkeit, den Ort besser zu machen. Das ist für mich tausendmal attraktiver als ein Job in irgendeinem Parlament. Bürgermeister ist der schönste Job der Welt."

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