Ende September wird der Deutsche Olympische Sportbund entscheiden, wer für Deutschland bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele antritt: Hamburg, Berlin, München oder "KölnRheinRuhr". Die Grundlage für die Bewerbung um die Jahre 2036, 2040 und 2044 bildet eine spezielle Matrix. Sie besteht aus verschiedenen Punkten wie Hotelkapazitäten, internationaler Strahlkraft und Nachhaltigkeit.
Beobachter sagen München und dem Städteverbund in Nordrhein-Westfalen mit Köln im Zentrum besonders gute Chancen nach. Die gemeinsame Recherche von WDR und BR zeigt, was für welchen Bewerber spricht. Eine wichtige Rolle spielt für den DOSB der Rückhalt in der Bevölkerung.
Rückhalt in Bevölkerung für beide Bewerber groß
Hier stehen beide Bewerber gut da. In "KölnRheinRuhr" haben sich in 16 der 17 betroffenen Kommunen laut NRW-Ministerpräsident Wüst rund zwei Drittel für Olympia entschieden, die Wahlbeteiligung war allerdings mit landesweit 32 Prozent geringer als in München. Hier haben vergangenen Herbst 42 Prozent der Wahlberechtigten am Bürgerentscheid teilgenommen, die Zustimmung lag ähnlich hoch bei 66,4 Prozent.
In Hamburg gibt es erst Ende Mai ein Referendum dazu. In Berlin ist eine Bürgerbefragung aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht möglich.
Bevölkerung in der Olympia-Bewerberregion
Wo punktet München?
Organisation einfacher
Die Organisation der Spiele ist in München leichter. Im Verbund "KölnRheinRuhr" wären dagegen mehr als ein Dutzend Städte beteiligt, hier sind Konflikte programmiert. Das könnte ein Nachteil für Nordrhein-Westfalen sein, denn der Deutsche Olympische Sportbund legt Wert auf Kompaktheit.
Infrastruktur kompakter
Für den Deutschen Olympischen Sportbund ist auch wichtig, dass die Athleten schnell zu den Sportstätten kommen. Die Fahrt zwischen Unterbringung im olympischen Dorf und den Sportstätten soll unter einer Stunde liegen. Auch das würde eher für München sprechen. NRW bringt zwar ein größeres Verkehrsnetz mit. Aber dieses Netz ist störanfällig, mit Staus auf den Straßen und Problemen bei der Pünktlichkeit auf der Schiene.
Internationale Strahlkraft
Hier kann eindeutig München punkten. Die Stadt ist durchs Oktoberfest weltberühmt. Im Ausland wird Deutschland häufig mit Bayern gleichgesetzt. Außerdem hat München schon 1972 Olympische Spiele ausgerichtet und konnte zumindest in den ersten Tagen bis zum Anschlag auf die israelische Mannschaft ein positives München-Image verbreiten. Die KölnRheinRuhr Region ist international dagegen weniger bekannt.
Was spricht für NRW?
Mehr Tickets möglich
Damit die Kosten der Spiele aufgefangen werden können, spielt auch der Ticket-Verkauf eine wichtige Rolle. Was das Kontingent der Eintrittskarten betrifft, hat Nordrhein-Westfalen mehr zu bieten: 14 Millionen Menschen könnten die Olympischen und Paralympischen Spiele in NRW besuchen. Der Grund ist die große Zahl bestehender Großsportstätten. Zwischen Köln, Düsseldorf, Dortmund und den weiteren Städten stehen bereits mehrere große Stadien, Arenen und Hallen, die schon heute regelmäßig Zehntausende Zuschauer aufnehmen. Das erhöht die Chancen auf große Zuschauermassen - und entsprechend mehr Einnahmen. In München gäbe es weniger Sportstätten - und wohl deutlich weniger Tickets.
Wohl weniger Investitionen pro Ticket
München hat 1972 Olympische Sommerspiele ausgerichtet. Deshalb gibt es schon viele Anlagen. Die müssten allerdings teilweise modernisiert oder erweitert werden. Auch die Allianz Arena und die Messe München würden als Sportstätten eine Rolle spielen. Trotzdem bräuchten die Münchner temporäre Anlagen, die extra gebaut werden müssen, zum Beispiel für Basket- und Volleyball sowie fürs Bahnradfahren. Eine Studie der TU München geht von vier Milliarden Euro an Investitionen aus. Die Investition pro Ticketplatz dürfte in München höher als in NRW liegen. Denn dort können die Bewerber mit der Dichte ihrer Sportinfrastruktur punkten. Weil dort weniger neu gebaut werden müsste, wäre das NRW-Konzept auch nachhaltiger.
Mehr Hotelbetten
Auch wenn München schon aufgrund des Oktoberfests auf Großereignisse eingestellt ist, hätte es nicht genug Hotelbetten. Aber auch das Umland ist touristisch gut erschlossen und für Gäste attraktiv. Trotzdem hat hier NRW aber strukturelle Vorteile: Weil sich das Olympia-Konzept über mehrere Großstädte erstreckt, verteilt sich auch das Angebot an Hotels, Pensionen und sonstigen Übernachtungsmöglichkeiten.
Anzahl an angebotenen Schlafgelegenheiten
Fazit: München punktet mit Kompaktheit und Strahlkraft, NRW mit vielen bestehenden Spielstätten. Wie stark der DOSB die einzelnen Kriterien bei seiner Entscheidung im Herbst gewichtet, ist aber unklar. Die deutsche Region oder Stadt, die sich im September im nationalen Wettbewerb durchsetzt, kann trotzdem bei den Olympischen Spielen leerausgehen. Denn die letzte Entscheidung trägt das Internationale Olympische Komitee. Es könnte auch sein, dass Deutschland nicht zum Zug kommt. Auch Indien, Katar und andere europäische Städte wollen sich bewerben.
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