Rund 200 Hüttenwarte der Alpenvereinssektionen aus ganz Deutschland haben sich in dieser Woche mit Fachleuten getroffen, um über die Zukunft der 325 DAV-Hütten in Deutschland und Österreich zu beraten. Ein Thema in Benediktbeuern ist die neue Einfachheit auf den Hütten, weil Wassermangel und Energieknappheit immer spürbarer werden. Das Thema aber, das die meisten Emotionen hervorruft, sind die Bettwanzen.
Extremsituation für Hüttenwirte
So klein die nur gut einen halben Zentimeter großen Blutsauger sind, so groß ist der Stress, den sie bei den Hüttenwirten und den DAV-Verantwortlichen auslösen. Im vergangenen Sommer wurde unter anderem die Alpenvereinssektion Bad Kissingen von einem Befall auf ihrer Hütte in den Allgäuer Alpen überrollt.
Die Sektion Allgäu-Immenstadt stellt für ihre vier Berghütten inzwischen schon präventiv 50.000 Euro bereit, um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein. Denn die Bekämpfung der Bettwanzen kostet viel Zeit und Geld.
Sie verkriechen sich in Holzritzen, hinter Abdeckungen von Steckdosen und Vertäfelungen. Viele Hütten starten inzwischen mit einer Voruntersuchung durch einen Schädlingsbekämpfer in die Saison, um sicherzustellen, dass die Hütte sauber ist.
Das Bettwanzen-Thema muss aus dem Versteck
Eine Garantie ist aber auch die vorbeugende Untersuchung nicht: Bettwanzen reisen buchstäblich im Gepäck der Wanderinnen und Wanderer und lassen sich so von Hütte zu Hütte tragen. Deshalb ändert der Deutsche Alpenverein in dieser Saison die Kommunikation über das schambehaftete Thema und das unter großer Zustimmung aller Teilnehmer des Hüttensymposiums: Das leidige Thema wird in der neuen Hüttensaison offen und konkret angesprochen. Hüttenwirte sollen sich bei einem Befall gegenseitig informieren und vorwarnen, wenn Wanderer von einem Schutzhaus zum nächsten unterwegs sind.
Experten wie der Berliner Schädlingsbekämpfer Daniel Krämer beobachten eine ähnliche Entwicklung wie bei Kopfläusen in den Schulen: Je aufmerksamer alle mit dem Thema umgehen, desto mehr sinkt der Befall. Umgekehrt ist es, wenn das Thema aus Scham oder Unwissenheit verheimlicht wird.
Wanzen nur schwer wieder loszuwerden
Richtig schwierig wird es, wenn sich Bettwanzen erst einmal eingenistet haben. Versuche auf der Knorrhütte im Wetterstein haben schon vor Jahren gezeigt, dass die Insekten nicht einmal über das kalte Winterhalbjahr absterben, wenn die Hütte geschlossen ist. Laut Krämer verbreiten sich insbesondere durch aus den USA eingeschleppte Bettwanzen die Resistenzen gegen Insektizide immer weiter. Das Aufheizen befallener Räume auf über 43 Grad helfe meistens auch nicht, weil sich Bettwanzen tief in die Wände, Böden und Decken verkriechen.
Abhilfe schafft ein Packsack im Gepäck
Dabei ist es selbst für Kenner nicht leicht, Spuren der Bettwanzen in den Zimmern aufzuspüren. Einige Hütten tauschen ihre Bettwäsche von farbigen Mustern in reines Weiß um, weil dann Flecken leichter sichtbar sind.
Wanderer können sich selbst und die Hütten schützen, wenn sie ihren Rucksack in einen weiteren Packsack oder notfalls auch Müllsack stecken, so dass möglichst wenig Kontakt mit der Matratze und dem Schlaflager stattfindet. Solche einfachen Vorkehrungen helfen auch, dass man die Plagegeister nicht mit nach Hause schleppt: Rucksack in der Badewanne ausleeren und eine mindestens halbstündige Wäsche bei 60 Grad helfen im Verdachtsfall weiter.
Entscheidend aber sei es, mit dem heiklen Thema offen umzugehen – deshalb die neue Kommunikationsstrategie des DAV in dieser Saison.
Dieser Artikel ist erstmals am 14. März 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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