Umzäunte Mittelschule in Mindelheim
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Außenansicht der Mittelschule Mindelheim.
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Keine "Resteschule": Mittelschulen sollen gestärkt werden

Keine "Resteschule": Mittelschulen sollen gestärkt werden

Die Mittelschule hat einen schlechten Ruf. Viele Schüler, immer weniger Lehrer. Alle Fraktionen im Landtag sind sich einig, dass was getan werden muss. Aber welcher Weg der richtige ist, darüber diskutierten die Abgeordneten im bayerischen Landtag.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) hat zur Diskussion im Landtag eine neue Initiative mitgebracht: "Mittelschule - stark für jeden Weg" heißt sie. Später wird sie von der Opposition dafür gescholten werden – alles nur "Show". Worum geht es?

Die drei Z sollen die Mittelschulen stärken

An den bayerischen Mittelschulen sollen künftig die drei Z – Zeit, Zukunft, Ziele – für mehr Lehr- und Lernerfolg sorgen. Wichtigster Punkt: In den Klassen 5 und 6 werden Schülerinnen und Schüler an immer mehr Schulen gemeinsam unterrichtet, jahrgangsübergreifendes Lernen (JAMI) genannt. Es bleibe damit mehr Zeit zum Lernen, wenn der Stoff noch nicht sitze, so Stolz. Die Schulen bekämen außerdem mehr Spielraum bei der Stundentafel – sie könnten soauf die unterschiedlichen Bedarfe der Kinder eingehen, erläutert die Kultusministerin.

Die Vorsitzende des Bildungsausschusses, Ute Eiling-Hütig (CSU), übersetzt die Notwendigkeit einer starken Mittelschule mit diesen Worten: "Wir brauchen 2.000 Handwerker und einen Professor maximal und nicht 2.000 Professoren und einen Handwerker."

Opposition begrüßt Maßnahmen und kritisiert Lehrermangel

AfD, Grüne und SPD sind mit den Regierungsfraktionen CSU und Freie Wähler einer Meinung, wonach die Mittelschule gestärkt werden müsse. Oskar Atzinger von der AfD-Fraktion kritisiert, mit der Initiative der Kultusministerin werde nicht die Schulart gestärkt, diese – die Mittelschule – werde stiefmütterlich behandelt. Stichwort Lehrermangel.

Die Bildungspolitikerin der Grünen-Fraktion, Gabriele Triebel, sagte, man müsse sich fragen, ob die Staatsregierung für die Mittelschulen genug tue. Die Schüler selbst hätten oft den Eindruck, "auf der Resteschule" zu sein. Bereits in diesem Schuljahr fehlten 500 Lehrkräfte an den Mittelschulen. Zum Lehrermangel komme nun das Stellenmoratorium dazu. Das jahrgangsübergreifende Lernen sei nur ein "laues Lüftchen", rief Triebel der Ministerin zu: "Geben Sie den Mittelschulen endlich genügend Personal!" Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Nicole Bäumler, kritisierte: Die Mittelschulen bräuchten keine "Showwerkstatt".

Immer weniger Nachwuchs an Lehrkräften

Das schlechte Image der Mittelschulen lässt sich in Zahlen belegen. So studieren immer weniger junge Menschen mit dem Ziel, später an einer Mittelschule zu unterrichten. Nach den Zahlen des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) hat die Zahl der Lehramtsstudierenden seit 2014/2015 um 41 Prozent abgenommen. Deutlich stärker als für die Realschule (-17 Prozent) und das Gymnasium (-24 Prozent).

Bildungschance von Kindern hängt vom Elternhaus ab

Das ifo-Institut hat am Dienstag neue Zahlen zu den Bildungschancen von Kindern veröffentlicht. Der eindeutige Befund: Die Chance auf einen hohen Schulabschluss hängt in Deutschland vom Elternhaus ab. Wächst ein Kind mit Eltern ohne Abitur aus dem untersten Einkommensviertel ohne Migrationshintergrund auf, besucht es laut ifo-Institut mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 17 Prozent das Gymnasium. Bei Kindern von Eltern mit Abitur aus dem obersten Einkommensviertel mit Migrationshintergrund seien es mehr als 80 Prozent.

Die Empfehlung der Forscher lautet daher: An Schulen mit benachteiligten Kindern brauche es "die besten Lehrkräfte sowie kostenlose Nachhilfe und Mentoring-Programme".

Im Video: Landtag will Mittelschule stärken

Blick von oben in ein Klassenzimmer mit lernenden Schülern an Gruppentischen.
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Videobeitrag

Unterricht an einer Mittelschule in Bayern: Engagierte Lehrkräfte und kreatives Lernumfeld prägen den Schulalltag.

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