Den Kindern vorlesen: Eine von Teresa Lieblingsaufgaben bei ihrer Arbeit im Kindergarten.
Bildrechte: BR/Christian Akber-Sade
Audiobeitrag

Den Kindern vorlesen: Eine von Teresa Lieblingsaufgaben bei ihrer Arbeit im Kindergarten.

Audiobeitrag
>

Kita-Mitarbeiterin mit Beeinträchtigung: Wie Teresa aufblüht

Kita-Mitarbeiterin mit Beeinträchtigung: Wie Teresa aufblüht

Teresa Müller hat eine geistige Beeinträchtigung. Ihr größter Traum war und ist es, in einem Kindergarten zu arbeiten. Das tut sie aktuell. Allerdings ist ihre Stelle befristet. Wie reagieren Kinder und Eltern auf die 26-Jährige?

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

Teresa Müller ist mit dem Triple-X-Syndrom zu Welt gekommen. Sie hat ein X-Chromosom zu viel. Dazu gab es Komplikationen bei der Geburt. Seitdem lebt die Straubingerin mit einer geistigen Beeinträchtigung, die auch körperliche Einschränkungen mit sich bringt.

In manchen Alltagssituationen ist sie unsicher – wie zum Beispiel beim Rolltreppe fahren. Sie hat trotz aller ärztlicher Negativprognosen Lesen und Schreiben gelernt, versteht das, was sie selbst liest, aber nicht immer auf Anhieb.

Vor allem mithilfe ihrer Mutter Sabine schreibt sie ihre ganz eigene, besondere Geschichte. Denn seit viereinhalb Jahren arbeitet sie in der AWO-Kindertagesstätte Regenbogen in Straubing. Der Vertrag ist befristet und die Stelle zum größten Teil nur dank der Zusage der Stadt Straubing finanziert.

Aufgaben in der Kita: Haushalt, Spielen, Vorlesen

Die 26-Jährige hat zunächst als Praktikantin in der Krippe angefangen und ist dort seit zwei Jahren feste Mitarbeiterin. Morgens ist sie als Erstes für die Wäsche zuständig, faltet geduldig Geschirrtücher und legt sie in den Schrank. Aber der Haushalt ist nicht ihre einzige Aufgabe. Schon im Morgenkreis hat sie Kinder auf dem Schoß, singt mit. Im Verlauf des Tages macht sie noch mehr mit den Kleinen. "Also ich lese vor, spiele Lego und mit Autos. Ich puzzle. Aber am liebsten mag ich das Buchlesen", beschreibt Teresa.

Beliebt bei Kolleginnen, Kindern und Eltern

Teresa ist groß, über 1,80 Meter. Manchmal macht ihr das wegen ihrer motorischen Beeinträchtigung Probleme. Zuletzt hatte sie sich am Knie verletzt und ist einige Wochen ausgefallen. "Sie hat uns echt gefehlt, das hat man gemerkt", sagt Alexandra Altmann, angehende Gruppenleiterin in der Krippe. "Sie hat sich einfach wahnsinnig gut entwickelt." Mittlerweile mache sie sehr viel selbstständig, erzählt Altmann weiter, man müsse ihr kaum noch etwas sagen. Und auch die Kinder lieben ihre Teresa. Da gibt es von der kleinen Tiara auch mal ein Küsschen beim Vorlesen.

Für die Eltern, die ihr Kind zum ersten Mal in fremde Hände geben, ist es zum Teil eine ungewohnte Situation. Das ging auch Stefan Oellerer, dem Papa der kleinen Valentina so. "Wir hatten ja noch nicht diese Erfahrung und deshalb war es auch für uns erstmal spannend, wie sich das entwickelt", blickt Oellerer zurück. "Aber wir haben gleich gemerkt: Teresa ist super freundlich, super engagiert, und von daher ist sie eine echte Bereicherung."

Befristeter Vertrag für fünf Jahre

Der Vertrag der beliebten Mitarbeiterin ist allerdings auf fünf Jahre befristet. Ohnehin ist dieses Projekt kein gewöhnliches. Denn das Gesetz sieht keine Förderung seitens des Freistaats Bayern für solch einen Fall vor. Dass Teresa hier arbeiten kann, hat sie in erster Linie ihrer Mutter Sabine zu verdanken. Sie war es, die sich extrem für den Traum ihrer Tochter eingesetzt hat.

Sabine Müller hatte das Gespräch mit Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU) gesucht, als es um die Finanzierung der Stelle ging. Pannermayr zeigte sich beeindruckt und bewegt, wie er heute sagt. Auch der Stadtrat stimmte zu, sodass die Stelle zu 80 Prozent von der Stadt finanziert wird. Die übrigen 20 Prozent generiert die AWO, der Träger der Kita, über Spenden.

Teresa: "Ich mag für immer hierbleiben"

"In solchen Fällen würde ich mir einfach wünschen, dass ihnen bewusst ist, dass Inklusion und Integration nicht zum Nulltarif zu erhalten sind", ärgert sich Conny Siewert, die stellvertretende AWO-Abteilungsleiterin, über Gesetzeslage und verantwortliche Politiker. Siewert hatte Teresas Mitarbeit in der Kita möglich gemacht. Die Finanzierung in dem Bereich müsse besser und unkomplizierter werden, sagt sie. Eigentlich ist Teresa bei den KJF-Werkstätten angestellt, einer Einrichtung, die sich um Bildung und Arbeit für beeinträchtigte Menschen kümmert. Deren Integrationsbegleiter Konrad Kellner hat es Teresa zu verdanken, dass ihr Arbeitsplatz ausgelagert werden konnte.

Oberbürgermeister Pannermayr hat nun in Aussicht gestellt, dass das Projekt fortgesetzt wird, jedenfalls wolle er den Stadtrat davon überzeugen. Damit würde er Teresas größtem Wunsch entsprechen: "Ich mag für immer hierbleiben!"

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!