Bilal Impram ist offenbar kein alltäglicher Zugbegleiter, auch wenn er das selbst anders sieht. Der 27-Jährige arbeitet seit knapp drei Jahren beim privaten Eisenbahnunternehmen "Arverio". Regelmäßig ist er auf den Strecken Würzburg–München, Würzburg–Augsburg und Ansbach–Treuchtlingen unterwegs. Besonders bei zwei Einsätzen hat er sich dabei so sehr für die Zuggäste eingesetzt, dass die ihn für die jährliche Auszeichnung "Eisenbahner/in mit Herz" in Bayern vorgeschlagen haben. Mehr als 6.000 Menschen haben bei der Auszeichnung der "Allianz pro Schiene" über den Sieger in der Kategorie Publikumsliebling abgestimmt.
Bilal Impram: Organisationstalent mit Herz nach Zugausfall
Im vergangenen September organisierte Impram bei einem Zugausfall in Ansbach die Weiterfahrt der Fahrgäste. Obwohl er eigentlich schon Feierabend hatte, fuhr er selbst zum Zielort mit, um sicherzustellen, dass alle gut ankommen. Mit einem Zettel und einem Heft, so erzählt er es, sei er zu jedem einzelnen Fahrgast gegangen und habe nach dem Fahrziel und möglichen Anschlusszügen gefragt.
Als der Zug dann in Ansbach endete, wusste er, dass die S-Bahn nach Nürnberg weiterfährt und entschloss sich, weiter mitzufahren. In Nürnberg angekommen hat der Zugführer dann allen anderen Zügen Bescheid gegeben. "Wir sind nochmal losgerannt mit Kinderwägen, mit Rollstuhlfahrern und haben den Anschlusszug nach Würzburg geschafft", so der Zugbegleiter. Alle im Zug hätten sich bei ihm mit Applaus bedankt "Zurück in Würzburg bin ich dann nochmal zwei Stunden bei den Fahrgästen geblieben, bis die ersten Züge wieder losfuhren und alle gesund nach Hause kommen konnten", erzählt der 27-Jährige.
Zug voll und Hitze: Einsatz für Mutter mit Kindern
Die zweite Nominierung kam von einer Mutter. Es geht um einen Einsatz im August vergangenen Jahres. Die Frau wollte mit ihrem Kinderwagen bei heißen Temperaturen in einen übervollen Zug einsteigen. Impram wollte die Frau und ihr Baby nicht am Bahnsteig stehen lassen. "Also habe ich Fahrradfahrer gebeten, auszusteigen und einen späteren Zug zu nehmen", erklärt er. Die Mutter habe noch ein kleines Kind dabei gehabt und sei völlig überfordert gewesen. Er habe dann ein Abteil leergeräumt und die Erste Klasse freigegeben. Mit der Mutter und den Kindern hat er gemalt und gelacht. Dem kleinen Mädchen hat er den Zug gezeigt. "Irgendwann ist es halb eingeschlafen und ich habe es zur Mutter zurückgetragen."
Ziel: Fahrgästen helfen statt sie zu bestrafen
Über die Auszeichnung freut sich Impram sehr. Wie er sich in seinem Beruf verhalte, entspreche seinem Selbstverständnis und dem vieler Kollegen und Kolleginnen, sagt er. "Für mich war das selbstverständlich. Genau das ist das, was meinen Job beschreibt. Ich bin nicht dafür da, den Fahrgästen Strafen zu verteilen. Ich bin genau dafür da, den Menschen zu helfen und die Fahrt angenehmer zu machen", so der Zugbegleiter.
Arbeitgeber lobt "Eisenbahner des Jahres" in Bayern
Lob für den "Eisenbahner des Jahres" kommt auch von seinem Arbeitgeber "Arverio": "Die beiden Geschichten sprechen ja für sich, dass er da unkompliziert und menschlich gehandelt hat – auch über das hinaus, was man als Mitarbeiter tun muss", sagt Sprecher Winfried Karg. Das junge Unternehmen freue sich, dass in diesem Jahr mehrere ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für den Preis vorgeschlagen wurden. "Das ist genau das, was wir wollen. Für die Baustellen können wir nichts, für die Verspätungen meistens auch nichts." Wenn es die Kollegen und Kolleginnen dann schaffen, für gute Laune zu sorgen und das größte Chaos zu bändigen – wie Herr Impram – dann sei das natürlich toll, so Karg.
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