Der Eingang des neuen MVZ Sogesund in Schongau
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Das medizinische Versorgungszentrum Sogesund in Schongau
Bildrechte: picture alliance / SZ Photo | Catherina Hess
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Das medizinische Versorgungszentrum Sogesund in Schongau

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Krankenhaus auf dem Land – Schongau ist einen neuen Weg gegangen

Krankenhaus auf dem Land – Schongau ist einen neuen Weg gegangen

Das Schongauer Krankenhaus war vor drei Jahren von der Schließung bedroht. Heute gilt es als Modell für den ländlichen Raum in Bayern. Erst totgesagt, jetzt ein Vorzeigeprojekt – was ist da passiert?

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Das Krankenhaus Schongau stand kurz vor der Schließung. Heute kommen Delegationen aus ganz Bayern, um sich anzuschauen, was hier passiert ist. "SoGesund ist ein Modellprojekt geworden“, sagt einer der beiden Geschäftsführer Claus Rauschmeier. Sie seien mutig genug gewesen, einen neuen Weg zu gehen.

Ambulanz in Schongau - Weilheim bleibt Akutversorger

Die Idee: Weg vom klassischen Akutkrankenhaus, hin zu einem medizinischen Versorgungszentrum. 18 Ärzte, rund zehn Fachgebiete, dazu ein ambulantes OP-Zentrum und eine Notfallambulanz – aber eben nicht mehr rund um die Uhr.

Der Schritt war radikal. Zwei früher praktisch identische Standorte, Weilheim und Schongau, wurden komplett neu gedacht. "Weilheim wird der Schwerpunktversorger, das Blaulichthaus“, erklärt der ärztliche Direktor Thomas Löffler. Schongau konzentriert sich auf Ambulantes: Kurze Wege, schlanke Strukturen, schnell wieder nach Hause.

Facharztpraxen statt leerer Flure

Vor drei Jahren: Leere Gänge, Zukunftsangst. Heute: Wieder Betrieb auf den Stationen. In Schongau gibt es eine Bettenstation mit 40 Betten. Das Ziel: ambulante Eingriffe und kurze Aufenthalte.

Weilheim übernimmt die schweren Fälle. Schlaganfälle, Herzinfarkte, Unfälle – hier landen die Rettungswagen, teils über 60 an einem Tag, so Löffler. Schongau übernimmt dafür ambulante Eingriffe und ausgewählte, fittere Patienten nach OPs auf. "Weilheim kann ohne Schongau nicht und Schongau kann ohne Weilheim nicht“, fasst Löffler zusammen.

Was es nicht mehr gibt: eine Geburtshilfe im Landkreis. Wer ein Kind bekommt, muss in die Nachbarlandkreise nach Starnberg, Landsberg oder Garmisch-Partenkirchen ausweichen. Das schmerzt viele – ist aber Teil der Entwicklung.

Krankenhaus kämpft mit Defiziten

SoGesund habe sich "mehr als etabliert“, sagt Rauschmeier. Doch bei den Bilanzen – im letzten Jahr betrug das Defizit für die Kreiskasse über 12 Millionen Euro – gibt es keine Entwarnung. Die Kosten steigen: Energie, Personal, Lebensmittel – alles wird teurer. Bezahlt wird aber weiter über Fallpauschalen, die den Aufwand nicht decken. Die Folge: Ständige Kontrolle, ständiger Druck. "Wir haben regelmäßig den Auftrag an eine Fachanwaltskanzlei, uns zu überprüfen", erklärt Rauschmeier. Trotzdem: "Das Unternehmen steht zum jetzigen Zeitpunkt auf sicheren Füßen."

Reformstau und Zeitdruck

Die Verantwortlichen schauen nach Berlin und München. Die lange angekündigte Krankenhausreform lässt weiter auf sich warten. "Wir sind angehalten, ambulante Medizin zu entwickeln, aber wir kriegen dafür nicht die notwendigen investiven Mittel", kritisiert Rauschmeier. "Es ist bedrückend, ein wirtschaftliches Unternehmen umzugestalten, ohne die entsprechenden Bedingungen."

Die im vergangenen Herbst beschlossene Einmalhilfe von vier Milliarden Euro für alle Kliniken aus dem Sondervermögen der Bundesregierung – für Weilheim-Schongau wären es gut zwei Millionen gewesen – wurde sogleich wieder gekürzt. "Das dämpft sofort die Erwartung einer Verschnaufpause", sagt Rauschmer. Sein Fazit ist hart: "Ein Akutversorger lässt sich unter den derzeitigen Rahmenbedingungen, wenn man den Versorgungsauftrag in der Fläche ernst nimmt, wirtschaftlich kaum – bis gar nicht – abbilden."

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