Frau und Mann stehen nebeneinander und halten ein Maßband um ihre Bäuche
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Die Menschen in Deutschland schleppen immer häufiger zu viele Kilos mit sich herum
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Krankhaftes Übergewicht: Über eine Million Bayern sind zu dick

Krankhaftes Übergewicht: Über eine Million Bayern sind zu dick

Bundesweit sind ein Viertel aller Erwachsenen adipös, also krankhaft übergewichtig - und jedes sechste Kind. Auch in Bayern sind viele Menschen betroffen. Die hiesige Gesundheitsministerin Judith Gerlach will künftig verstärkt dagegen vorgehen.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Zu viel Fett und Süßes, zu wenig Bewegung – beides spielt meist eine Rolle, wenn Menschen zu dick werden. 57 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen in Deutschland sind übergewichtig – ein Viertel ist sogar stark übergewichtig. Das sagt die Deutsche Adipositas-Gesellschaft. Laut Robert-Koch-Institut sind auch viele Kinder von chronischer Fettleibigkeit betroffen.

Die Zahl der Übergewichtigen in Bayern wächst

In Bayern sind mehr als eine Million Menschen viel zu dick. Laut Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) waren im Jahr 2024 rund 1,1 Millionen der gesetzlich Versicherten im Freistaat von Adipositas, also krankhaftem Übergewicht, betroffen. Bei den Erwachsenen waren laut dem letzten Mikrozensus etwa 15 Prozent stark übergewichtig, weitere rund 35 Prozent übergewichtig – Tendenz seit 2009 leicht steigend, so die Ministerin. 

Bei Kindern seien 3,6 Prozent stark übergewichtig und weitere 4,9 Prozent übergewichtig. Eine Adipositas im Kindesalter bleibe häufig auch im Erwachsenenalter bestehen, betonte Gerlach: "Knapp die Hälfte der im Grundschulalter untersuchten Kinder mit starkem Übergewicht waren auch noch fast zehn Jahre später übergewichtig."

Übergewicht hat Folgen für Gesundheit - und Gesundheitssystem

Das belaste auch das Gesundheitssystem: Allein im Freistaat beliefen sich die Kosten für Betroffene von Adipositas auf geschätzt rund 197 Millionen Euro, erklärte die CSU-Politikerin weiter.

Aber nicht nur das System ist belastet, auch die Betroffenen selbst belastet ihr Gewicht – körperlich und psychisch: Viele von ihnen werden oft vorschnell als undiszipliniert oder willensschwach abgestempelt. Manche suchen aus Scham keine Hilfe gegen ihre chronische Erkrankung.

Hinzu kommen bei den Betroffenen typische Folgeprobleme von Fettleibigkeit wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einzelne Krebsleiden. Statistisch verkürzt eine Adipositas je nach Schweregrad die Lebenserwartung um zwei bis zehn Jahre.

Gerlach will mehr Prävention gegen Fettleibigkeit

Auf all das soll der heutige Welt-Adipositas-Tag aufmerksam machen. Und das nutzt die Ministerin. Starkes Übergewicht bedeutete eine körperliche und psychische Belastung für die Betroffenen und könne zu Folgeerkrankungen führen. "Wichtig sind deshalb ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung bereits im frühen Kindesalter." Gerlach will der Entwicklung nun mit einem "Masterplan Prävention für Bayern" entgegenwirken.

Geplant sei eine Zusammenarbeit in vielen gesellschaftlichen Bereichen: Als Beispiele nennt Gerlach leicht erreichbare Bewegungsangebote sowie gesundes Essen in Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Kliniken oder Seniorenheimen. Daneben sei es ihr wichtig, der Stigmatisierung von übergewichtigen Menschen entgegenzuwirken.

Wissenschaftler fordern nationale Strategie

Wissenschaftler, etwa von der Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, fordern von der Politik ohnehin dringend, zu handeln – etwa mit Maßnahmen wie Abnehm-Medikamenten als Kassenleistung oder einer Zuckersteuer. Die Debatte darüber hatte zuletzt wieder Fahrt aufgenommen: Einige europäische Länder, darunter Großbritannien, haben eine solche Abgabe eingeführt. Daraufhin sank der Zuckergehalt etwa in Getränken. Der Druck sei groß, sagen die Experten. Und: Es sei Zeit für eine nationale Strategie.

Mit Informationen von dpa und epd

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